Lass es denken

Hartmut 26. März 2009 um 11:03 Uhr

Ich habe den Artikel von Alice jetzt bestimmt dreimal gelesen, um ihn auf mich wirken zu lassen und um ihn für mich zu reflektieren, wie ich mit meinem Kreativprozess umgehe, wie ich meine Ideen umsetze und wie ich sie zur endgültigen Veröffentlichung im Blog bringe.

Ich wollte dort eine kurze knappe Antwort hinterlassen, aber ich spürte, wie daraus mehr wurde. Wie mein Unterbewusstsein mehr und mehr aus der inneren Wissens‑ und Gedankenbibliothek hervorkramte, um einen eigenen Text zu formulieren. Aber wie immer, bitte ich, zunächst den Artikel von Alice zu lesen, denn das hier ist meine direkte Antwort auf ihren.

Ich habe manchmal eine komplette Ideenleere. Das stört mich nicht mehr und setzt mich nicht mehr unter Druck. Es gab eine Zeit, da hatte ich die Idee, dass ich jeden Tag etwas schreiben wollte, jeden Tag einen Artikel. Das hat mich irgendwann wahnsinnig gemacht, ständig unter Druck zu stehen.
Das hat mich unkreativ und engstirnig werden lassen und mich gehörig ausgebremst.

Nach und nach legte sich dieser Wahn und ich habe mich vom Selbstdruck befreit und nichts hat sich geändert, denn ich schreibe nach wie vor jeden Tag einen, manchmal sogar 2 und mein Rekord waren 11 Artikel an einem Tag. Ich halte auch nichts mehr vom Zurückhalten meiner Artikel. Sie spiegeln das Jetzt wider, sie sind das Ergebnis meiner aktuellen Gedanken und unterliegen sozusagen auch meiner Tagesform und Psyche. Ich kann und will mir meine Artikel nicht für Tage aufheben, an denen mir möglicherweise nichts einfällt. Das hielte ich ganz persönlich für Selbstbetrug.

Meine Ideen sammle ich als Grundgerüst im Windows Live Writer, als normale Text-Dateien auf dem Desktop und in Office OneNote. Aber so richtige Ideen sind es nicht, eher Wortfetzen, Gedanken, die sich noch nicht so recht artikulieren. Ich lasse sie weiter locker in meinem Unterbewusstsein werkeln und irgendwann platzt es raus und ich schreibe meinen Text dann in einem Rutsch.

Je mehr ich dieses Prinzip des einfach fließen lassens anwende, desto länger werden meine Artikel.
Es kommt schon vor, dass ich manchmal mit dem was ich veröffentlicht habe im nachhinein noch nicht zufrieden bin, dann arbeitet es in mir weiter und das lasse ich zu. Es kann schon mal passieren, dass ich mich mehrere Tage mit einem Thema befasse und vielleicht auch mehrere Artikel veröffentliche, die sich sogar widersprechen.
Aber solange ich bei jedem Artikel das positive Gefühl habe, das geschrieben zu haben, was mich im Moment beschäftigte, stehe ich auch selbst bei widersprüchlichen Aussagen zu jedem meiner Texte. Es ist halt eine Entwicklung und dafür ist das Bloggen ja da, genau diese aufzuzeigen.

Ich habe mich früher auch oft geärgert, dass ich viele Ideen genau dann hatte, wenn es mir unmöglich war, sie zu notieren. Kurze Gedankenblitze, besonders Nachts, vor dem Einschlafen aber auch Träume. Ich habe mir ein Diktiergerät, ein Netbook usw. zugelegt, aber das klappt nicht. Manchmal bin ich sogar aus dem Bett und habe sie in Stichworten aufgeschrieben, um mich dann wieder hinzulegen und “in Ruhe” weiterschlafen zu können. Viele dieser Ideen liegen hier wie oben erwähnt auf dem Desktop als sogenannte Karteileichen herum, weil ich sie überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann.

Aber auch hier habe ich aufgehört, mich deswegen unter Druck zu setzen. Wenn ich solch einem Mindflash habe, dann lächle ich kurz und sage mir, das musst Du Bloggen. Ich stehe sozusagen im Dialog mit meinem Unterbewusstsein. Ich weiß mittlerweile, dass genau im Unterbewusstsein solche Gedanken nicht verloren gehen, sie werden sorgfältig vorbereitet und mir dann präsentiert, wenn sie spruchreif sind. Genau deshalb kann ich mittlerweile lange Artikel wirklich in kürzester Zeit nieder schreiben, weil sie mir sozusagen vordiktiert werden.
Ich nehme während dieses Prozesses scheinbar im Vorfeld schon ganz unbewusst die Informationen wahr, die ich dann für den Artikel benötige.

Ich finde das genial und praktisch und es befreit mich von dem Druck der Recherche und der weiteren Ideensuche und lässt mir die Freiheit, bereits an neuen Eindrücken, Perspektiven und letztlich neuen Artikeln weiter zu arbeiten.

Und mal ehrlich, sollte es tatsächlich mal eine Phase der Ideenlosigkeit geben und ich wirklich mal eine Woche nichts schreiben, wäre das auch nicht weiter schlimm. Hier wird sich niemand langweilen. Es stehen weit mehr als 1000 Artikel zur Verfügung, die zu lesen und zu überblicken ja nicht einmal ich mehr schaffe.

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2 Kommentare zu “Lass es denken”

  1.  alice hive am 26. März 2009 um 11:31 Uhr

    Danke für die Erwähnung! :)
    Dass dir die Ideen trotz manchmaliger Ideenleere nicht wirklich abhanden kommen, merkt man. Ich finde es schön, wie du dich so umfassend mit so vielen Themen auseinandersetzt. Da komm ich selbst wieder auf neue Ideen. 11 Artikel an einem Tag sind natürlich der Wahnsinn. *Kreativrausch*
    Ich hab übrigens auch festgestellt, dass es am wenigsten bringt, sich zu zwingen. Das mag eine kurze Zeit lang funktionieren, aber irgendwann brennt es einem das Hirn leer.

    Ich schreibe heute auch schon wieder an meinem zweiten Artikel. Mein erster Artikel ging mir so von der Hand, dass es blödsinnig wäre, jetzt zu stoppen. Wer weiß, vielleicht kommt später noch ein Gedicht hinterher…

  2.  Hartmut am 26. März 2009 um 11:48 Uhr

    Nichts zu danken, Du warst ja auch die Muse, die mich küsste :-)

    Kreativrausch und Rausch – das ist das, was mir auch noch auf der Seele brennt und ich unbedingt noch schreiben will (heute?).
    Ein Gedicht würde ich auch gerne mal wieder schreiben, einfach mal wieder poetisch werden.
    Momentan ist mir zu viel Logik, Analytik in meinem Hirn, da muss ich auch mal wieder was freipusten!
    Ich finde es toll, wenn man sich gegenseitig inspiriert und sich dann auch auf die Quelle bezieht. So sollte das auch sein!

    Das Denken ist ja nun auch nicht einseitig und die Welt bietet so viele interessante Themen, daher kann ich mich auch nicht nur auf eine spezielle Thematik konzentrieren. Ich freue mich, Neues von Dir zu lesen :-)

    Ui, ich glaube, dass ist ein etwas wirrer Kommentar ;-)

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