Freundschaft
Hartmut 21. August 2008 um 12:08 Uhr
- Vertraue niemandem Ⅰ
- Vertraue niemandem Ⅱ
- Vertraue niemandem Ⅲ
- Vertraue niemandem Ⅳ
- Der Informationssammler
- Kompetenz Ⅰ
- Schuld und Sühne
- Besinnung Ⅰ
- Stolz
- Freundschaft philosophisch
- Eskalation der Harmonie
- Ich steh auf Liebe!
- Freundschaft
- Vertraue niemandem Ⅴ
- Freundschaften im Fokus der Evolution
- Freundschaft ist Arbeit
- Der Messias
- Der Forscher
- Der Autor
- Kalter Schweiß
- Vertrauen
Bravo!
Was für ein herrlicher Artikel, in dem ich mich wiederfinden konnte.
Aber/Und/Trotzdem – ich bin jetzt 42 – und das Thema Freundschaften ist für mich nicht abgehakt.
Als ich 30 war, änderte sich mein „Freundesbild“ ebenso schlagartig. Ich stand damals zu meiner Drogensucht und ich hatte auf einmal keine, als ich clean wurde. In der Phase meiner Reha (Stolperclean) musste ich komplett neu anfangen, sortieren, wurde enttäuscht, getäuscht, erkannte selbst für mich nicht wahre Freunde, weil ich bockig, verletzend oder fies war.
Im Laufe der Jahre kam das Erkennen meiner eigenen Schwächen hinzu. Ich konnte nun fühlen, was ein guter Freund in meinem Leben bedeutet, aber ich war immer noch ich, der gerne „lockere“ Sprüche macht, auch sehr konsequent ist, wenn es um Betrug und Verrat, Respektlosigkeit und Vertrauensbruch geht.
Durch das Spiegeln, dem Projizieren, meiner Schwächen auf Andere wurde mir schnell klar, dass ich ein schlechter Freund war, obwohl ich Werte wie Loyalität und dem Zueinanderhalten auch in schlechten Zeiten hoch hielt.
Ich habe all das erkannt und wirklich geackert, um mich selbst zu verändern. Nicht für meine Freunde und nicht für meine Familie. Dieser Kampf um mich selbst, um Freundschaften ist härter als von meiner Drogensucht wegzukommen.
Ich bin dabei völlig locker, also nicht verkrampft. Weil ich die Zeit habe, meine Freunde zu finden.
In der Lebensphase, in der ich mich jetzt befinde, bin ich einsam.
Ich habe eine sehr gute Freundin, einen sehr guten Freund, einen weiteren, der mich immer und immer wieder enttäuscht/enttäuschen darf.
Ich merke auch meine Sturheit und Konsequenz und ziehe es durch, wenn neue Freunde in mein Leben treten, obwohl ich offen bin, wirklich!
Ich vorverurteile niemanden, ich bin weder rassistisch noch fremdenfeindlich, interessiere mich für das Leben, Reden und mache mir keinerlei Gedanken, was denn der andere „im Schilde führt“.
Ich bin nach wie vor sehr beeinflussbar, habe immer die Angst im Gepäck, den anderen zu verletzen und gehe auch über meine Ängste und Hemmungen hinweg, den in meiner „neuen Gunst“ stehenden nicht zu enttäuschen.
Ich kenne auch das Problem mit der Zeit.
Eine Freundschaft braucht neben Liebe und Respekt auch die Pflege.
Ich habe ein paar Freunde, auf die ich mich 100%ig verlassen kann, die ich seit ewigen Jahren kenne, mit denen ich manchmal nur alle 1 bis 2 Jahre telefoniere oder mich treffe.
Ein gutes Beispiel ist Fred, den ich das letzte Mal im November 2007 sah. Als ich ihn traf, war es wie immer/früher. Nichts hatte sich verändert. Wir waren wie Kinder, die sich zum Spielen verabredeten. Wir haben 20 Stunden mit seiner Playstation Guitar Hero gespielt und alles war supi. Als ich mich von ihm verabschiedete, war es wie nach gutem Sex. „Das können wir ja jetzt öfter machen!“. „Nein!, bloß nicht“, schallte es kichernd aus uns heraus. Fred ging noch einen Schritt weiter und sagte, dass es ihn stressen würde, wenn er jedes Wochenende seine Freunde sieht. Er hat ein paar, die er sich gerne über das Jahr verteilt. So bin ich in seinem Leben also dazu verdammt, auf den einen stressfreien Augenblick zu warten. Aber dann bekomme ich auch die volle Wucht seiner Freundschaft. Und diesen Augenblick seiner Freundschaft möchte ich keinesfalls missen in meinem Leben!
Was bleibt nun für mich, wenn ich über Freundschaft spreche.
Freundschaft ist wichtig und anders als Familie, die mehr verzeiht, die mich auch emotional anders berührt als eine Freundschaft. Eine Freundschaft ist eine Beziehung ohne Sex, es gibt auch welche, wo der eine gerne würde, der andere sich aber distanziert. Irgendwann kommt es zum Eklat und dann zeigt sich der Gehalt der Beziehung ohne Sex.
„Lass uns Freunde bleiben!“ Auch so ein Spruch, der locker dahingesagt viel Tragweite hat.
Wenn Emotionen wie Liebe im Spiel sind, dann sind immer noch unser ausgeprägter Fortpflanzungstrieb scheinbar wichtiger als das geistige Miteinander. Wie schnell schlägt unerwiderte Liebe in rasende Wut, Tobsucht, Eifersucht, Boshaftigkeit und Hass um.
Wir erkennen dann gar nicht mehr, was eine gute Basis die Freundschaft zu der Person, die wir lieben, hätte.
Ich kenne Freundschaften ohne Sex, die nach 20 Jahren plötzlich explodierten, verpufften und verschwanden. Und eine schwere Enttäuschung und Verbitterung hinterließen.
Eine Freundschaft mit Sex hat da bessere Karten, auch, wenn selten oder irgendwann gar kein Sex mehr im Spiel ist. Wenn ich könnte, aber nicht muss ist anders als wenn ich will, aber nicht darf.
Intensive Freundschaft ist sehr emotional und bedarf wirklich eiserner Disziplin. Sich immer wieder klar machen, transparent bleiben, was ich empfinde. Nicht das Zuhören und Zusammenstehen, Vertrauen auf das „Geheimnis“, das man miteinander teilt.
Freundschaft ist Liebe, Arbeit, Respekt und Vertrauen ohne Sex. Das alles in dieser Welt, in der wir leben, in der wir von medialen Einflüssen fast erstickt werden und uns „durchkämpfen“ müssen im Konkurrenzdruck ist wirklich schwer.
Aber genau diese eine Freundschaft kann uns auch ablenken und uns erden, wieder auf den Punkt zu kommen.
Diese eine Freundschaft lässt uns nicht alles Gleichgültig erscheinen und uns spüren, worum es geht, als Mensch auf dieser Welt zu sein.
Diese eine Freundschaft lässt uns den Glauben an uns selbst und auf das Gute nicht verlieren.
Das Gefühl, für einen Menschen ein Freund zu sein, ist ein geiles Gefühl.
Zu wissen, dass es da draußen jemanden gibt, der mich unterstützt, mich so nimmt, wie ich bin, dem ich mich anvertrauen kann, der mir Hoffnung gibt und mich bestärkt, der mich auch kritisieren darf, weil ich seine „Sprache“ kenne und der letztlich mein Herz berührt.
Und umgekehrt. Mein Vertrauen auf mich selbst zu haben, dass ich bereit bin, mich wirklich für eine Freundschaft zu engagieren, bedingungslos zu sein und ohne Erwartungen zu „opfern“.
Mich auf mich zu verlassen, dass ich diese Freundschaft ohne Selbstzweck oder Eigennutz gebrauche, um mich materiell, physisch, beruflich, psychisch, energetisch oder wie auch immer zu bereichern.
Eine Freundschaft bedeutet Reichtum – im Herzen – ohne Sex!
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sehr schöner, ehrlicher und bewegender Artikel!
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