Mein Lebensweg
marcella 25. Juli 2009 um 15:07 Uhr
Ich laufe meinen Lebensweg, eine breite mit Bäumen eingesäumte Straße, schaue nach rechts und links und manchmal mache ich halt in einer Seitenstraße, weil es mir dort gefällt oder ich neues für meinen Lebensweg dazu lernen kann. Ich raste nie lange, weil ich in meinem Leben vorwärts kommen möchte. Also begebe ich mich wieder auf meinen Lebensweg, meine Hauptstraße.
Plötzlich wird die Straße steinig und ich komme ins stolpern, ich falle hin und mein Körper trägt Schmerzen davon. Ich ruhe mich aus und versuche meine Wunden zu heilen, aber sie schmerzen zu sehr. Ich beschließe noch eine Weile sitzen zu bleiben, um dann gestärkt und mit neuen Erfahrungen bestückt, meinen Lebensweg fortzusetzen.
Ich laufe weiter und sehe in der Ferne einen Tunnel. Es gibt keinen anderen Weg, ich muss durch den Tunnel gehen, der wie ein großes schwarzes Loch aussieht und sehr bedrohlich auf mich wirkt. Dann stehe ich davor, drehe mich ein letztes mal um und gehe in den Tunnel hinein, der meinen Körper mit der Dunkelheit umschließt. Ich versuche mich in der Finsternis zu orientieren und benutze dazu meine Sinne. In unendlicher Entfernung, kann ich ein kleines Licht erkennen, ich laufe schnell darauf zu, aber ich komme wieder ins fallen. Angst ergreift mich und ich fange an zu zweifeln, ob ich das Licht je erreichen werde. Plötzlich kommt ein starker Lebenswille in mir auf, ich stehe mit Schmerzen auf, aber ich laufe und dann beginne ich zu rennen, immer weiter auf das Licht zu. Endlich trete ich in das warme Licht ein und ich sehe wieder vor mir meinen Lebensweg.
Beruhigt und entspannt laufe ich weiter, über mir die warme Sonne und rechts und links des Weges meine grünen Bäume. Auf einmal wird mein Lebensweg steiler und ich habe Mühe vorwärts zu kommen. Die Straße führt direkt zu einem in der Ferne liegenden Berg. Mein Lebensweg wird immer steiler und immer öfter muss ich eine Pause einlegen. Für einen kurzen Moment überlege ich, ob ich nicht einfach stehen bleibe, aber mein Instinkt treibt mich voran. Ich komme außer Atem und werde dadurch gezwungen mich auszuruhen. Ich schaue zurück auf meinen bisherigen, gelaufenden Lebensweg und bin stolz auf mich, wie weit ich schon gekommen bin. Mit neu gewonnenem Mut, Kraft und Stärke, laufe ich weiter den steilen Weg, mit dem Ziel den Berggipfel zu erreichen.
Plötzlich erscheint vor mir ein Felsbrocken und versperrt mir meine Straße. Er sieht unüberwindlich aus, aber trotzdem versuche ich hinauf zu klettern, um auf der anderen Seite meinen Lebensweg fortzusetzen. Es war nur ein kleiner falscher Schritt, ich rutschte ab und fiel weit zurück. Wieder schmerzte mein ganzer Körper und ich wollte schon aufgeben, aber eine innere Stimme trieb mich an, den Felsen noch einmal zu erklimmen. Vertrauen zu mir selbst ergriff mich und ich begann erneut den Felsbrocken zu erklettern, einen Schritt nach dem anderen. Geschafft, ich blicke zurück und auf einmal sah der Felsen gar nicht mehr so riesig aus und meine Schmerzen im Körper waren verschwunden. Mit dazu gewonnenem Selbstvertrauen, habe ich eine Erfahrung mehr erreicht.
Mein Blick richtet sich wieder nach vorne und der Gipfel des Berges ist zum anfassen nahe. Ich frage mich für einen Moment, ob mein Lebensweg dort oben auf dem Berg sein Ende findet, oder ob mein Weg weiter geht. Von meiner inneren Neugierde gepackt, beschließe ich es herauszufinden.
Mein Lebensweg ist jetzt so steil geworden, dass ich nur noch kleine Schritte machen kann und schon fast auf meinem Weg kriechen muss. Aber eine starke Liebe ergreift mich zu dem Berggipfel, ich klettere und krieche weiter, über Steine, Blumen, Geröll und Sand, um endlich mein Ziel zu erreichen. Ohne weitere Zwischenfälle, habe ich es endlich geschafft und stehe auf dem Gipfel des Berges.
Ich genieße eine überwältigende Aussicht, alles ist so hell und blendet meine Augen. Ich fühle mich befreit und eine immense Ruhe kehrt in meinen geschundenen Körper ein. Ich schaue zurück auf meinen Lebensweg und sehe in der Ferne einen kleinen Weg, der auch direkt zum Berggipfel führt. Nur dieser, mein anderer Lebensweg, wäre wesentlich einfacher gewesen.

