Facebook und Mafia Wars 2
Hartmut 24. August 2009 um 10:08 Uhr
Fast genau vier Wochen ist es her, dass ich meinen ersten Artikel zu diesem Thema schrieb. Da stellte ich bereits nach 2 Tagen fest, dass ich Mafia Wars süchtig geworden bin. Seither ist es so schlimm geworden, dass ich mich für kaum noch etwas anderes interessiere als dieses kleine Mini-Spiel zu zocken.
Meine Sucht ist so schlimm, dass ich die Zeit, bis sich meine Ausdauer‑ und Energiewerte regeneriert haben, nutze, um mich um die vielen anderen Onlinespiele zu kümmern.
So zocke ich also nebenbei natürlich noch FarmVille, YoVille, StreetRacing. Von letzterem distanziere ich mich jetzt genauso wie von Pirates, Global Wars, Mobster 2, Soronity Life und Vampire Wars. Das liegt einfach daran, dass ich nunmehr auch noch online bei Texas Hold’Em Poker mitspiele.
Für den, der sich auf Facebook nicht so rumtreibt und diese Spiele ignoriert, für den bedeutet das, was ich hier schreibe, wohl nicht viel. Aber ich sehe diese Gefahr, dass immer mehr Menschen einer virtuellen Spielsucht verfallen, die unglaublich viel Zeit kostet. Alles um einen herum wird unwichtig. Ich selbst kümmere mich kaum noch um meinen Haushalt, meine Diät ist unwichtig geworden und – wie es hier schon aufgefallen ist – das Bloggen! Twittern und Artikel schreiben stehen hinten an und wollte ich, ich könnte es kaum noch. Ich habe mich vom Schreiben und kommunizieren entfremdet und bin in diesen unglaublichen Sog der Spielsucht hinein gerissen worden.
Neben der Zeit kann das ganze auch noch viel Geld kosten. Auch ich habe schon über 100 Euro investiert, um mir das Weiterspielen zu ermöglichen und meine sogenannten “Skill”-Points zu erhöhen. Denn Mafia Wars und/oder die anderen genannten Spiele wecken den Ehrgeiz. Es geht um gewinnen wollen um jeden Preis, um Anerkennung, Ruhm und Ehre. Dabei sind alle Spielprinzipien, ob man nun Mafioso, Pirat, Rennfahrer oder sogar “Desperate Housewife” ist, alle gleich. Entweder erfüllt man Aufträge und verdient sich Trophäen und virtuelle Gegenstände oder man kämpft allein oder in einer Gemeinschaft gegen andere.
Ja, diese Gemeinschaft. Da muss man hinterher sein. Man stellt “Freundschaftsanfragen” bei Menschen, die man nicht kennt, die aus aller Welt kommen und mit denen man sonst nichts am Hut hat. Ich blicke derzeit auf 389 “Freunde”. Sie bilden meinen Mafia-Clan, der mich stärker macht, der mich unbesiegbar machen soll. Diese “Freunde” und diese “Spiele” versauen mein durchaus mal sehr gepflegtes Profil bei Facebook. Denn Facebook soll ja eine Plattform zur Repräsentation meiner Person sein. Eine elektronische Visitenkarte auch für Arbeitgeber. Aber wie sieht dieses Profil nun aus?
Da erscheinen Meldungen, dass ich einen neuen Level erklommen, dass ich Freunde mit irgendwelchen Waffen beschenkt oder ihnen beim Kampf geholfen habe. Oder, dass ich jetzt ein toller Farmer geworden und ab sofort Tomaten anbauen und Schafe verschenken kann.
Ich muss davon ablassen! Meinen ersten Schritt tue ich hiermit und gelobe Besserung!
Das habe ich schon vor einer Woche getan und seither ist es nur schlimmer geworden. Ein virtueller Hilfeschrei ist das hier! Und eine Warnung an alle! Auch an Eltern, deren Kinder da spielen. Das Suchtpotenzial ist enorm! Passt auf Euch und Eure Angehörigen auf!
P.S.: Ich werde hier garantiert keinen Link zu meinem Facebook-Profil und zu meinen “Spiele-Accounts” (mehr) geben.
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Also erstmal: Ich finde es gut, dass du über dieses interessante Thema berichtest und es so lange getestet hast.
Wenn die Spiele gegen Geld aufgebaut sind und zudem noch den typischen MMORPG gleichen, die momentan so beliebt sind, dann ist die Suchtgefahr auf jeden Fall elementarer Teil des Konzepts. Vorreiter war hier u.a. World of Warcraft. Als ich gehört habe, dass man es nur gegen eine monatliche Gebühr spielen kann, habe ich lieber gleich die Finger davon gelassen, auch die anderen Sachen spiele ich aus Prinzip nicht.
Aber auch kostenlose Spiele machen süchtig (z.B. Metin 2 oder andere) Ich kenne sehr viele Leute, die sowas spielen und nicht wenige sind süchtig danach. Das sind aber auch meistens Leute, die tagsüber nicht viel arbeiten und sehr viel Zeit haben, was die Gefahr verstärkt, süchtig zu werden.
Zum Glück macht dieses Genre aber nur einen Teil des Spielemarkts aus und es gibt viele andere Spiele, die man einmal kauft und dann unendlich zocken kann. Diese sind dann vielleicht auch „pädagogisch wertvoller“, anspruchsvoller und machen nicht ganz so süchtig. Sie gleichen eher einem guten Buch, wenn man richtig damit umgehen kann und enden auf jeden Fall irgendwann von alleine.
Vielleicht hilft es, wenn man sich eine bestimmte Tageszeit am Tag fürs Spielen reserviert?
Schließlich ist Sucht oder Nicht-sucht auch eine Sache des Spielers.
Und du bist wohl gerade dabei, nicht-süchtig zu werden.
mfg, Julia
[...] wird durch die Flucht in die Online-Welt gefährdet. (siehe z.B. Mediomans Artikel über Online-Spiele [...]
@J.A.: Ja, diese Facebook-Spiele sind ja sozusagen MMORPGs auf ganz simple Art und Weise und können und wollen wahrscheinlich nicht in die Domäne von WoW und Konsorten. Sie sind mit Absicht so dermaßen simpel gestrickt, dass der Einstieg so leicht fällt. Leider wird auch sehr extrem der Ehrgeiz geweckt.
Dem Grunde nach sind sie absolut kostenlos. Nur kann man sich entweder durch Werbung oder direkte PayPal‑Überweisungen zusätzliche „Energie“ kaufen, damit man nicht warten muss, bis diese sich von selbst (langsam) wieder auffüllt und man weiter spielen kann. Ich bin da selbst schon in solch einen Kaufrausch verfallen und habe reichlich Geld ausgegeben.
Ich sehe jetzt zu, dass ich mich wirklich nur noch 2–3mal am Tag dort blicken lasse, obwohl es mich schon wieder in den Fingern kribbelt
Ich hab immer mal wieder ne Spielphase, die dann auch wieder geht… Irgendwie kriegt man mich nicht psychisch süchtig, auch nicht mit Onlinegames.
(und ich hab schon einiges gespielt. Früher z.B. „Starfights“ (Spielprinzip wie OGame oder Galaxywars) dann Power Of Politics, diverse Minispiele, WoW (aber auf einem Privatserver)…)
Ich denke, das liegt daran, dass mir so viele Sachen in meinem „realen“ Leben so viel Spaß machen und so wichtig sind, dass ich diese Sachen längerfristig nie vernachlässigen könnte.
Ich muss mir das Spiel auch mal in Ruhe anschauen, aber dafür braucht ich dann wirklich mal ne n Stunde zeit, die ich momentan einfach nicht haben
@alice hive: Ein Glück bist Du so wie Du bist
Es würde mich auch schwer betrüben, wenn Deine Kreativität durch solche Spiele verloren ginge. Ich bin leider eher der „gemütliche“ Typ und falle da scheinbar genau in dieses Fangmuster. Ich bin einfach ein Suchtmensch, egal, was es ist. Gut, dass ich mittlerweile genug Erfahrungen gesammelt habe, um die Gefahren schnell zu erkennen und gegen zu steuern.
Wir sehen uns in FarmVille …
Andy: Mach das mal und sammle Deine eigenen Erfahrungen. Meine Spieleinladung müsste vorliegen, so dass Du dann schon mal wenigstens einen an Deiner Mafia-Seite hast
Hauptsache, Deine Familie und Dein(e) Blog(s) kommen nicht zu kurz!
Hi Hartmut!
Ich kenne das nur zu gut. Auch ich war mal süchtig nach einem Browsergame, nur war es bei mir „Escape to Space“. Tag und Nacht hing ich davor, habe meine Kolonien ausgebaut und verteidigt, bin mit meiner Allianz Angriffe geflogen, hab Kolonien erobert etc. und dabei leider meine Arbeit und meine Freundin vernachlässigt (ich bin eh suchtgefährdet, früher wars mal Cannabis) bis die Abmahnung kam und meine Freundin mich zur Rede stellte.
Heute kann ich das ganz gut einschätzen, wenn mir wieder einmal zB ein Spiel begegnet das ich bis zum Excess zocken könnte. Ich erkenne relativ früh das ich mich wieder anderen/wichtigeren Dingen widmen muss.
Geholfen hat mir auch die Frage meiner Freundin: „Was bringt dir das? Bringt dich das Spiel irgendwie weiter?“ Ganz Klar: Nein! Natürlich macht es Spaß mit anderen zu interagieren, die Topliste zu stürmen und andere um ihre Kolonien zu erleichtern. Nur, weiter auf dem Weg des Lebens bringt mich das sicher nicht. Ich kann mir dafür kein Essen kaufen und es verbessert nicht meine Lebensumstände, im Gegenteil. Ich vernachlässige meine „realen“ Freunde. Das passiert mir nicht mehr.
Ich wünsche mir für dich das du die Sinnlosigkeit dieses Zeitvertreibs erkennst und dich wieder auf die wesentlichen Dinge des Lebens konzentrierst. Versteh mich nicht falsch, ich will dich nicht belehren, ich will nur vermitteln wie gut es mir ohne suchtbringende/sinnentleerte Spiele geht.
Gruß!
Andi
[...] Der aufmerksame Leser dieses Blogs wird es schon bemerkt haben: Es ist still hier geworden. Das liegt einfach daran, dass ich mittlerweile meine Zeit sehr viel auf Facebook verbringe und dort reichlich den Spielen Mafia Wars und FarmVille fröhne (siehe hierzu auch meine früheren Artikel hier und hier). [...]
Ich liebe solche facebook spiele einfach supiii :
[...] Betreff: Dein Artikel im medioman [...]