Projekt JobCenter Ⅲ
Hartmut 27. Juli 2009 um 16:07 Uhr
Ich sag ja, es wird eine unendliche Geschichte und sie wird langsam psychisch sehr schmerzhaft. Was jetzt in den letzten Tagen passierte, ist schon grober Unfug, Behördenwillkür, Inkompetenz und einfach nur eine bodenlose Frechheit. Und ich bin noch immer sehr nah dran, eine Dienstaufsichtsbeschwerde zu schreiben.
Worum geht es? Am 09.07. meinte die Gasag, meine Heizkosten des vergangenen Jahres als Abschlussrechnung vom Konto abzubuchen: 633,65 Euro. Eine Summe, die ein HartzIV-Bezieher mal locker verkraftet. Mir fiel das nicht gleich auf, weil ich hierüber keinen Bescheid erhielt, weil ich den Gasag-Online-Tarif gewählt hatte. Als es mir auffiel, bat ich die Gasag, mir so schnell als möglich eine Kopie des Bescheides zukommen zu lassen.
Da ich wieder einmal nicht wusste, welches Amt für die Zahlung zuständig war, rief ich auf der kostenpflichtigen Hotline der JobCentren an und bekam die Aussage, dass es das neue Amt in Spandau wäre, weil ich seit dem 01.07. dort Leistungsempfänger bin und die Forderung zum 09.07. fällig war. Also trabte ich nach Spandau, doch man verweigerte mir die Zahlung mit der Begründung, dass es sich um eine Forderung handelte, die den Zahlungszeitraum bis 30.06. betraf und ich solle mich an das in Charlottenburg zuständige Amt wenden.
Dort war ich dann letzte Woche Donnerstag. Meine Wartezeit betrug insgesamt 6 ½ Stunden und zum Ende hielt ich lediglich einen Ablehnungsbescheid in der Hand – auf den hatte ich dann bestanden – dass das JobCenter Spandau für diese Rechnung zuständig wäre, weil, wie es mir auch bereits telefonisch mitgeteilt wurde, das Datum der Fälligkeit am 09.07. maßgeblich wäre und ich in der Zeit bereits Leistungsbezieher in Spandau bin.
Also trabte ich heute erneut nach Spandau, kämpfte mich von der Anliegenklärung, der überfüllten Wartezone mit etwa 2 ½ Stunden Wartezeit hinauf in die Leistungsabteilung, um dort, weil ich ja mittlerweile vollkommen mittellos bin, nicht nur eine abschließende Klärung sondern auch eine Abschlagszahlung zu erbitten. Leider war das heute nicht möglich, weil das Rechenzentrum in Nürnberg einen Total-Absturz hatte. Eine freundliche Mitarbeiterin saß achselzuckend vor mir und wiederholte genau das immer und immer wieder und versprach mir sofortigen Anruf, sobald das System wieder gehen würde.
Und den bekam ich eben. Sie hätte jetzt den Fall überprüft und mir stünde aber nicht der volle Betrag zu. Sie hätte meine Vorauszahlungen mit den geleisteten Beträgen des JobCenters in Charlottenburg überprüft und mir stünden nur 489 Euro zu. Meinen Einwand, der Unterschiedsbetrag könne ja nur mit meiner Heizkostennnachforderung für das Jahr 2008⁄2009 zusammen hängen, wischte sie mal locker vom Tisch.
“Gut”, sagte ich, “das können wir ja im weiteren Widerspruchsverfahren klären, aber ich brauche jetzt, spätestens morgen das Geld!”. “Nein”, sagte sie, “das geht nicht mehr. Ich habe es bereits aufs Konto angewiesen. Dann haben Sie es ja Ende der Woche, spätestens Anfang nächster Woche!”. Meinen Einwand, meiner Mittellosigkeit, der interessierte sie nicht, obwohl ich mich wenige Stunden vorher unmissverständlich ausgedrückt hatte.
Ich finde das so krass, wie hier mit Schicksalen umgegangen wird! Ich schäme mich, dass ich 20 Jahre für diesen Verein gearbeitet habe!
Wo bitte ist das Herz geblieben? Ich habe im Prinzip aus dem Grunde dort nicht mehr arbeiten können, weil die Art und Weise mit Menschen umzugehen, mich zermürbt hat. Aber das ist ja nichts zu dem, was sich die Mitarbeiter dort nun erlauben!
Und ich frage mich, was an der Arbeitsweise effektiv sein soll? Seit 01.07. war ich nun 7mal beim/bei einem JobCenter, 7mal musste sich ein Mitarbeiter meines Falles annehmen! Nicht einer, denn über die Information, zur Erstanliegenklärung, dann die Leistungsabteilung und letztlich noch einen Vorgesetzten waren fast immer 4 Personen, also 28 Mitarbeiter mit meinem Fall beschäftigt. Und er ist noch immer nicht geklärt!
So, das musste einfach sein. Ich musste mich mal richtig auskotzen! Vielleicht wird mein Frust der letzten Tage jetzt etwas deutlicher!
P.S. – Als ich vorhin nach Hause kam, fand ich doch glatt einen Termin bei der Arbeitsvermittlung im Briefkasten: Zum 13.08. – auch geil, mal eben fast 8 Wochen nach meinem Erstantrag so zeitnah endlich die erste persönliche Vorsprache beim Vermittler zu bekommen.
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Meine Fr#sse, die ärgern Dich aber auch heftigst. Boahr, und Respekt, dass Du da noch so ruhig bleibst. Mich hätten wahrscheinlich die Securities raustragen müssen nachdem ich direkt schon im Empfangsbereich einen Ausraster hinlegte.
@HiPPiE: Einen halben Ausraster hatte ich vor knapp einen Monat. Was brachte mir das? Ich bekam für den Tag Hausverbot und hatte noch mehr Frust.
Nee, ich sitze brav meine Wartezeit ab, habe ja MP3-Player, NintendoDS, Netbook, ein Buch, ausreichend Nahrung und Flüssigkeit dabei und nichts weiter vor an dem Tage. Und dann, wenn ich an der Reihe bin, bleibe ich höflich und bestimmt. Gut, genutzt hat das auch nichts
Also echt wahr, das ist ja richtig, dass Theater die Geschichte nur verschlimmert, das schaukelt sich weiter und weiter hoch und die Konfliktlösungen entfernen sich. – Trotzdem, egal wie, Deinen verantwortlichen Mitarbeitertinen sollte man ‚mal auf den Schreibtisch pinkeln
, bildlich ausgedrückt, eh kloar.
Als ich meinen Erstantrag stellte, musste ich ein viertel Jahr warten, bis ich mein Geld bekam.
Ich fragte bei meinem zuständigen Berater, wie ich überleben sollte?
Die Antwort war:“ Haben sie keine Familie, die sie unterstützen kann?
Nein, ich hatte niemanden und dieser Mann schüttelte nur den Kopf und sagte zu mir: „Tja, dann kann ich ihnen auch nicht helfen.“
Ich weiss was es heisst, alleine und ohne Geld dazustehen. Ich hatte nur drei Kinder zu ernähren, die Miete wurde weiter abgebucht und alles andere.
Ich denke nur mit grausen an diese Zeit zurück und ich hatte niemanden der mir hilft, aber ich habe es geschafft.
Und du schaffst es auch!
Lasse nicht locker und kämpfe um dein Recht !
@Marcella: Ich kann nur von Glück sagen, dass ich meine Mutter habe, die solche Aktionen abfedern kann. Aber im Prinzip hat es sogar sie an ihre Grenzen gebracht. Das habe ich auch bei meiner Vorsprache erklärt, dass meinetwegen mein Schicksal ja selbst verschuldet ist und ich es nicht anders verdiene. Aber, dass meine Mutter auch noch mit hinein gerissen wird, das fand ich dann wirklich herzlos.
Nunja, heute bekam ich also den Bescheid mit der fehlerhaften Berechnung und morgen schicke ich dann den Widerspruch hinaus. Das ist echt so krass, dass die einen wirklich offensichtlichen Fehler durch ziehen und nun wieder erst die Widerspruchsstelle mit meinem Fall beschäftigt wird und dann eben wieder der Bearbeiter, der die mir zustehende Nachzahlung anweisen und einen neuen Bescheid erstellen muss.
Es ist wirklich so viel Arbeit, die, würde sie gleich richtig gemacht werden, völlig umsonst ist. All diese Arbeitszeit, die so produktiv an den hilfebedürftigen Menschen geleistet werden sollte.