Inspiration oder Blockade

20. November 2008 um 17:11 Uhr

Es gab einmal Zeiten in diesem Blog, da nutzte ich die intensiven Gespräche mit Marcella als eine echte Quelle für neue Artikel.
So entschlossen wir uns beide, diesen Blog zu nutzen, um uns intensiv mit unserer Vergangenheit auseinander zu setzen.
Scheibchen für Scheibchen trugen wir aus einem unübersichtlichem Wust aus Gedanken und Erinnerungen unser Leben und unser Erlebtes hier hinein.
Unverfälscht, ungeblümt und in voller epischer Wahrheit. Es war ein regelrechter Befreiungsschlag, kein Striptease, sondern ein Massaker unserer Seelen.
Um uns voran zu bringen, beschäftigte ich mich wieder mehr mit Psychologie und so konnten wir auch nach und nach mit einfachen Worten die Zusammenhänge von z.B. Schuld, Aggressionen, Wut und der Suche nach etwas Unbestimmtem mit unseren Erfahrungen und Gedanken verknüpfen.
Marcella steuerte ihre Sicht der Dinge aus ihrem tief verwurzelten Glauben und ihrer Spiritualität bei. Diese Zeit war eine wahrliche Quelle der Inspiration, doch sie versickerte langsam, einfach und bedingt dadurch, dass Marcella und ich uns nicht mehr unterhielten.

Ich bezeichne mit Absicht Marcella nicht als meine Muse. Ich beziehe vor Allem meine Inspiration allein durch den Umgang mit meinen näheren Kontakten. Natürlich gehört Marcella weiterhin dazu, sie ist ja auch eine der wenigen, die mich wirklich kennt und die mir auch knallhart ihre Meinung sagen darf. Sie weiß, wie ich reagiere, mal cholerisch, mal schweigsam, mal aggressiv und mal nachdenklich.

Und genau hier macht sich der schmale Grat zwischen der Inspiration und der Blockade bemerkbar. Macht man sich von einer Meinung abhängig, denkt schon beim Denken, wie der andere denkt und reagiert, fressen sich diese Gedanken ins Hirn, bleibt die eigene Meinung auf der Strecke. Ich verkrampfe, weil ich mich auf den Anderen fixiere.

Wie brutal man auf die Fresse fliegt, sich jäh mit seinen eigenen Ideen ausbremst, plötzlich ängstlich wird, sich von seinen eigenen Texten distanziert und man lieber in einer dritten Person schreibt und allein das Wörtchen „ich“ einem den Angstschweiß auf die Stirne treibt, habe ich selbst erfahren (müssen). Es gehört eben doch eine gute Portion Mut dazu, sich zu seiner Selbst zu bekennen und für sich selbst zu entscheiden, etwas von sich preis zu geben.

Ich kann es nun mal nicht allen Recht machen und das will ich auch nicht.
Ich habe eine bestimmte Bildung, eine bestimmte Denk‑ und Lebensweise und einen bestimmten Schreibstil. Jeder kann hier lesen und kommentieren, wie er es auch auf den zig Millionen anderer Blogs eben so tun kann.

Hier denke, liebe, leide und fühle ich, mal mit klaren Gedanken, mal mit der Kraft der Fantasie und mal mit meinem Humor, meiner Ironie. Selten schlüpfe ich in die Rolle eines Anderen, ich bin kein Schauspieler, aber ich stärke mein Bewusstsein für meine Mitmenschen und bewahre meine Empathie.
Das ist mir wichtig, denn ich will mich entwickeln und das kann ich nur, wenn ich mich auch mal in die Lage eines anderen Denkenden und Fühlenden versetze, wenn ich über den Tellerrand schaue, um zu sehen, wo ich stehe und wohin ich will.

Das Schreiben in diesem Blog bedeutet für mich daher insbesondere zu erkennen, wo ich mich befinde, um mir meine eigenen Gedanken vorzuführen.
Diesen Text habe ich ohne auf Andere zu hören, ohne großartig nachzudenken und zu recherchieren in einem Rutsch geschrieben. Manche würden sagen, er kommt von Herzen, andere sagen, er sei ein Abbild meiner Seele und wiederum andere sagen, es sei eine Wiederholung, langweilig oder auch nur Schwachsinn.

Texte, über das „Wieso“ und „Warum“ blogge ich, gibt es wie Sand am Meer.
Jeder, der ernsthaft und gerne bloggt, stellt sich immer wieder diese Fragen. Julia tat dies z.B. hier und der von mir sehr geschätzte Elias bereits mehrfach in einer ganz wunderbaren Serie. Einen weiteren sehr geilen und reflektierenden Text fand ich hier (absolut lesenswert)!
Ich finde, die Motivation hin und wieder zu hinterfragen, gehört dazu. Wenn man für seine Persönlichkeitsentwicklung bloggt, dann geht die Entwicklung des Blogs einher.
Ziele und die Motivation sollten hin und wieder abgesteckt werden:

  • Schreibe ich aus Lust oder Frust, weil ich muss, weil andere „warten“, dass was  Neues kommt?
  • Setze ich mich unter Druck oder lasse ich mich treiben?
  • Bin ich philosophisch, psychologisch, zum Scherzen aufgelegt?
  • Habe ich eine Zielgruppe, schreibe ich für den Selbstzweck, die Selbstdarstellung?
  • Unterliege ich einem Erwartungsdruck einer Gemeinschaft/Community?
  • Wie sehr beeinflusst mich die Statistik, der Pagerank und vor allem der letzte Kommentar?
  • Wie sehr setzt mich mein Umfeld, mein Partner unter Druck?
  • Will ich Geld mit meinen Gedanken verdienen? Ein Buch?

Ich bin endlich wieder weg davon, es anderen Recht machen zu wollen.
Ich schreibe, weil es mir einen Kick versetzt, wenn mein Finger kurz zuckt, bevor ich auf den Abzug „Publizieren“ klicke, wenn ich mein Baby in die große weite Welt schicke.
Schützend noch lege ich meine Hand über meinen Artikel und doch muss er sich allein bewähren: Ob Google ihn liebt, der Leser ihn liebt und ich ihn in 2 Jahren noch liebe.

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Dies ist Teil 3 von 25 aus der Serie Über das Bloggen

1 Kommentar zu “Inspiration oder Blockade”

  1.  Über das Bloggen III am 11. Januar 2009 um 22:20 Uhr

    […] selbst – 1,2,3,4 (beispielhaft) Ecki – 1 Luigi – 1,2 Julia – 1 […]

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