Reden Sie mit mir!

12. Mai 2009

Ich mag es nicht, wenn man wegen einer Lappalie komplett einschnappt!
Ich mag es nicht, wenn man mir nicht sagt, warum man eingeschnappt ist!
Ich mag es nicht, wenn ich selber darauf kommen muss, wenn ich deswegen grübeln muss!
Ich mag es nicht, wenn ich mich entschuldigen muss, ohne darüber zu sprechen!
Ich mag es nicht, dass mir nicht gleich verziehen wird und ich mir noch weitere Vorwürfe anhören darf!
Ich mag es nicht, dass ich noch weiter zu Kreuze kriechen muss und es zu einem Machtspiel ausartet!
Ich mag es nicht und das lasse ich auch nicht mehr zu!
Es hindert mich, es blockiert, es sorgt für negative Stimmung!
Da bin ich schnell dabei, mich zurück zu ziehen, meinen Hut zu nehmen, konsequent zu sein!
Ich bin offen, transparent, erreichbar und immer bereit für ein Gespräch!

Also, reden Sie mit mir!

Dies ist Teil 13 von 13 aus der Serie Kommunikation

Die Entschuldigung

24. Januar 2009

Ich erlebe das ja oft genug, dass mal ich bei einem Streit vermeintlich jemanden verletze und manchmal ist es umgekehrt. Oft ist es so, dass mir das nicht gleich auffällt und in keinem Falle beabsichtigt war.

Wenn ich jemanden verletze, dann muss ich mich entschuldigen. Ich meine mit „müssen“ wirklich müssen. Das kommt aus meinem inneren, nicht, weil andere sagen, dass ich es muss.

Viele entschuldigen sich ja tatsächlich nicht, aus Stolz. weil sie keine Reue zeigen. Weil sie meinen, dem anderen nicht unverdienter Weise zu Kreuze kriechen zu müssen.

Wie sagt man immer so schön? An einem Streit sind beide Schuld!
Na klar, vielleicht ist das manchmal nicht der Fall und manchmal erkennt man seinen Fehler nicht gleich.
Vielleicht sieht die Situation ja auf den ersten Blick so aus, dass es im Prinzip unfair und gemein wäre, dass ich mich entschuldige. Weil ich hald die Schuld bei dem Anderen sehe.

Ich frage mich immer, was denn passiert, wenn ich mich entschuldige. Verliere ich dann meine Würde, meinen Stolz, verliere ich an Respekt?

Ich kann mich sogar entschuldigen, wenn ich im Recht bin. Weil, da lach ich drüber. Eine Entschuldigung führt immer zu einer Entspannung der Gesamtsituation. Sie signalisiert Gesprächsbereitschaft. Lieber entschuldige ich mich – auch mehrfach – für etwas, für das ich nicht kann als dass ich mich noch später lange mit dem Thema beschäftige.
Für mich ist dann die Sache erledigt und es liegt in der Entscheidung des Anderen, mir zu verzeihen.

Wenn ich mich entschuldige, löst sich der gordische Knoten, das Böse, es legt sich ein wärmender Mantel des Verzeihens über einen Konflikt und unterbreitet dem, dem die Entschuldigung galt, ein Angebot. Eines, das er nicht ablehnen kann.

Eine Entschuldigung anzunehmen ist für uns wahrlich einfacher. Plötzlich räumen wir eigenes Verschulden ein, gehen offensiv mit der Problematik um und können unsererseits einen Fehler zugeben. Was so leicht?
Denke schon, einfach mal ausprobieren. Wichtig, wie immer, ist die Kommunikation, das Zuhören und dann – wenn es ums ganze geht – einfach dem Ruf des Herzens folgen. Interessanterweise irrt es selten.

Das ganze geht aber auch nicht auf Dauer gut. Es kann natürlich nicht sein, dass sich in einer Beziehung immer nur eine Partei entschuldigt oder sich rechtfertigt. Und es kann nicht sein, dass immer nur eine Partei bei einem Streit die Entscheidung trägt, verzeihen zu müssen.
Zu verzeihen ist keine Demonstration der Macht über einen anderen, verzeihen kommt von Herzen und sollte nie ein einfaches “Okay” beinhalten. Verzeihen bedeutet, die Situation zu reflektieren und aufzuzeigen, wo der Schmerz sitzt.

Dies ist Teil 12 von 13 aus der Serie Kommunikation

Der ICH-Effekt

13. Januar 2009

Wenn ich einen Artikel schreibe, stehe ich ja oft vor einigen Fragen:
„Wie sag ich es meinem Leser?“
„Wie weit bin ich bereit, meine Meinung kund zu tun?“

Es gibt ja einige Schreibstile. Bis jetzt schreibe ich so, wie ich meist schreibe:

In der ICH-Form.
Damit zeige ich ganz offen, wie ich denke, was ich meine, wie ich fühle, was mich beschäftigt.
Ich könnte auch eine Geschichte erzählen. Dabei könnte ich in eine Art „Beobachter-Rolle“ wechseln. Selbst, wenn es meine persönliche Geschichte ist, könnte ich sie aus den Augen eines Dritten erzählen.

Als er sie sah, verliebte er sich sofort in sie. Auch sie fühlte sofort ein magisches Band. Aber sie waren noch nicht bereit, es zuzugeben, dass das Schicksal längst ihrer beiden Leben verknüpft hatte.

Ich schreibe lieber so:

Als ich Marcella das erste Mal sah, war ich sofort verknallt und auch sie machte keinen Hehl daraus, was sie für mich empfand. Aber wir waren noch nicht bereit, uns unserer Gefühle einzugestehen, obwohl wir genau wussten, dass das Schicksal uns zusammen geführt hatte.

Und dann gibt es noch die abstrakte, die Sach-Form. Sie wird auch gerne – und muss auch – in Gesetzes‑, Sach‑ und Fachbüchern und im Journalismus benutzt. Weil da keine persönlichen Meinungen des Autors gefragt sind.

Hartmut H. und Marcella B. aus B. trafen sich im November 2006. Am 12.01.2007 wurden sie ein Paar.

Ich finde, so ein Blog ist schon eine persönliche Angelegenheit, wenn man (!!!) nicht ausschließlich ein News-Blog ist und nur über Fakten berichtet.
Dieses „man“ lese ich oft und benutze ich auch versehentlich oft. Für mich ist das aber eine klare Umschreibung des eigenen Gedankens. Manchmal ist es ein kleiner Fake, eine Art Selbstbetrug.
Irgendwie möchte ich mich distanzieren oder das, worüber ich schreibe, ins Allgemeine formulieren.

„Man“ gehört zu den Pronomen. Laut Wikipedia gilt es als Indefinitpronomen.
Für mich ist das zu abstrakt!
Wenn ich einen Artikel lese, in dem der Autor mit seinem Namen steht, ersetze ich gerne das „man“ durch ein „ich“.
Für mich verliert dann der Text seine Abstraktheit. Ich kann eine Beziehung mit dem gelesenen herstellen und viel besser das annehmen, was meiner Meinung entspricht und das herausfiltern, worüber ich anderer Meinung bin.
Bei einem „man“ kann es viel eher zu einem Missverständnis kommen. Meint der Autor das, was er sagt, meint er das ironisch, sarkastisch, meint er genau das Gegenteil und distanziert sich?
Spätestens, wenn ich nachfrage, gar kritisiere, gerät das abstrakte Werk ins Wanken. Der Autor nimmt persönlich Stellung und möglicherweise trifft es ihn doppelt.

  • Vielleicht, weil er sich selbst seiner Meinung noch nicht bewusst war und ihn meine Meinung mit voller Wucht trifft.
  • Vielleicht, weil ich ihn missverstehe, seine Ironie oder Intention nicht verstand.
  • Vielleicht, weil er meine gut gemeinte Kritik gleich als einen Affront gegen seine ganze Person hinstellt.

Wieder sind wir bei dem Wort „Kritikfähigkeit“. Was habe ich mich in diesem Blog schon darüber ausgelassen (z.B. hier vor 18 Monaten !).

Ich weiß, dass ein wenig Mut dazu gehört, in der ICH-Form zu schreiben. Immerhin mache ich mich angreifbar und verletzlich. Und ich gebe etwas von mir preis. Aber das ist es mir wert, wenn ich mich auf eine klare, transparente Diskussion freue.
Wer das nicht will, der schalte seine Kommentarfunktion ab und schreibe in der Form, in der er will. Oder schreibe nicht und ziehe sich in sein Schneckenhaus zurück.

Dieser Artikel ist ausdrücklich keiner speziellen Person gewidmet! Er spiegelt meine ganz persönliche Meinung und Erfahrung wider.
Und ich würde mich freuen, wenn eine angeregte Diskussion entstünde, wie Du darüber denkst.
Vielleicht bin ich ja selbst in der Situation, verblendet zu sein. Und ich lasse mich gerne kritisieren.
Ich giere danach, weil mich das persönlich weiterbringt und meinen Horizont erweitert.

Dies ist Teil 11 von 13 aus der Serie Kommunikation

Der Schnellschiesser

9. Januar 2009

Ich bin ja auch so ein Mensch, der sich schnell "künstlich" aufregt.
Klar sehe ich ein Problem oder einen Menschen, der ein Problem hat und automatisch mische ich mich ein.

Natürlich folgen Konflikte, natürlich knallt es immer wieder, wenn ich eine “fremde" Personen analysiere, wenn ich mich in Familienbelange, Erziehung oder andere Wahrnehmungen einbeziehe.
Natürlich kann das nicht gut gehen aber ganz natürlich mache ich trotzdem weiter.

Bin ich da verpeilt? Weil ich doch immer nur das Beste will? Für Gerechtigkeit und Harmonie kämpfe?
Plötzlich dreht sich alles um mich und ich bin der Buhmann. Ich blick doch da gar nicht durch, was mach ich überhaupt. Was wollte ich eigentlich?

Wow! Was für eine Breitseite. Und natürlich verstehe ich sie.
Aber für mich ist es immer wieder ein schmaler Grad, ob ich meine Meinung sage oder eben nicht.
Jeder mag Kritik, so lange sie ihn nicht persönlich trifft. Und andere zu kritisieren ist wesentlich einfacher, als sich selbst zu hinterfragen.
Dazu habe ich schon genug geschrieben.
Aber wie verhalte ich mich nun, wenn ich klare Konflikte erkenne und meine Meinung sagen will?

Für mich ist das ganz klar. Wenn es mich juckt und wurmt, dann lasse ich es raus. Ganz einfach. Ich weiß, dass ich womöglich etwas auf die Mütze bekomme, aber dann ist das völlig okay für mich.
Was ich bei einem Streit aber niemals vergessen darf, ist, dass es nicht um mich persönlich geht.
Der Konflikt steht im Mittelpunkt. Ist der gelöst, bin ich frei.
Ich bin nicht das Universum, um das sich alles dreht. Gebe ich Hinweise und Ratschläge und Gedanken in die Runde, bleibe ich auch in der Runde!
Der Brocken, das Fleisch, der Gedanke, die Idee und der Tipp, alles liegt in der Mitte und soll objektiv betrachtet werden.

Schön wärs, aber vielleicht klappt das ja irgendwann.
Wenn eben keiner mehr einen Streit zu persönlich nimmt!

Dies ist Teil 10 von 13 aus der Serie Kommunikation

Gleichberechtigtes Miteinander

11. September 2008

Im Prinzip scheint der Umgang mit meinen Mitmenschen so einfach. Ich akzeptiere ihre Meinungen genau so, wie ich erwarte, dass meine Meinung zumindest angehört wird.
Auch Kritik ist einfach. Wenn mich etwas stört, dann sage ich es und andersrum muss ich mir gefallen lassen, wenn mir Andere etwas zu sagen haben.
Die Kritik gerät schnell zu etwas sehr persönlichem. Ich bekomme es in den falschen Hals, höre nicht mehr zu, weil ich beleidigt bin und schlage zurück. Zwischen Kritik und Beleidigung liegt ein schmaler Grad.
Ich schrieb darüber vor einiger Zeit in Kommunikation Ⅲ.
Ich weiß, dass ich schön häufig selbst über das Ziel hinaus geschossen bin. Ob aus Wut, aus Überheblichkeit oder aus reiner Unachtsamkeit.

Aber wie sehr ich mich auch zurückhalte, nur bei mir bleibe, gibt es auch Menschen, denen an ernstgemeinter Kritik oder einem Austausch an Gedanken nichts liegt.
Sie betrachten die Welt aus einer zerstörerischen Warte, aus Verbitterung oder einfach aus Überzeugung. Da wird selbst meine eigene persönliche Meinung nicht nur als Angriff gewertet, denn sie könnten mich ja ignorieren, nein, sie schlagen zu aus purer Lust am Gemeinsein.
Sie interessieren sich nicht für mich und mein Denken und sie fühlen sich noch angestachelt, wenn man sich auf sie einlässt.
Hin und wieder gerate ich in solche Situationen und dabei bleibt mir nur ein Weg: So schnell als möglich wieder herauszugehen und zuzusehen, mich weit genug zu entfernen, bevor es endgültig eskaliert.
Schade eigentlich.
Noch Tage danach habe ich einen faden Beigeschmack und denke, dass diese Menschen noch lange ihren Sieg über mich feiern. Weil sie die Oberhand behielten und alles kontrollierten.
Wer solch eine Situation kennt, weiß, wie sehr diese am Vertrauen nagt. An meinem eigenen, weil ich mich vor einem erneuten Kontakt fürchte und davor, eine Verletzung davon zu tragen, gar Menschenscheu zu werden.

Ich kenne da sonst keine Lösung und ich werde, weil es vielleicht wieder genau solch einen jemand anspricht, nicht über sein Verhalten und seine Beweggründe spekulieren.
Jeder lebt nach seiner Weise. Mein Weg bleibt die offene und vertrauensvolle Kommunikation mit gegenseitigem Respekt und ich liebe es, wenn mich mein gegenüber kritisiert, weil ich ein Feedback bekomme und mich besser einzuschätzen lerne.
Und ich entschuldige mich, wenn ich verletze.
Es tut mir vom Herzen weh, wenn ich dafür verantwortlich bin, dass jemand das Vertrauen in mich und seine Umwelt verloren hat.

Dies ist Teil 9 von 13 aus der Serie Kommunikation

Ich bin high!

3. September 2008

Ich habe jetzt gute 10 Tage nichts weiter gemacht als US-Serien zu gucken. Battlestar Galactica, Stargate Atlantis, 24, Prison Break und ich merke echt, was das an Substanz kostet.
Und ich meine damit nicht die körperliche sondern die psychische, die geistige und besonders die kreative Kraft.

Ich bin fernab jeglicher Realität, kann mich nicht mehr konzentrieren, bin absolut unlustig, kann mich nicht auf meine Gedanken besinnen, bin total ausgebremst.
Und trotzdem fühle ich mich nicht schlecht. Ich könnte ewig so weitermachen, könnte noch Wochen oder Monate auf der Couch liegen und mich zudröhnen lassen.

Schlimmer noch, ich habe Entzugserscheinungen, wenn ich nicht die lieb gewonnenen Synchronstimmen meiner Seriendarsteller höre oder die Titelmusik vernehme. Ich schlafe schlecht und wenig und wenn ich träume, dann nur noch abhängig von der Serie, ich bin auf der Flucht, bin verfolgt von Außerirdischen oder bin Top-Spion.

Es ist eine Sucht!
Ich erfinde sogar schon Ausreden, warum ich heute nicht kann, dass ich den Termin verschieben oder jetzt schnell weg muss! Oder ich gehe nicht mehr ran ans Telefon! Ist ja auch gerade spannend!

Eigentlich ist in meinen Hirn nur noch ein absoluter Brei, der sich für nichts mehr interessiert, weder das Tagesgeschehen noch eigene persönliche Kontakte.
Ein harmloses Telefonat mit meiner Mutter überfordert mich genauso wie mich länger als 5 Minuten an den PC zu setzen und mich – wie sonst durch die Bloggospähre zu lesen oder gar hier in meinem eigenen Blog einen Artikel zu schreiben oder wenigstens Kommentare zu beantworten.

Wenn ich mir vorstelle, ich mache das „Experiment“ noch 10 weitere Tage, dann habe ich mir die Kommunikation mit der Außenwelt wohl komplett abgewöhnt, alles würde mich belasten, was mich mit meinem eigenen Ich konfrontiert. Ich wäre wie ein Kiffer auf LSD, der kein Zeitgefühl und keinen Lebensrhythmus mehr kennt.

Was hilft?
Vollbremsung!
10 Tage Fernsehentzug! Ohne wenn und Aber!
Ob ich das durchhalte?
Ob ich das will? Oder kann?
Muss ich denn?
Läuft doch grad so gutes in der Glotze!

Dies ist Teil 8 von 13 aus der Serie Kommunikation

Kommunikation Ⅴ

15. Juli 2008

Irgendwie kommt immer alles wieder und so werde ich derzeit des öfteren an meine Artikel Kommunikation I, , und erinnert.

Und Kommunikation findet ja bekanntlich nicht nur in mündlicher sondern auch – besonders im Internet-Leben – schriftlicher Form statt.
Was mich in den letzten Wochen hier im Blog genervt hat, waren die zahlreichen Kommentare, die auf mich und Marcella immer verletzender wirkten.

Wie ich es früher schon schrieb, gibt man mit jeder Äußerung etwas von sich preis. Informationen, die für ein fruchtbares Gespräch genutzt werden können, aber oft leider auch gegen einen verwendet werden.
Mein Gegenüber kennt meine Schwäche, weiß, wie und wo meine Traurigkeit, meine Unsicherheit oder mein Problem sitzt.
Tief und fest rammt sich dann eine fiese Bemerkung in mein Gefühlsleben.

Und bei allen Möglichkeiten der Interpretationen, des „Spiegelns“, eine Beleidigung bleibt eine Beleidigung.
Der Ton macht die Musik.

Ich möchte hier nicht analysieren, wann, wer, warum beleidigt, ob aus Unsicherheit, Mitteilungsbedürfnis, Provokation, Minderwertigkeit. Ignoranz, Arroganz, Gedankenlosigkeit.
Eine Beleidigung tut weh, hat etwas mit Machtmissbrauch zu tun und sollte immer vermeidbar sein.
Ich habe im Laufe der Zeit gemerkt, dass ich – sobald ich nur den Hauch eines aggressiven Gefühls in mir verspüre – (zunächst) aus dem Gespräch gehe.
Daher lasse ich jetzt auch Kommentare im Blog unbeantwortet, wenn ich z.B. merke, dass mein Gegenüber es auf Konfrontation zum Zwecke des Streits ankommen lässt.
Ich habe nichts gegen einen Streit. Ein Streit kann wichtig und reinigend wirken.
Es bedarf einer konstruktiven Streitkultur, um sich auf einer angemessenen Ebene miteinander zu unterhalten.

Und genau die Kultur des Streitens zu erlernen, ist ein wichtiges Instrument, mit Respekt und Harmonie, ein friedliches Miteinander zu schaffen, in dem es um Entwicklung geht.
Um die Erweiterung meines eigenen Horizonts. Die Akzeptanz, aber auch das „dulden“ einer anderen Meinung, ohne dem anderen gleich eins in die „Fresse“ zu hauen.

Dies ist Teil 7 von 13 aus der Serie Kommunikation

Kommunikation Ⅳ

10. August 2007

Ich hatte heute ein längeres Telefonat mit Jacqueline. Sie war sehr traurig, weil der Vater einer Freundin, die sie seit vielen Jahren nicht gesehen hat – Ulrich Plenzdorf – verstorben ist.
Sie erzählte mir von ihrer Kindheit und weiteren Erlebnissen aus ihrem Leben. Ich merkte, dass ich von den vielen Informationen, die sie preis gab, überfordert war.
Langsam geriet ich in eine Zwickmühle. Wohl wissend, dass sie sich ihre Traurigkeit von der Seele redete, kam ich zu dem Entschluss, den Redeschwall, der sich über mich ergoss, zu unterbrechen. Aber verletzen wollte ich sie nicht.

Ich bemerkte, dass ihre Stärke auch ihre Schwäche, ihre Schwäche auch ihre Stärke ist. Sicherlich kann sie einem einen Knopf an die Backe labern, sich in immer kleineren Geschichten und dabei den Faden verlieren, mit Namen und Gedanken um sich werfen, eben eine wahre Labertasche sein.
Aber sie hat auch eine Stärke: Sie kann spannend und unheimlich detailreich erzählen. Fast wie ein Roman zieht sie einen in ihren Bann. Ich war und bin froh, dass ich mich für letztere Bemerkung entschieden habe: Ich sagte ihr, dass ich sie bewundere für ihre spannende Erzählweise und dass ich es bin, der manchmal einfach ein wenig überfordert ist, der nicht mehr folgen kann, der zwar ihre Geschichten mag, aber sich auch ein schnelleres Ende wünscht. Oder einen Punkt oder wenigstens ein Komma.

Es sind immer diese Sprüche, die scherzhaften, die im Kern Ernst gemeint sind und doch verletzen können. Meine Entscheidung, Jacqueline mit einem an sich spaßig gemeintem Satz wie Du bist ja eine Laberbacke zu verletzen oder sie auf ihre Stärke, der zu detailverliebten Erzählweise hinzuweisen, brachte das gleiche Resultat. Sie fing an zu reflektieren, nachzudenken und sich für eine knappere – „Ich erzähle ja schon die Kurzform“ – Geschichte zu entscheiden.

So erging es mir auch nach dem letzten Artikel „Ein scherzhafter Satz“: War die angesprochene Kollegin vielleicht pingelig, zu detailverliebt, einfach unmotiviert?
Verletztend war der Satz, der ihr entgegen schlug: “Was denn, du bist mit der Arbeit immer noch nicht fertig?” Und viele von uns kommen mit einer harmlosen Kritik, die zunächst verletzend wirkt, aber im Kern schon treffend ist, (noch) nicht klar.
Dem sollten wir uns bewusst sein.
Der Weg zur Liebe, zum Respekt über unsere Kommunikation ist ein gedankenintensiver Weg, der eben auf jede Aktion von uns eine manchmal unerwartete Reaktion folgen lässt.
Bedenken wir auch diese, so können wir uns weit wichtigeren Dingen zuwenden, als uns um provozierte Missverständnisse zu kümmern.
Dafür ist unsere Lebenszeit einfach zu kostbar.

Dies ist Teil 6 von 13 aus der Serie Kommunikation

Kommunikation Ⅲ

6. August 2007

Am Wochenende ergab es sich, dass Thomas, meine Freundin und ich einen lauen Sommerabend im Garten verbringen durften. Aus einer simplen Unterhaltung entwickelte sich eine rege Diskussion, als wir auf das Thema Meditation kamen. Thomas und Marcella kamen auf keinen grünen Zweig und er hielt ihr vor, geistig Unbeweglich zu sein und so die Meditation zu einer lahmen Entspannungsübung zu degradieren. Auf diesen Satz hin war sie verletzt, fiel ihm ins Wort und er wurde cholerisch. Er fiel ihr wiederum ins Wort, wurde lauter und beide brüllten sich nur noch an. Ich saß inmitten der ganzen Situation, war nur der Beobachter und wusste lange nicht, ob ich meine Freundin vor seinen Angriffen schützen oder ihn unterstützen sollte, weil ich fand, dass er ja dem Grunde nach Recht hatte.
Als Thomas nicht aufhörte zu brüllen, immer aggressiver, polemischer und letztlich beleidigend wurde, tat sie intuitiv das einzig Richtige: Sie stand auf und verließ das Gespräch. In genau dieser Sekunde, als sie das tat, verwandelte sich auch Thomas schon. Er unterbrach seinen Satz, atmete tief ein und entschuldigte sich. Sie hörte es nicht mehr, war in die Laube verschwunden und er wandte sich an mich: „Da bin ich wohl über das Ziel hinaus geschossen.“
„Ja!“, sagte ich, „das bist Du und dafür ist wohl mehr als eine Entschuldigung fällig.“

Um es vorweg zu nehmen: Er entschuldigte sich und es wurde ein wunderbar harmonischer Abend.

Was war passiert, wunderten wir uns und Thomas erklärte sich. Er übte einfach Kritik aus. Und Marcella nahm das als persönlichen Angriff, als Vorwurf an ihrer Person. Und wenn ich angegriffen werde, verteidige ich mich oder lasse es mit mir geschehen. Aber wie gesagt, Thomas hatte nicht vor, sie zu verletzen. Er ist ihr ein Freund! Thomas gab ihr ein Feedback. Wie er sie sieht, was er empfindet, wenn er sie charakterisiert.
Und oft ist es so, dass wir uns ganz anders sehen als andere. Ein Feedback ist ein wichtiges, wunderbares Instrument, um uns selbst besser kennen zu lernen. Wir bekommen eine Rückmeldung, wir können dabei entscheiden, was wir davon gebrauchen können. Wir bekommen Informationen.
Und Informationen sind Macht. Denn nichts anderes machen z.B. Suchmaschinen wie Google. Sie sammeln Informationen und sind damit ein enormes Wirtschaftsunternehmen. Bei einem Feedback bekommen wir noch weitere Informationen. Wir lernen auch unseren Gegenüber kennen. Denn mit jedem Feedback gibt er auch etwas von sich preis.
Psychologen nennen das „spiegeln“: Wenn wir jemanden kritisieren, weil er z.B. langweilig, verträumt, geizig, geistig unbeweglich, stur oder was auch immer ist, dann sollten wir uns unserer Gefühle zu diesem Thema einmal selbst bewusst werden. Ich spiegle sozusagen das Gefühl der Langeweile auf meine eigene Person.
Bin ich nicht selber langweilig, habe ich nicht selbst meine Probleme, mich zu beschäftigen?
Oder Sturheit. Bin ich nicht auch einer, der bis zuletzt auf seine Meinung beharrt, einer, der nicht aufgibt, seine Interessen bis zuletzt durchzusetzen?
Meine gute Freundin Jacqueline sagte witzigerweise ein paar Stunden zuvor im Garten: „Beschäftige Dich mal lieber mit Deinem eigenen Hirn!“. Wie recht sie doch hatte.
Wenn wir die Fähigkeit erlangen, Kritik nicht als persönlichen Angriff sondern eben als eine Reflektion meines Gegenübers anzusehen, dann lösen sich unheimlich viele Probleme in unserem Leben einfach auf.
Jede Beziehung kann so fruchtbar sein, wenn wir einfach zuhören und hören, was uns gesagt wird. Wir erfahren so unheimlich viel von unserem Gegenüber, der selbst so viel von sich gibt und wir erfahren sehr viel von uns selbst.
Und wenn ich mich schließlich mit meiner Sturheit auseinander gesetzt habe, lerne, mich in manchen Situationen einfach zurück zu nehmen, meine Interessen nicht an die erste Stelle setze, dann bin ich nicht mehr stur. Nennt mich jemand dann stur, denke ich kurz nach und kann das einfach als erledigt für mich betrachten.

Auch die Aggression haben wir besprochen. Was ist das überhaupt? Wann werden wir aggressiv? Meist auch dann, wenn wir eine bestimmte Situation nicht verstehen können. Wenn wir etwas nicht begreifen, anfassen können. Wenn wir unsicher sind und nicht wissen, wie wir auf eine Situation reagieren sollen.
Ein gutes Beispiel hierfür ist der Text meiner Freundin „Nur ein toter Vogel“. Die Kolleginnen reagierten mit Aggressionen. „Ist doch nur eine Wurmschleuder weniger“, sagten sie. Aber wenn ich das alles mal hinterfrage, dann steckt viel mehr dahinter.
Meine Freundin konfrontierte ihre Kollegin mit dem Tod. Ein unangenehmes Gefühl überkommt uns, wenn wir über den Tod nachdenken, weil wir ihn nicht begreifen, verstehen und anfassen können. Er ist abstrakt für uns und er macht uns Angst. Und wir überlagern unsere Unsicherheiten entweder mit Aggressionen, aber auch mit Ignoranz, Arroganz oder mit Lachen.
Jeder geht damit anders um, aber er versteckt seine einfache Unsicherheit halt einfach hinter anderen Gefühlen. Werden wir uns aber unserer Ängste bewusst, dann können wir plötzlich Mitgefühl und Traurigkeit zeigen. Und wenn wir uns wiederum mit diesen beiden Gefühlen beschäftigen, dann sind sie auch keine Ängste mehr. Bearbeiten wir unsere Ängste, dann verlieren wir unsere Unsicherheit oder das Gefühl schwach zu sein. Wenn wir keine Schwäche mehr spüren, dann werden wir mutig und Mut führt letztlich wieder zu Selbstvertrauen. Es ist unglaublich, was sich für eine Kette von vorher verborgenen Emotionen auftut, wenn wir beginnen, einfach auf die Kritik anderer zu hören und nicht in eine Haltung der Selbstverteidigung gehen.
Wir werden offen, neugierig und das Leben wird so spannend.
Wenn wir zwei Menschen treffen, die sich streiten, oder wir es selbst sind, haben wir den Schlüssel, solche Situationen aufzulösen.
Und klappt es nicht gleich, fordere eine Pause von diesem Streit, gehe heraus aus dieser Lage und komme zur Ruhe, verändere die Perspektive, betrachte alles von einem anderen Blickwinkel und löse die vielen kleinen Knoten, die Dich blockieren und Du wirst eine ungeheure Kraft finden, die Dich umgibt und Dich letztlich dazu bringt, Dich mit dieser Klarheit und Transparenz auszudrücken, die es dem anderen erleichtert, Deine Worte zu verstehen und Dich zu begreifen.

Dies ist Teil 5 von 13 aus der Serie Kommunikation

Kommunikation Ⅱ

4. August 2007

Wer redet muss auch zuhören. Und wer hört muss sich in blitzschneller Eile Gedanken über das Gesagte des Anderen machen und in Bruchteilen von Sekunden Entscheidungen treffen.
Der Irrsinn, der Kommunikation wird uns erst bewusst, wenn wir wissen, dass es vier Ebenen gibt, die unser Gehirn gleichzeitig verarbeiten muss. Bei jedem Wort, jedem Satz oder gar jeder Geste meines Gegenübers.
Dabei spielen Herz und Verstand zusammen. Mit dem Verstand oder besser noch der Vernunft verarbeite ich die reine Sachinformation, wäge ab, treffe ein Urteil. Vernunft hilft mir, setzt das ganze in einen logischen und sinnvollen, für mich nachvollziehbaren Zusammenhang.
Das Herz steht für die Emotion, die Beziehungsebene, das Gefühl, das ich habe, wenn ich angesprochen werde, wie ich es verarbeite und wie ich darauf reagiere.
Zu einer guten Kommunikation gehört eine gute empathische Kompetenz. Wenn alle Faktoren miteinander verknüpft sind, dann steht einer guten Kommunikation nichts mehr im Wege.

Die vier Ebenen der Kommunikation:

Beispiel: Ein Pärchen sitzt in einem Auto. Sie fährt. Er sagt: „Die Ampel ist rot.“

  1. Die Sachinformation. Er informiert. Er gibt lediglich bekannt, dass die Ampel wirklich rot ist. Und sie bekommt lediglich diese Information.
  2. Die Selbstkundgabe, die Ich-Botschaft. Er möchte sie darauf hinweisen, dass die Ampel rot ist. Persönliche Erfahrungen, Ängste sind hier der Kern. Er will nicht bei rot über die Ampel fahren, vielleicht, weil er selbst einmal bei Rot über die Ampel fuhr und „erwischt“ wurde.
  3. Die Beziehungsseite. Sie fährt. Ich bin ihr ausgeliefert oder ich habe Sorge, dass ihr etwas passiert. Ich muss mich einmischen. Ich sage ihr, dass die Ampel rot ist, damit sie erkennt, dass ich teilhabe.
  4. Apellseite. Halte an! Er möchte Einfluss nehmen, sie erinnern, entscheiden. Er gibt ihr eine Handlungsanweisung.

Und in wenigen Sekunden muss die angesprochene Frau reagieren. Nicht nur im Verkehr, auch auf die Worte. Fühlt sie sich persönlich angegriffen, verletzt oder dankt sie ihm für den Hinweis. Nimmt sie es zur Kenntnis oder echauffiert sie sich über seine ständigen Einmischungen? Ist es gerechtfertigte Kritik oder ein unbedachter Satz von ihm? Herz und Verstand, Emotion und Vernunft und das bei nur einem Satz.
In einem Gespräch wiederholt sich das viele Hundert Male und jeder Satz, jede Aktion erfordert eine Reaktion.

Eine gute Internetseite, die das nochmal gut erklärt, ist diese hier.

Dies ist Teil 4 von 13 aus der Serie Kommunikation

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