Ups and Downs
Hartmut 27. Juli 2007 um 00:07 Uhr
Schwere Woche, schwere Tage nach meinem letzten Tagebucheintrag. Nach meiner manischen Phase vom Montag, in der ich eine Unmenge an Artikeln schrieb und sofort veröffentlichte und bis heute ohne entsprechende Rückmeldungen von meiner Freundin auskommen musste, verlief der Dienstag ohne weitere Höhepunkte.
Ich tankte Energie und konnte endlich ausschlafen. Und wie, ich schlief vom Nachmittag bis zum Morgen durch. Fast 15 Stunden, endlich, was tat das gut.
Am Mittwoch hatte ich mich zum Abend doppelt verabredet. Ich traf mich zunächst mit Tilo, draußen auf einer Bank, wir redeten und er entschuldigte sich. Und wie. Ich glaube ihm, aber ich bin noch lange nicht so weit, das alles zu verarbeiten. Ich stehe noch unter Schock. Aber ich merke auch, dass es Tilo wirklich von ganzem Herzen leid tut. Ich würde es toll finden, wenn ihm das alles einen positiven Kick nach vorne gegeben hat. Aber ich sehe auch noch eine Gefahr, die ich einfach nicht abtun kann.
Egal, es ist mein Tagebuch und so schreibe ich über mich. Nach unserem Gespräch fuhr ich zu Thomas. Schaute mit ihm das Liga-Pokal-Spiel Stuttgart gegen Bayern. Ich bin, was Fußball insgesamt angeht, ziemlich emotionslos geworden. Habe keinen klaren Favoriten mehr, keine Mannschaft, der ich die Daumen drücke.
Im Laufe des Abends telefonierte ich noch mit meiner Mutter, die mir mitteilte, dass der Vater von dem Freund, den ich am Längsten von allen kenne, verstorben ist. Der Familie hatte ich auch „Das Tischgebet“ gewidmet. Eine mittlerweile zerstrittene Familie, 3 Kinder, eine jetzt traurige Witwe, deren Kinder nicht mehr mit ihr reden, der Vater, wissend, dass er sterben würde, nach Bayern zu seiner ältesten Tochter gezogen, mit der er zuvor nie ein besonderes Verhältnis hatte und mein Kumpel, der seinen Vater abgöttisch liebte. Heute ist die Beerdigung seines Vaters in Bayern und die Ehefrau, die 41 Jahre mit diesem Kerl verheiratet war, die Frau, die damit klar kommen musste, dass sich ihr Mann in seinen letzten Stunden von ihr abwendete, muss alleine dorthin reisen, weil Stolz und Wut innerhalb der Familie nicht einmal für ein gemeinsames Begräbnis langen. Und doch verstehe ich auch meinen Kumpel. Er hat seine eigene Art zu trauern und er hat eben seinen Stolz, sich nicht mit seiner Mutter zusammen zu raufen. Was immer da vorgefallen ist. Aber es beschäftigt mich sehr und ich möchte meinem Freund beistehen, der seinen Schmerz derzeit im Alkohol ertränkt. Herzliches Beileid, Lutz!
Ansonsten hatte ich heute meinen zweiten kurzfristigen Termin beim Jobcenter. Mein ärztliches Gutachten wurde mir eröffnet und es sieht nicht so schlimm aus, als das meine Vermittlerin mir nicht heute die klare Zusage für meine angestrebte Weiterbildung erteilen konnte. Muss, soll und ich will mich in ärztliche Behandlung begeben, um Herr über meine Depressionen zu werden. Der Termin ist ihr und mir zu lang, daher werde ich kommende Woche mit Nachdruck um einen früheren Termin beim Neurologen bitten und mich danach sofort bei meinem Bildungsträger anmelden. Spätestens im September möchte ich meine Maßnahme beginnen.
Ich bin so heiß darauf, zu lernen und meinen Weg aus meiner Untätigkeit hin zu meiner immer deutlicher werdenden Bestimmung zu gehen. Mit der Lust der Euphorie des Vormittags ging ich dann noch in den Garten, mähte die 400qm Rasen meiner Mutter als wär es nix, kürzte ihre Kiefer ein weiteres mal und beschnitt noch mit der Schere ihre Hecken.
Gute Laune schafft positive Energie, wie sehr, konnte ich heute wieder erfahren. Wenn ich genau überlege, habe ich seit 14 Tagen keine schweren Depressionen mehr. Für meine Verhältnisse ein langer Zeitraum.
Und am Abend dann noch ein positiver Chat mit meiner Freundin, die sich so viele Gedanken macht und die mich mit einem unheimlichen Stolz erfüllt. Ich mache es ihr nicht leicht. Und sie macht es sich selbst nicht leicht.
Auch wenn es immer wieder in diesem Blog zu ärgerlichen Äußerungen zwischen uns kommt, wir reiben uns aneinander. Wir lernen, wir geben und wir nehmen. Wir kritisieren, wir zanken, aber wir lieben uns. Unsere Zwistigkeiten sind nicht bösartiger Natur und daher finde ich es ungemein spannend, wie wir miteinander wachsen, um nicht nur eine Beziehung sondern eine Freundschaft aufzubauen, die uns zusammen schweißt und unserer Umwelt signalisiert, das wir zusammen gehören.
P.S.: Habe mich entschieden, werde als nächstes Buch „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley lesen. War mal vor Jahren ein Geburtstagsgeschenk von Frau Erlebach, meiner Vorgesetzten, als ich noch beim Arbeitsamt beschäftigt war.
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