Hartmut 29. September 2009 um 15:09 Uhr
Ein Artikel pro Woche sollte doch reichen, dachte ich so bei mir. Warum nur schrieb ich noch vor wenigen Wochen manchmal zwei oder drei Artikel an einem Tag. Nun ist es fast diese eine Woche her und plötzlich gibt es Kommentare auf diesen einen letzten Artikel von mir. Nicht irgend welche, sondern eine gute, fruchtbare Diskussion, die da entsteht. Und jäh unterbreche ich sie nun mit einem neuen Beitrag von mir.
Ja, ich bin schreibfaul, ich bin unorientiert, desillusioniert, kaum inspiriert und sowieso war und bin ich wie üblich müde, faul, träge, aber doch selbstständig denkend. Mein Pulver verschieße ich derzeit in den kleinen Mini-Anwendungen auf Facebook, chatte mir meine letzte Lust für schlaue Gedanken aus dem Leib, bin trotzdem oft erheitert und genieße einfach diese virtuelle Aufmerksamkeit!
Ich bin dort ein Star!
Ich sammle deutschsprachige Mitspieler, habe ein neues Forum, weise in die Geheimnisse des Spiels (Mafia Wars) ein und jeder dankt es mir mit lieben Worten: “Wenn Du mal was brauchst…”. “Nein, ich brauche nichts!” Wie auch, ich bin kilometerweit auf einem höheren Level als diese kleinen Emporkömmlinge, die sich tagtäglich an mich wenden und mich um Hilfe anbetteln. Ich sag immer, wie spielen hier Mafia Wars, das ist kein Streichelzoo und hier gibt es nichts zu jammern. Aber ich will nicht über meine derzeitige Leidenschaft sprechen sondern über diesen Blog hier.
Sicherlich ist diese neue verfremdete Art der Aufmerksamkeit Grund dafür, dass ich hier nicht mehr im üblichen Rhythmus schreibe. Ich liebe diesen, meinen Blog, ich gebe ihn nicht her und ganz gewiss lösche ich keinen einzigen Artikel! Ich lese die Kommentare und bin beeindruckt, mein Kumpel Luigi bittet mich, mich wieder der Blogszene zuzuwenden und die liebe Julia meckert (zu Recht), Alice kommentiert verstärkt, gar uralt Freunde wie Thilo und Otto melden sich plötzlich und doch überkommt mich keine Motivation, wieder so zu schreiben, wie ich es einmal tat.
Nein! Ihr nicht, ich seit es nicht, die mich dazu bewegen, überhaupt etwas zu schreiben! Es ist die Statistik!
Der Blog explodiert bei den Besucherzahlen, den Seitenzugriffen, den Feeds!
Vor einiger Zeit fühlte ich mich durch die vielen neuen Besucher unter Druck gesetzt, meine lieben Blog-Kollegen taten ihr übriges, setzten mich unter Druck. Ich verlor ein wenig den Mut, plötzlich etwas von mir preis zu geben. Zusätzlich stiegen eben diese Statistiken unaufhörlich an, klar, ich erschuf Inhalte, den Content, den die Suchmaschinen ja so lieben. Mein kleiner süßer persönlicher Blog nun ein großer Star auf dem großen Bloggerparkett. Und ich, der “Schriftsteller”, der so seine schrägen Ideen hat, soll nun für 500, jetzt sogar für 1000 statt für 20 Menschen schreiben. Jedes Wort, dass ich veröffentliche wird noch ein wenig mehr auf die Goldwaage gelegt. Wenn ich – wie ich es immer gerne tat – polarisiere, muss ich mit doppelter, gar zwanzigfacher Kritik zu Recht kommen. Und ich versinke schon im Erdboden, wenn mich meine Mutter anmeckert.
Nun, jedenfalls hatte ich die Idee, ich schreibe mal einfach ein paar Wochen nicht mehr, dann fällt der Blog wieder auf ein überschaubares Maß. Derweil ich auf Facebook “Freundschaften” habe, die mittlerweile völlig unüberschaubar sind. Ich bilde mir auch aufgrund eines früheren Artikels hier im Blog frech ein, die größte deutschsprachige Usergemeinschaft, die Mafia Wars spielt, unter meinem Namen versammelt zu haben.
Aber darum geht es ja nicht, es geht um diesen Blog und meine vielleicht doch aufkeimende Lust, wieder in schnellerer Frequenz als im Wochentakt zu schreiben.
Vielleicht senke ich damit die Leserschaft, die Statistik und die Feed-Leser. Blogoscoop führt mich jetzt auf Platz 200 der Blogs. Der medioman gehört damit wohl unbestritten zu den Top-Blogs und damit fühle ich mich wirklich auf wundersame Weise wieder motiviert, weiter zu schreiben. Abschrecken, verschrecken, nerven, polarisieren, langweilen, rumätzen, quängeln, blöken, stressen, beleidigen, abkotzen, rumjammern bis sich die Leser wieder auf ein erträgliches und überschaubares Maß reduzieren, um ggf. wieder mehr als einen Artikel je Woche hier hin zu kritzeln, den dann auch keinen interessiert.
Und an alle Stamm-Leser, die ggf. selbst noch bloggen: Bis ich mich wieder entscheide, mal wieder bei Euch einen Blog-Artikel zu lesen, vergeht noch ein wenig Zeit. Wenn ihr meint, ich soll einen (speziellen) Artikel bei Euch lesen, kommentieren, dann müsst ihr mich schon voll anstoßen. Hier als Kommentar oder besser per Mail in Facebook, weil da bin ich noch eine Weile.
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Tags: Hartmuts Gedanken