Soso
Hartmut 4. Juli 2007 um 08:07 Uhr
Jetzt habe ich Dich versteckt, Du liebes Tagebuch. Du bist zwar nicht unauffindbar, aber angeklickt werden musst Du trotzdem. Soso, muss mich entsinnen, war um 15 : 30 stehen geblieben, mein Feierabend. Wie frustrierend. Hatte einen PC mitgenommen, einen Pentium II, nur um ihn als Server-Rechner aufzubauen. Kein Windows lief mehr, als ich ihn mit Linux bespielte, alle Versuche, meiner ollen alten 120GB-Festplatte wieder das gewohnte NTFS beizubringen, scheiterten. Letztlich hat er jetzt Ubuntu drauf, nachts um 02 : 00 entschied ich mich wohl, kann mich mangels Schlaf kaum erinnern.
Mehr brennt mir das „Gehabe“ meiner Freundin im Sinne. Vorgestern, am Sonntag, nachdem ich sie geweckt hatte, weil ich heim kam, weil sie nachmittags 3 Stunden geschlafen hatte, war sie schwer betrübt, hatte schlechte Laune, erbärmliche, negativ saugende fiese Energie. Saugte mich aus und wurde zum nächsten Morgen wieder froh. Jetzt, am Abend wurde sie mystisch. Unkte von einem Artikel, von einer Botschaft. Ich freute mich auf die bevorstehende Mitteilung. Dachte, sie würde ihr Innerstes, ihre Gedanken, ihren Missmut preisgeben. „Ich liebe Dich und ich hoffe, Du verzeihst mir“, chattete sie mich an. Dann kam der Artikel heraus: Das Geburtstagsgeschenk. Wahnsinn, sie hinterfragte die Absichten meiner Geschenke an ihrem Namenstag.
Bohrte sie in einer Wunde. Der Wunde meiner Unwürdigkeit?
Nein, ich war nie ernsthaft sauer, es belastet mich nicht (ihr einen Wasserkocher geschenkt zu haben) und daher bin ich frei und ohne üble Hintergedanken.
Ich bin und war begeistert. Ich kann dieses Geständnis würdigen und war doch enttäuscht. War das der Grund ihrer üblen Laune am Vorabend oder war es nur ein Brocken Fleisch, den sie mir hinwarf, um meine Gedanken zu besänftigen, mich einzulullen und zu vergessen?
Nun habe ich Dich, liebes Tagebuch, Du vergisst nicht, schreibst mit und speicherst.
Trotzdem war der Artikel von ihr voller Liebe. Ich wollte kommentieren, tat dies und mein Rechner stürzte ab. Wie traurig, ich hatte einen langen, noch liebevolleren Kommentar geschrieben. Ich dankte und danke ihr noch immer, wenn sie schreibt. Ich liebe ihre Art, wie sie schreibt und ich freue mich, wenn sie etwas persönliches von sich preis gibt. Besonders in meinen einsamen Gedanken lese ich ihre Texte sehr gern.
Kurz vor der Veröffentlichung ihres Textes telefonierte ich mit Serena. Tilos Freundin, meine Freundin. Ja, ich mag sie und habe mich über unser kurzes Telefonat sehr gefreut. Sie erzählte mir, dass Tilo endlich am Donnerstag – morgen – aus dem bekloppten Knast entlassen wird. Ich freute und freue mich wirklich von ganzem Herzen und das wollte ich gestern – ganz unter diesem Eindruck der Freude stehend – Marcella erzählen. Was für eine Reaktion. Sie freute sich nicht, ihr Horizont verdunkelte sich. Keine 20 Minuten nach ihrem freundlichen Artikel war ich wieder ein fieser Kerl. Ich war unwissend meines Verbrechens und musste tatsächlich noch fast 2 Stunden warten. Kurz vor 01 : 00 rief sie mich – und das will was heißen – per Telefon an und sie sprach über ihre Ängste, ich wäre schwul, würde halt Männer lieben und so weiter. Ihrer schlechten Erfahrung verdankend wäre ich also jetzt das Sinnbild eines Homosexuellen. Unbegreiflich für mich! Ich „heirate“ ihre 11jährige Tochter, ich biete mich an, ihre 19jährige Tochter „unter meine Fittiche“ zu nehmen. Ich berichte von Tilos Freundin, die ich mehr als nur reizend und lieb finde und sie denkt, ich hintergehe sie mit einem Mann. Es hat mich nochmals fast 2 Stunden gekostet, ihr das zu erklären. Mich klar zu machen und meine unterdrückte Homosexualität noch tiefer zu verstecken. Tatsächlich habe ich Gedanken an Männer, tatsächlich toleriere ich die gleichgeschlechtliche Liebe. Ich finde es nicht unerträglich, wenn sich zwei Männer – oder Frauen – auf der Straße liebkosen. Ich kann mir auch einen Schwulen‑ oder Lesbenporno anschauen, finde das erregend, ohne mich gleich zu übergeben. Und ich kann auf der Straße, im Bus oder wo auch immer, genauso einen Mann anschauen und ihn attraktiv oder hübsch finden. Hat mir wohl in jungen Jahren meine allein erziehende Mutter beigebracht. Ein kleiner Touch von offenem Feingeist, von Metrosexualität und dem offenen Blick für die Welt, den meine Freundin nun nicht versteht, mit dem ich anecke und den ich jetzt unterdrücken soll.
Aber was soll ich jetzt sagen, ich bin mit ihr zusammen, ich bin soweit glücklich, ich bin trotzdem ich, ich werde mich nicht verstellen und werde meine Gedanken in dieser Hinsicht weiterhin klar machen. Es ist nicht mein Problem.
So, liebes Tagebuch, das waren 24 Stunden meines Lebens, ich werde Dich regelmäßig besuchen und schreiben und ob Du hier als Unterkategorie entdeckt wirst, hängt von der Offenheit der Blogbesucher ab, ich mache keine Werbung für uns und werde meinen ersten und letzten Frust in Zukunft bei Dir ablassen. Bis bald!
Zufallsauswahl ähnlicher Artikel
- Tagebuch Du kannst diesen Artikel auch als PDF-Version herunterladen.