Mein Senf zum Amoklauf von Winnenden

11. März 2009 um 21:03 Uhr

Ich habe den nachfolgenden Kommentar eben bei der Claudia geschrieben und wollte mit Absicht nicht auch noch einen Artikel schreiben, da ich aber das Gefühl habe, dass meine Aussage dort zu verpuffen droht, nehme ich mir das Recht heraus, diese in meinem Blog nochmal zu veröffentlichen.


Ich finde solche Diskussionen immer sehr interessant, wie schnell so mancher mit Worten, wie die, sie, wir, die Anderen, unsere Kinder, die Gesellschaft dabei sind.
Eines muss und will ich der Claudia zugestehen und das hat sie mehrmals deutlich zum Ausdruck gebracht: Sie schreibt es aus ihrer ganz persönlichen Sicht. Dazu gehört Mut, weil sie in ihren Gedanken ganz nah bei sich bleibt.

Ich kann auch nur aus meiner Sicht berichten. Ich habe keine Kinder und hätte ich sie, wüsste ich womöglich auch nicht, was in ihnen vorgeht.
Was mich betrifft, kann ich sagen, dass ich mit Beginn meiner Pubertät voller Wut, Hass, Zorn und Aggressionen war. In mir tobte jeden Tag ein Kleinkrieg in meinem Hirn. Ich hatte Fantasien, mich selbst und andere zu verletzen, doch ich tat es nicht.
Warum? Ich weiß es nicht! Aber ich glaube nicht, dass es daran lag, dass es keine Videospiele gab. Meine allein erziehende Mutter hatte längst keinen Einfluss mehr auf mein Handeln und Treiben und wäre ich auf die schiefe Bahn geraten, hätte ich ihr niemals Vorwürfe der Vernachlässigung gemacht.

Aber trotzdem denke ich, bedeuten auch solche überzogenen Taten immer ein Schrei nach Aufmerksamkeit und Liebe. Ich konnte mich damals in mitten meiner Freunde “abreagieren”, mit ihnen sozial interagieren, auch mal auf den Putz hauen. Aber es war halt ein soziales Geflecht, eben eine Clique.
Meist hört man ja in der späteren Berichterstattung, dass der Täter ein Einzelgänger war, sich schon immer sonderbar verhielt, sich keiner Gruppe anschloss. Ich schließe daraus, dass er einsam war und sich nach Liebe und Geborgenheit sehnte und sich nicht zu helfen wusste, sich diese durch positive Anerkennung zu holen. Da setzt ein Teufelskreis ein, da dreht sich die Spirale.

So habe ich mich auch oft gefühlt und ich schätze, so fühlen sich auch sehr viele andere junge Menschen. Manche halten diese Zeit aus, wenige nehmen sich das Leben und bei einem wirklich kleinen Prozentsatz eskaliert es. Natürlich ist das die fatalste Situation, wenn Gewalt gegen Andere ausgeübt wird. Da gehört dann wohl noch ein soziopathisches Wesen dazu, eines, bei dem die Hemmschwelle nicht mehr vorhanden ist.

Ich habe mich in meinem Blog sehr viel mit meinen Autoaggressionen und Amok auseinander gesetzt. Wer das Böse meiner Seele lesen mag, dem empfehle ich meine Serien “Aggro ist Cool” und “Amok”. Zu finden in der oberen Navigation unter “Serien”. Ich will keine Links setzen und auch keine Werbung machen. Das ist z.T. harter Tobak und gerne lasse ich mir vorwerfen, dass ich durch meine Artikel gar noch andere leicht beeinflussbare Menschen erst auf die Ausübung von Gewalttaten gebracht habe.

Im übrigen hat es Amokläufe immer gegeben. Sie sind kein modernes Phänomen. Siehe z.B. Ernst August Wagner.


Andreas bringt es in seinem Artikel auf den Punkt. Im Prinzip ist es erst mal egal, warum die Tat geschah.
Wie sie geschah, ist das Erbärmliche.
Hier liegt eindeutig eine schwere Mitschuld der Eltern vor, da sie ihrem Sohn den Zugang zur Tatwaffe ermöglichten.

Klar gibt es wieder Diskussionen zu den bösen Ego-Shootern.
Wie daRONN es kurz und knapp anmerkt: Counter Strike!
Beim ersten Gedanken war ich zunächst geneigt, zu sagen, dass ich persönlich eher aggressiv reagiere, wenn ich beim Tetris meine Klötzchen nicht mehr stapeln kann oder ich bei Mario Brothers zum wiederholten Male ins Wasser falle und den Level wiederholen muss.
Aber Counter Strike und die anderen Spiele stumpfen schon ab.
Weil, wie laufen solche Spiele ab?

Headshot – Respawn – Headshot – Respawn.

In schneller Folge wird virtuell getötet. Das ist schon derbe.
Und in Call of Duty wird der God-Modus aktiviert und fortan unsterblich killt man virtuelle Soldaten.
Und junge Menschen kichern sich einen ab und bekommen das virtuelle Blut nur deshalb nicht ins Gesicht, weil es von innen an den Monitor klatscht.

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Dies ist Teil 10 von 10 aus der Serie Amok

16 Kommentare zu “Mein Senf zum Amoklauf von Winnenden”

  1.  Sammelmappe am 11. März 2009 um 21:23 Uhr

    „… und bekommen das virtuelle Blut nur deshalb nicht ins Gesicht, weil es von innen an den Monitor klatscht“

    Seht ihr: Nicht mal das weiß ich über diese Spiele. Aber schon von dem Gedanken wird mir richtig körperlich schlecht!

  2.  daRONN am 11. März 2009 um 21:54 Uhr

    Ich kann diese Diskussionen über die Zusammenhänge zwischen so genannten Killerspielen und dem Vorfall des heutigen Tagen nicht mehr hören.

    Wer CS spielt ist ein potentieller Killer im echten Leben? Dass ich nicht lache… Wie viele Serienmörder und Kinderschänder gibt es, die niemals einen Computer oder eine Spielkonsole angefasst haben?! Die Gefahr verbirgt sich viel eher im elterlichen Heim. Es ist unverantwortlich, Waffen zu Hause aufzubewahren. Ohne den Zugang zu Waffen gäbe es diese Taten nicht. Die Eltern sollte man wegsperren. Punkt. Aus. Ende.

  3.  Julia am 11. März 2009 um 21:57 Uhr

    Spritzendes Blut wird doch in den meisten Spielen für den deutschen Markt entweder indiziert oder ist nur ab 18 erlaubt. Und selbst wenn, ist es für die meisten nur mehr eine harmlose Rückmeldung, dass sie einen Kill gelandet haben, so wie das Pfeifen des Schiedsrichters beim Fußball. Daher auch die ständige Wiederholung.
    Ich denke, der Großteil der Gamer neigt nicht zur Gewalt und es wird immer erst im Umkehrschluss eine Logik draus. Alle anderen fallen aber durchs Amok-Sieb, warum?

    Es ist sicherlich wahr, dass die Gewalt als solches in den Medien ein lohnenswertes Geschäftsmodell darstellt und daher so gerne verwendet wird. Wieviele „friedliche“ und wieviele „gewaltätige“ Spiele kennt ihr? Also ich finde, die Tendenz liegt bei 10 zu 90, von den ganzen Java-Klickspielen mal abgesehen.

  4.  Sammelmappe am 11. März 2009 um 22:01 Uhr

    Punkt. Aus. Ende.
    Aha, so spricht man heute miteinander?
    Punkt. Aus. Ende.
    Hauptsache ich bin meine Meinung losgeworden. Alles andere interessiert mich nicht.
    Punkt. Aus. Ende.
    Gefällt mir. Da muss ich nie wieder jemanden zuhören. Reden ja auch alle nur so ein dummes Zeug.
    Punkt. Aus. Ende.
    Ich habe gesprochen! Hugh!

  5.  Sammelmappe am 11. März 2009 um 22:06 Uhr

    Einen Kill gelandet?
    Oh, mein Gott! Ich erleide einen Kulturschock.

    Vielleicht wäre es wirklich nicht schlecht, wenn ihr mal für ein paar Minuten, Sekunden in Frage stellt, was ihr da macht.
    Danach könnt ihr ja dann wieder weiterspielen, wenn ihr zu dem Schluss kommt, dass es verantwortliches Handeln ist.

  6.  J.A. am 11. März 2009 um 22:08 Uhr

    Claudia, wo ist Dein Problem? Werd doch mal locker und lass deine Vorurteile bei Dir. Damit wäre allen geholfen. So verbal rumzueiern empfinde ich auch als Aggression irgendwie. Gewollt?

  7.  Hartmut am 11. März 2009 um 22:09 Uhr

    @Claudia: Das Punkt. Aus. Ende von daRONN bezog sich doch nur auf das wirklich grob fahrlässige Fehlverhalten der Eltern, die dem jungen Mann damit überhaupt die Möglichkeit gaben, die Tat in dieser schrecklichen Konsequenz auszuführen. Vielleicht hätte er dieses Massaker sonst nicht getan, vielleicht hätte er mit einer Axt und Heckenschere „nur“ 2 Opfer getötet.

    Ich glaube nicht, dass Du ihm Desinteresse oder mangelndes Verständnis vorwerfen kannst.

  8.  Hartmut am 11. März 2009 um 22:16 Uhr

    @Claudia: Du hast doch selbst zugegeben, dass Du von diesen sog. Gewaltspielen keine Rechte Ahnung hast. Dann lies, höre und lerne.
    Worte wie u.a. „Kill“ sind halt gebräuchliche Spiel-Begriffe.

    Wir machen hier nichts! Wenn dann machst Du! Du sperrst Dich nach erstem Interesse an der Erweiterung Deines Horizontes. Kannst ja Baller-Spiele nicht verdammen, wenn du sie nicht kennst, oder?

  9.  alice hive am 12. März 2009 um 02:30 Uhr

    Ein guter Artikel! Kann mich in vielen Punkten anschließen.
    Ich finde es schade, dass man sich im Nachhinein immer nur über die Computerspiele und vielleicht über die Musik redet, die so jemand konsumiert hat, statt nach wahren Beweggründen zu suchen.

    @Daronn: Der Witz ist, dass ich heute die Meinung gelesen habe, man solle Waffen an der Schule erlauben, gerade damit so ein Vorfall schneller beendet werden könne.

  10.  Ursachenforschung II - medioman am 12. März 2009 um 02:56 Uhr

    [...] wie solche Eskalationen passieren können. Ich selbst habe mich ja heute in meinem Artikel (hier) fast schon als Täter geoutet. Nicht, dass ich je Amok lief (obwohl bedingt schon, weil ich [...]

  11.  GALLIEN am 12. März 2009 um 09:08 Uhr

    Winnenden – Gewaltspiele verbieten !!…

    Nach dem Blutbad von Winnenden (falls es jemand geglückt sein sollte dem Bombardement der Medien zu entkommen – ein 17 jähriger hat seine ehemalige Schule gestürmt, 10 SchülerInnen und 3 Lehrerinnen getötet, ist anschließend geflohen und wurde au…

  12.  Amok IV am 13. März 2009 um 17:13 Uhr

    [...] ⅡAmok ⅢAmok ⅣAmok ⅤAmok ⅥAmok ⅦAmok ⅧDer HitmanMein Senf zum Amoklauf von WinnendenDie Begriffsdefinition laut Wikipedia [...]

  13.  Ich bin ein Linker - medioman am 19. Juni 2009 um 08:57 Uhr

    [...] heißt nicht, dass ich mich aus allem raushalte. Ich habe mich auch zum schrecklichen Amoklauf von Winnenden geäußert, habe das Unrecht im Sudan angeklagt, ja sogar meine Meinung zum Thema [...]

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