Glück, Veränderungen und Herausforderungen
Hartmut 24. April 2009 um 08:04 Uhr
Ich musste eben selbst erst mal nachschauen, wie lange es eigentlich her ist, dass ich hier das letzte Mal Tagebuch schrieb, ich also einen Artikel unter dieser Kategorie ablegte. Zuletzt war das am 13. März. Das ist lange her und ich staune selbst.
Vielleicht liegt es daran, dass ich mich so außerordentlich wohl fühle, dass ich mein inneres Glück auslebe und alles am Schnürchen läuft. Wieso sollte ich Tagebuch schreiben, wenn ich zufrieden bin?
Schreibe ich nur Tagebuch, wenn ich Frust habe, wenn ich nicht weiß, wohin mit meinen traurigen Gedanken, wenn ich mich mal wieder richtig auskotzen oder ausweinen will? Ja, dann fällt es mir sicherlich leichter. So habe ich es früher gemacht und so bin ich scheinbar justiert.
Ich liebe mein Tagebuch, ich habe mich so daran gewöhnt und will es nicht vernachlässigen. In mein Tagebuch zu schreiben, bedeutete immer, mich selbst zu betrachten, wie ich mich selbst sehe und mir zu überlegen, was andere von mir halten – Reflextion und Empathie. Meist eine gute Idee, kurz inne zu halten und zu schauen, wo ich gerade stehe und wohin ich überhaupt will.
Ja und wie laufe ich nun derzeit durch das Leben? Ein wenig überheblich vielleicht, etwas hektisch, sehr liebevoll und die neue Gemeinschaft hier im Blog und bei Twitter genießend. Meine Verwandlung vom in‑ zum extrovertierten Kerl und weiter? Zum Paradiesvogel gar? Will ich das, bin ich das überhaupt?
Noch vor 3 Monaten schrieb ich still und im Verborgenen, vor 3 Monaten klammerte ich mich noch ein letztes Mal an meine nun so weit zurückliegende Beziehung, vor 3 Monaten schmiedete ich zuletzt die Pläne, die ich nun nach und nach erledige. Dabei reite ich auf einer Welle der Euphorie und der Lebensfreude, die ich nie für möglich gehalten habe, die mich vielleicht unvorsichtig werden lässt.
Ich habe eine depressive Vorerkrankung. Ist es nur eine lange Phase der Manie bis ich von meiner Depression eingeholt werde oder ist es doch eine innere Heilung, weil ich mir mein Glück visualisiere. Weil ich einfach nicht mehr an alles Negative glaube, weil ich einfach durchziehe und nicht lange grüble?
Gestern wurde ich in einem kurzen Chat von Julia gefragt, wie es mir geht und ich sagte ihr, wie glücklich ich mich fühle. Sie freute sich für mich und doch erinnerte sie mich ganz vorsichtig, dass ich mich verändere. Sie ist mir eine gute Freundin und daher nehme ich ihre Worte sehr Ernst. Nicht, dass sie mich ausbremst, gar traurig macht, ganz im Gegenteil. Sie erdet mich mit ihrer freundlichen bodenständigen Art und nun hat sie bei sich einen Tagebucheintrag geschrieben und mich motiviert, selbst zu schreiben. Gute regional entfernte, gute virtuelle, gute platonische Freundin!
Was bleibt ist meine Veränderung. Der dicke schüchterne und sehr faule Kerl kommt in Fahrt und rollt wie ein schnaufender D-Zug durch die Welt. Beschäftigt sich wieder mit seinem Umfeld, pflegt seine privaten Freundschaften, pflegt sich selbst. Achtet auf seine Ernährung und auf seine Bewegung. Schreibt mutige und lange Abhandlungen. Arbeitet stetig an seinen Fehlern und seinem Charakter, übt, nicht mehr neidisch und narzisstisch zu sein. Liest mehr denn je, tauscht sich mit anderen aus und verfolgt seine Ziele mit gewisser Konsequenz.
Gewisse Konsequenz? Aha, doch nicht alles Gold, was glänzt? Eine kleine Einschränkung, nur ein kleines Wort. Also doch nicht ganz zufrieden? Ja, vielleicht bin ich doch noch zu faul, weil ich nicht zu Potte komme, meine Wohnung in Schuss zu bringen. Der Umzug nähert sich und es gibt noch so viele Dinge, die zu erledigen sind. Aufräumen, zusammen räumen, entscheiden, welche Dinge zurück bleiben, einen Nachsendeauftrag stellen und was nicht noch alles so ab‑ und umzumelden ist. Eine lange Liste, die abgearbeitet werden muss und die auch keinen Aufschub duldet. Zu leicht ist die Verlockung, dass ich mich mit den angenehmeren Dingen beschäftige. Manchmal muss es weh tun, manchmal muss wieder ein Schritt weiter heraus aus der von Alice so genial formulierten Komfortzone gewagt werden. “No Risk, No Fun”. Kein Druck, keine Probleme, es sind Herausforderungen und auf die stehe ich doch.
Also, ran, hat sich doch gelohnt, mich zu betrachten.
Bist ein liebes Tagebuch, danke, dass es Dich gibt, danke fürs Gespräch.
Zufallsauswahl ähnlicher Artikel
- Tagebuch Du kannst diesen Artikel auch als PDF-Version herunterladen.
Und genau das ist es Hartmut. Das ist es, wofür sich alles lohnt. Noch musst du darauf achten das es läuft, aber im Verlauf wird es immer einfacher und leichter und somit bestätigt sich die Aussage, „der Weg ist das Ziel“. Denn es geht immer weiter, und irgendwann läuft man automatisch und lebt
@ Hartmut: Eigentlich hast du Recht „Warum Tagebuch schreiben, wenn man zufrieden ist..?“ Wichtig ist ja nur, dass man glücklich ist. Aber Selbst-Reflektion kann hin und wieder nicht schaden, einfach so, als „Vorsorge“.
na dann!
„husch –husch‑ husch… tüüü tü tüt“
ich finde es schön, dich im Einklang mit dir selbst zu erleben.
Du hast Recht, wichtig ist bei allem Glück, das man erlebt nicht stehen zu bleiben, Veränderungen weiter zu betreiben und letzendlich sich auch weiteren und neuen Herausforderungen zu stellen.
Nicht stehen zu bleiben, sich nicht auszuruhen auf dem, was man bereits erreicht hat, das ist das , wonach man streben sollte.
Dabei sein Ziel niemals aus den Augen zu verlieren, das ist es, worauf es vor allem ankommt.
Herausforderungen sind immer gut, denn bekanntlich wächst man an seinen Aufgaben und das ist gut so.
Und während ich das schreibe denke ich mir grade: zaubi, du hast heute einen Philosophen gefrühstückt*gg*
Alles Gute auf deinem weiteren Weg ….du wirst deinen Weg schon gehen und dein Ziel erreichen…