Kompetenz Ⅰ
Hartmut 7. August 2007 um 04:08 Uhr
- Vertraue niemandem Ⅰ
- Vertraue niemandem Ⅱ
- Vertraue niemandem Ⅲ
- Vertraue niemandem Ⅳ
- Der Informationssammler
- Kompetenz Ⅰ
- Schuld und Sühne
- Besinnung Ⅰ
- Stolz
- Freundschaft philosophisch
- Eskalation der Harmonie
- Ich steh auf Liebe!
- Freundschaft
- Vertraue niemandem Ⅴ
- Freundschaften im Fokus der Evolution
- Freundschaft ist Arbeit
- Der Messias
- Der Forscher
- Der Autor
- Kalter Schweiß
Es ist schon einige Jahre her, da stand ich in einer Kneipe eingepfercht zwischen zwei Chirurgen. Sie diskutierten über die Anatomie des Menschen und ich versuchte, mich in meiner Bierlaune soweit einzubringen, wie ich konnte.
„Vielleicht sollte man die Fresse halten, wenn man keine Ahnung hat“, wurde mir empfohlen. Gut, ich hatte echt keine Ahnung, ich fühlte mich klein aber ich hatte einfach die Lust, mich – okay – mangels weiterer Alternativen – in dieses Gespräch einzubringen. Ich fing einfach an, zu gegebener Zeit Fragen zu stellen. Ich merkte, wann ich nervte, wann ich die Diskussion anregte, wann man auf mich einging und wann man mich einfach ignorierte. Aber ich lernte. Wollte es wissen.
Ich hatte einfach keine Kompetenz, da waren Chirurgen, die sich bestens auskannten, aber ich bemühte mich redlich und das wurde irgendwann tatsächlich honoriert.
Anfangs war ich ein Fremdkörper und letztlich wurde ich allein wegen meiner Neugierde akzeptiert.
In der Kneipe wurde es leerer und ich bekam die Möglichkeit, mich an den Tisch, an dem meine Freunde, mit denen ich das Lokal betreten hatte, saßen, zu setzen
Ich wollte mich gerade abwenden, als mich einer der bislang anonymen Gesprächspartner an der Schulter packte und mich fragte, ob ich nicht noch ein wenig bleiben wollte. Er hätte gerade ein Bier für mich bestellt.
Ich blieb und plötzlich hatte ich eine Aufmerksamkeit, die mir zunächst nicht behagte. Die beiden „Intellektuellen“ schauten mich an und zeigten plötzlich Interesse an mir. Sie fragten mich, was ich denn für Interessen hätte. Ich war erstaunt, denn sie fragten nicht einmal, was ich beruflich tat. Ich war zu dem Zeitpunkt noch beim Arbeitsamt beschäftigt, seit fast 18 Jahren und sie nahmen mir den Wind aus den Segeln.
Sie fragten mich einfach nicht nach meinem Beruf sondern nach meinen Interessen.
Und so hatte ich urplötzlich die Wahl, sie mit meinem Wissen meiner Ausbildung, meiner Kompetenz, zu beeindrucken oder meine ganz persönlichen Interessen, wie Beziehungen, Computer, Psychologie, mein Glaube usw. mit ihnen zu besprechen.
Ich entschied mich für Letzteres. Ein Glück! Auch die beiden Chirurgen hatten erkannt, dass sie mich mit ihrem „Fremdwortlatein“ an der Unterhaltung ausgeschlossen hatten.
Nicht nur das, sie hielten mich für bildungsschwach, nicht in der Liga spielend, in der sie waren. Und das hatten beide erkannt und sie gaben mir plötzlich die Chance, es ihnen „heim zu zahlen“.
Aber das war kein Thema für mich, ich hatte keine Lust oder kein Verlangen, mich nunmehr über sie zu stellen und so entschloss ich mich, wirklich über meine Interessen zu sprechen.
Später wurde mir bewusst, dass ich mich zunächst für Themen entschied, in denen ich mich auskannte, in denen ich Kompetenz bewies, aber nach und nach wurde es ein reger Austausch von Ideen, Ideologien, Meinungen und Interessen. Plötzlich spielte der eigentliche Bildungsstand keine Rolle. Ich wurde vom „Kleinvieh“ zum Mensch. Von einem Nichts zu einer interessanten Persönlichkeit.
Ich will mich hier nicht belobhudeln. Mir geht es letztlich darum, dass ich akzeptieren muss, dass es immer Menschen gibt, die sich in einer bestimmten Thematik einfach besser auskennen als ich.
Andererseits habe ich die einmalige Chance in meinem Leben, mir entweder Wissen zu einer ganz bestimmten Thematik zu erschließen oder einfach ein gepflegtes Halbwissen, ein Grundwissen zu erarbeiten, mit dem ich mich so „larifari“ durchwurschteln kann. Wichtig ist in jedem Falle, die Kompetenz, das Wissen anderer, zu erkennen und es nicht aus Provokation, verletzter Eitelkeit oder was auch immer in Frage zu stellen.
Das blockiert und bringt einfach nichts.
Und ich behaupte, unsere Gehirne sind einfach gleich.
Wir haben alle Kapazitäten in unserem Hirn, die wir zeitlebens nie komplett ausnutzen werden können.
Es geht einfach um die Bereitschaft, nicht nur offen für Neues zu sein, sondern sich seiner Interessen bewusst zu werden und diese zu fördern. Das ist dann Kompetenz und schafft letztlich ein gutes Gefühl und somit Selbstvertrauen.
Ich habe eine Stärke, die mir keiner nehmen kann. Vielleicht lerne ich jemanden kennen, der sich auch auskennt, der möglicherweise mehr weiß, aber ich habe einfach die Lust, dieses Wissen zu teilen, Neues zu erfahren, etwas zu lernen und scheue mich nicht, Fragen zu stellen, wenn ich etwas nicht begreife.
Wer darauf eingeht, dem erschließt sich auch, wie wahre Freundschaft entstehen kann.
Wer jetzt fragt, was aus meinen Chirurgen geworden ist:
Gestern erhielt ich einen Anruf. Einer der Beiden ist verstorben und der Hinterbliebene, inzwischen waren die beiden verheiratet, sagte mir, dass sein Mann verstorben sei.
Zunächst hörte ich einfach zu und ich merkte, dass es ihm gut tat.
Letztlich wurde ich wirklich traurig. Noch immer bin ich wirklich sehr sehr traurig. Es wird eine Zeit dauern, bis ich das verkraftet habe.
Und dann half er mir.
Seine wahre Stärke, seine Kompetenz zeigte er dann deutlich: Mitzufühlen. Trost zu spenden.
In seiner schwersten Stunde ging er dann auf mich ein. Trotz seiner echten Trauer um seinen Partner hat er mir wieder Kraft und Mut gegeben und das ist für mich echte Freundschaft.
Ich weiß, dass ich ihn erst wieder in einigen Jahren sprechen werde, weil wir sowohl in anderen Städten als auch in verschiedenen Schichten leben. Aber das ist wirklich egal, wenn man sich aufeinander einlässt und sich so respektiert, wie man ist!
Freundschaft kennt keine Grenzen, Zeit, Bildung oder sonstige Barrieren.
Freundschaft ist Menschlichkeit und das ist Balsam für die Seele!
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Vor Gott sind alle Menschen gleich und was nützt schon ein Doktortitel, wenn man nur fachsimpeln kann. Letztlich ist der Doktortitel egal, doch es ist nicht egal, wie man als Doktor mit seinen Patienten umgeht und das ist das Wesentliche. Da spielt es keine Rolle, wieviel Knowhow man hat, sondern wie ich mich sinnvoll und liebevoll meinen Mitmenschen präsentiere. Nicht das was macht uns aus, sondern das wie!
Wie Recht Du hast. Mitgefühl ist eine Stärke, die von vielen als Schwäche interpretiert wird. Zwar ist Deine Betrachtungsweise sehr einseitig aber durchaus korrekt.
Der Kreislauf des Mitgefühls, der eigenen Angreifbarkeit ist eng bemessen, aber sich dieser hinzugeben ist fatal. Es bringt nichts. Glaube einfach mal Deiner Schwester, sie ist momentan einfach super gut drauf, sie versteht Zusammenhänge. Ihr seid einfach eine zusammenhängende Brut, die sich genial ergänzt. Dani, Du hast mich auf den richtigen Pfad gebracht, dann habe ich Marcella etwas erklärt, sie hat wiederum für mich Erkenntnisse gebracht und nun bist Du dran. Gib Deiner Schwester Gehör, sie ist jetzt genial, sie ist der Schlüssel und danach bist Du wieder dran. Ich mische mich ein, weil ich auf Deine Reaktion warte. So dankbar wie ich Dir bin so gierig bin ich auf Neues!
Ich denke, eine meiner wenigen Stärken ist die, Mitgefühl zeigen zu können,das zeigt sich auch immer wieder in meinem Beruf. Aber genau da ist ein schmaler Grad, und das sehe ich genauso. Man muss höllisch aufpassen, dass man den schmalen Grad des Mitgefühls nicht soweit verlässt, dass man sich selber angreifbar macht.
Und das Thema der Fachsimpelei: Ich habe festgestellt, dass man auch zu leicht dabei in die Fachidiotie verfallen kann.
zaubis letzter Artikel: Popokalt und Nervbolzen