Wege zum Glück
Hartmut 7. November 2008 um 17:11 Uhr
Ich gebe es ja zu, ich schaue diese Endlos-Telenovela da im ZDF.
In dieser Serie gibt es ja eine Menge Intrigen, dramatische Ereignisse und manchmal ein Happy-End.
Und es gibt einen Patriarchen, ein Familienoberhaupt, dem genau diese Familie über alles geht, der nichts auf seine Brut kommen lässt.
Natürlich ist er auch ein hervorragender Geschäftsmann, Chef eines multinationales Konzerns, eloquent, loyal und mit lockerer Hand führt er dieses Unternehmen.
Und genau da stelle ich mir die Frage, ob ich Geschäfte mit diesem feinen Herrn von Weyden machen würde, wenn ich seine Familienbiografie beleuchtete.
Fangen wir doch einfach mal an. Aus der ersten Ehe mit Helena von Bernstein gingen zwei Kinder hervor, Max und Viktoria.
Max befindet sich seit Jahren in der Irrenanstalt, nachdem er sich beim Kampf um seine Ehefrau und das Sorgerecht seines Kindes aufgerieben hatte.
Auch Opa von Weyden kämpfte um das Sorgerecht, weil er – nachdem er weder seinen Sohn noch sein Enkelkind über Jahre nicht gesehen hatte – die Mutter erzieherisch für unwürdig erachtete. Nach diversen Verwicklungen lebt nun seine Schwiegertochter nebst Enkelkind und Mann weit weg im Ausland und haben keinen Kontakt mehr mit ihm.
Viktoria wurde von seiner früheren Geliebten und späteren 4. Ehefrau, Annabelle, ermordet. Viktoria war eigentlich auf der Flucht vor den unerträglichen Missständen im Hause von Weyden und wollte ihrerseits die ungeliebte Stiefmutter vergiften, die den Spieß jedoch umdrehte und die Drinks vertauschte.
Herr von Weyden produzierte wahrscheinlich noch während der Ehe mit Helena ein nichteheliches Kind mit seiner späteren Ehefrau, Annabelle.
Nachdem dieses Kind, Nora ihr Name, zur Adoption freigegeben wurde, ergab sich seine Vaterschaft 20–25 Jahre später durch einen Zufall. Dazu vielleicht später mehr.
Die zweite Ehe von Herrn von Weyden dauerte nur kurz, denn er verließ die Frau, als er erfuhr, dass sie schwanger war. Weder um das verlassene Weib noch um das Kind kümmerte er sich 30 Jahre nicht. Er kannte nicht einmal das Geschlecht seines Kindes.
In dritter Ehe zeugte Herr von Weyden eine Tochter namens Lizzy. Seine Frau verstarb irgendwann durch einen Autounfall. Das traumatisierte Töchterlein wurde zu ihrem Glück ins Internat geschickt, damit sie eine gute Ausbildung bekäme. Irgendwann stand sie vor seiner Tür, hatte die Schule abgebrochen und lebt jetzt – ohne Abitur und Ausbildung glücklich in Kanada und leitet die Geschäfte ihrer verstorbenen Stiefmutter.
In vierter Ehe ließ sich Herr von Weyden wieder mit seiner alten Geliebten, Annabelle von Grafenberg, ein. Diese hatte zwischenzeitlich ihren Schwiegervater um die Ecke gebracht und ihren eigenen Sohn nach Südafrika vergrault. Nachdem sich Annabelle u.a. für den Tod seiner Tochter Viktoria verantwortlich zeigte, ließ sich Herr von Weyden von Annabelle scheiden, um seine erste Ehefrau, Helena, noch einmal zu ehelichen. Dies tat er auch, um sich deren eigenes Unternehmen noch schnell unter den Nagel zu reißen. Nein, natürlich aus Liebe. Dass aber die Eheschließung am Sterbebett erfolgte, weil Annabelle mit einem feigen Mordanschlag erfolgreich war, ist natürlich für Herrn von Weyden ein dramatischer Schicksalsschlag.
Just in seiner Trauer erinnerte sich Herr von W. an seine zweite Frau und weil er solch ein Familienmensch ist, holte er sie und ihren Sohn, Sascha, in sein verlassenes Gutshaus. Es war ja auch so leer, weil er zwischenzeitlich seine Tochter Nora, die er für den Tod seiner Tochter Viktoria und für die Flucht seiner Ex-Ex, Annabelle, verantwortlich machte, aus seinem Gedächtnis verstieß.
Das dumme Weib, die geschasste 2. Ehefrau, ist also dem Lockruf des ehrigen Herrn von Weyden gefolgt und lebt derzeit glücklich wieder mit ihm zusammen.
Seine Tochter Nora, die nach 6 Jahren Haft entlassen wurde, verstößt er weiterhin, weil es so etwas wie verzeihen in dem Wortschatz von Herrn von Weyden nicht gibt.
Ein Mann der Ehre, der Liebe, ein Familienmensch wie er im Buche steht.
Würdest Du mit solch einem Manne Geschäfte machen?
Ich verstehe auch nicht, wie man sich über Jahre soviel Dummheit und Unglaubwürdigkeit im TV reinziehen kann. Ja, ich ohrfeige mich selbst!
Über 700mal 50 Minuten – verlorene Lebenszeit, oder?
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Also für mich hört sich alles sehr verworren an, da muss man wohl jede Folge gesehen haben, um überhaupt noch durchzublicken.
Aber irgendwo scheint dieser Mann auch nicht richtig zu ticken. Schon alleine vier mal zu heiraten, ist doch blöd.
Es ist zwar nur eine erdachte Familienserie, aber ich möchte nicht wissen, wie vielen es in der Realität genau so geht.
Ich glaube, die Menschen machen sich selbst ihr Leben schwer. Sie glauben nicht, hoffen nicht, vertrauen nicht und lieben einfach nicht mehr. Traurig aber wahr!
Klar ist das verworren und ich berichte ja nur über diesen einen Mann!
Und der hat ja bislang noch keine Straftat in der Serie verbrochen! Nebenbei wird da gemordet und betrogen!
Ich meine, das soll eine Herzschmerz-Serie für die lauen Gefühle sein, die am Nachmittag einsame Herzen berührt und dann kommen so nach und nach solche Geschichten zu Stande. Um die Spannung hoch zu halten, können sich dort über Jahre über das Recht hinwegsetzen, mit Gefühlen spielen und intrigieren.
Wenn nicht solch eine Serie, die ja stellvertretend für all die anderen Soaps, wie GZSZ, Anna, VL, Marienhof steht, noch wahre Liebe predigt, dann ist es um uns herum wirklich trauriger als das wahre Leben.
Wollen wir doch aber nicht die Hoffnung verlieren, dass es da draußen doch noch Liebe, Ehre, Vertrauen gibt. Vielleicht sitzen mittlerweile ein paar desillusionierte Hobby-Drehbuch-Schreiber zuviel an der Massenproduktion des täglichen Liebeswahns…
[...] den schlauen Herrn von Weyden hab ich mich ja vor ein paar Wochen schon einmal ausgelassen (hier). Und jetzt laufen nicht nur ab der kommenden Woche die letzten 7 Folgen dieser bahnbrechenden [...]