Kommunikation Ⅰ

6. Juli 2007

Reden, reden, reden. Wichtig. Bitte nicht vergessen. Nach dem Riechen kommt Reden!

Hättest Du geschwiegen, wärst Du Philosoph geblieben

oder

Reden ist Gold, Schweigen ist Silber

Dies ist Teil 1 von 13 aus der Serie Kommunikation

Ihhh

23. Juli 2007

Am Freitag war es endlich da, das Wochenende. Aber richtig freuen konnte ich mich nicht. Ich war müde und hatte das Gefühl, endlich meine Schlaflosigkeit überwinden, mich mal richtig ausschlafen zu können.
Daraus wurde aber nichts. Meine Freundin bat mich eindringlich, zu ihr zu kommen, was ich dann auch tat.
Wir schauten lange fern, redeten nicht, aber wir waren uns sehr nahe. Das tat auch gut, war schön für die Seele, aber mein Körper fing an zu rebellieren. So wurde langsam ein bohrender Kopfschmerz, der Schmerz der Übermüdung, mein Begleiter.
Samstag und ums vorweg zu nehmen auch Sonntag war für den Tag Gartenarbeit angesagt. Kiefer beschneiden und die Äste und Zweige klein schneiden, um sie dann in insgesamt 8 Müllsäcke zu pressen. Dazwischen die üblichen Gänge nach Hause zu meinem Kater.
Auch den Samstag-Abend verbrachten wir vor dem Fernseher, es fehlte mir etwas aber die Entspannung tat mir auch gut. Wieder bekam ich aber nicht mehr als 4 Stunden Schlaf und so konnte ich mich am Sonntag kaum noch auf den Beinen halten.
Als ich dann am Abend zu meiner Freundin zurückkehrte, wurde ich vom Neid gepackt, denn sie lag im Bett und schlief. Aussprechen konnte ich meinen Frust aber zunächst nicht. Auch die Entspannung vor dem Fernseher konnte ich nicht nutzen. Meine Freundin und Sheila sprachen miteinander und ich hörte 4 Stunden zu. Hatte keine Lust und keine Kraft mehr, mich bei diesem Gespräch zu beteiligen.
Erst als Sheila zu Bett ging, es ruhig wurde, wandte ich mich meiner Freundin zu. Mir wurde auf einmal klar, dass wir dieses Wochenende zwar miteinander verbracht hatten, aber leider nur irgendwie nebeneinander. Keine Kommunikation, die uns beiden mittlerweile so wichtig geworden ist. So dauerte unser Gespräch noch sehr lange, um die vielen aufgestauten Missverständnisse auszuräumen und wie sie immer so schön sagt, für neuen Input zu sorgen.
Und dieser neue Input wird sich in meinen kommenden Artikeln auch ergießen. Endlich. Meine Muse, wie habe ich das gebraucht.
Leider kam auch diesmal wieder mein Schlaf zu kurz und so hatte ich die Hoffnung auf die Zeit nach dem Job gelegt.
Denkste, nach der Arbeit in den Garten zu Mutti. Weitere Gartenarbeit, dann Mutters Sitzfleisch ertragen. Bis 20 : 30 musste ich ausharren. Bin jetzt stehend K.O. Schreibe noch wenigstens mein Tagebuch.

Was hat das alles mit Ihhh zu tun, fragt sich wieder einmal der geneigte Leser:
„Ihhh“ ist derzeit das Unwort der Kinder. Jeder zweite Satz beginnt mit dieser Ekelfloskel. Auch schöne Dinge, werden mit einem Ihhh bedacht. Sogar als ich gestern nach Hause kam und sie sich zum Begrüßungskuss aufbauten, hieß es „Ihhh, Hartmut ist da!“ Aber statt Brechreiz und Klo vollgöbeln, verlangten sie nach ihrem Schmatzer. Ich fühlte mich dabei nicht wohl. Angeekelt oder geliebt. War verwirrt. Liebe Kinder, gewöhnt euch das schnell wieder ab. Es gefällt mir nicht. Ich sagte euch, ersetzt Ihhh mit Oha oder Juchee. Das ist positiv und sorgt für gute Laune.
Und apropos Kinder, ich bin nach wie vor enttäuscht. Keiner von ihnen hat sich Gedanken gemacht, wie es weitergeht. Keiner scheint mehr in den Garten zu wollen, weil keiner bereit ist, sich zurückzunehmen. Oder sich zu bedanken oder gar zu entschuldigen.
Stattdessen scheinen alle ihre Ferien zu Hause verbringen zu wollen. Eingeschlossen in der Wohnung. Und sicher vor der immensen Mückenplage.

Dies ist Teil 2 von 13 aus der Serie Kommunikation

Das Recht auf Selbstbestimmung

24. Juli 2007

Wie ich bereits schrieb, war das letzte Wochenende mit meiner Freundin sehr kommunikationsarm. So stauten sich kurz und gedankenlos hingeworfene Worte in dem anderen auf und führten zu Frust. Ich warf meiner Freundin vor, in ihren letzten Artikeln nur blabla zu schreiben, sie warf mir vor (unterstellte mir), dass ich ihren Schreibstil nicht mag und sie sich nicht mehr traut, überhaupt etwas zu schreiben. Ich warf ihr vor, das ganze Wochenende nur faul in der Wohnung zu sitzen, während ich wie blöde durch die Welt reise.
Auch umgekehrt bekam ich meine Packung weg. Mir wurde vorgeworfen, in diesem Blog nichts von mir preis zugeben, nicht mein Innerstes zu offenbaren. Da musste ich dann schlucken.
Um es kurz zu machen: Zunächst ging es einfach um das Üben von Kritik und die Bereitschaft, konstruktive nicht destruktive Kritik anzunehmen. Sie nicht als Angriff auf die eigene Person sondern als eine Hilfestellung anzusehen. Wer das Kritisierte nicht annehmen mag, der ist dazu nicht verpflichtet.
Niemand sollte das tun, um dem anderen damit zu gefallen. Um ihm einen Gefallen zu tun. Ihm zu Kreuze zu kriechen.
Wenn ich kritisiert werde, dann kann ich mich klar zu meiner Meinung äußern. Ich sage ja, du hast Recht oder Nein, das stimmt nicht. Aber eines werde ich bestimmt niemals (wieder) tun: Gegen meine innere Einstellung, mein Wesen, meine Werte etwas tun, nur um damit meinem Partner, meinem Freund oder „nur“ einem Leser dieses Blogs zu gefallen. Wem meine Worte zu abgehoben, zu oberflächlich oder für wen die Worte meiner Freundin nur ein blabla sind (mich eingeschlossen), der soll sich trollen.
Aber es geht nicht um diesen Blog. Es geht um das Leben. Es geht um die Fähigkeit, sich abzugrenzen, seine Werte zu vertreten, den Mut zu haben, Nein zu sagen, Konsequenzen zu ziehen, wenn Grenzen überschritten werden, Lob und Anerkennung genauso wie Kritik auszusprechen und anzunehmen. Wichtig ist nur, dass es mit einer überzeugenden Klarheit, mit einer für den anderen nachvollziehbaren Transparenz erfolgt.
Wenn ich für mich meine Werte – und auf diese läuft es immer wieder hinaus – Liebe, Respekt und Vertrauen auf die Waagschale des Lebens lege, wenn ich diese nicht nur von den anderen einfordere sondern mich selbst mit diesen Werten belege, wenn ich mir also selbst Respekt zolle, mir vertraue und mich liebe, dann können mich böse Worte nicht aus der Bahn werfen und ich kann Kritik als ein Lernprozess ansehen.
Ich werde kein Schauspieler, um anderen zu gefallen. Dieser Film ist nach kurzer Zeit beendet, ich bin durchschaut, zu oft gesehen und schnell langweilig. Ich bestimme über mein Leben, meine Aktivitäten und akzeptiere entweder genauso das Leben der Anderen oder lasse es.
Aber ich werde niemals auf jemanden gegen seinen Willen beeinflussend einwirken!
Ich erwarte Rückmeldung, ich erwarte ein „Okay, das akzeptiere ich“ oder „Nein, das geht mir gegen den Strich“ und ich werde es auch nicht akzeptieren, wenn sich jemand alle Mühe der Welt gibt, alles zu tun, um mir zu gefallen.
Und ich erwarte diese Antwort nicht sofort. Auch das sollte jeder von uns akzeptieren. Wenn es Zeit erfordert, eine Entscheidung zu treffen, dann muss ich das respektieren. Ich muss meinem Gegenüber das Für und Wider abwägen lassen, ohne eine weitere Beeinflussung von mir, ihm oder ihr sich eine Meinung bilden lassen.
Kompromiss ist aber nicht, sich unendlich auf diese eine Entscheidung des Anderen zu verlassen. Kompromiss wiederum ist auch nicht, sich noch „ein wenig“ zu gedulden.
Es gilt auch hier, klare Grenzen zu setzen, einen Termin, eine angemessene Frist und nach Fristablauf Konsequenzen zu ziehen. Manchmal schmerzhaft, oft aber befreiend. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!

Dies ist Teil 3 von 13 aus der Serie Kommunikation

Kommunikation Ⅱ

4. August 2007

Wer redet muss auch zuhören. Und wer hört muss sich in blitzschneller Eile Gedanken über das Gesagte des Anderen machen und in Bruchteilen von Sekunden Entscheidungen treffen.
Der Irrsinn, der Kommunikation wird uns erst bewusst, wenn wir wissen, dass es vier Ebenen gibt, die unser Gehirn gleichzeitig verarbeiten muss. Bei jedem Wort, jedem Satz oder gar jeder Geste meines Gegenübers.
Dabei spielen Herz und Verstand zusammen. Mit dem Verstand oder besser noch der Vernunft verarbeite ich die reine Sachinformation, wäge ab, treffe ein Urteil. Vernunft hilft mir, setzt das ganze in einen logischen und sinnvollen, für mich nachvollziehbaren Zusammenhang.
Das Herz steht für die Emotion, die Beziehungsebene, das Gefühl, das ich habe, wenn ich angesprochen werde, wie ich es verarbeite und wie ich darauf reagiere.
Zu einer guten Kommunikation gehört eine gute empathische Kompetenz. Wenn alle Faktoren miteinander verknüpft sind, dann steht einer guten Kommunikation nichts mehr im Wege.

Die vier Ebenen der Kommunikation:

Beispiel: Ein Pärchen sitzt in einem Auto. Sie fährt. Er sagt: „Die Ampel ist rot.“

  1. Die Sachinformation. Er informiert. Er gibt lediglich bekannt, dass die Ampel wirklich rot ist. Und sie bekommt lediglich diese Information.
  2. Die Selbstkundgabe, die Ich-Botschaft. Er möchte sie darauf hinweisen, dass die Ampel rot ist. Persönliche Erfahrungen, Ängste sind hier der Kern. Er will nicht bei rot über die Ampel fahren, vielleicht, weil er selbst einmal bei Rot über die Ampel fuhr und „erwischt“ wurde.
  3. Die Beziehungsseite. Sie fährt. Ich bin ihr ausgeliefert oder ich habe Sorge, dass ihr etwas passiert. Ich muss mich einmischen. Ich sage ihr, dass die Ampel rot ist, damit sie erkennt, dass ich teilhabe.
  4. Apellseite. Halte an! Er möchte Einfluss nehmen, sie erinnern, entscheiden. Er gibt ihr eine Handlungsanweisung.

Und in wenigen Sekunden muss die angesprochene Frau reagieren. Nicht nur im Verkehr, auch auf die Worte. Fühlt sie sich persönlich angegriffen, verletzt oder dankt sie ihm für den Hinweis. Nimmt sie es zur Kenntnis oder echauffiert sie sich über seine ständigen Einmischungen? Ist es gerechtfertigte Kritik oder ein unbedachter Satz von ihm? Herz und Verstand, Emotion und Vernunft und das bei nur einem Satz.
In einem Gespräch wiederholt sich das viele Hundert Male und jeder Satz, jede Aktion erfordert eine Reaktion.

Eine gute Internetseite, die das nochmal gut erklärt, ist diese hier.

Dies ist Teil 4 von 13 aus der Serie Kommunikation

Kommunikation Ⅲ

6. August 2007

Am Wochenende ergab es sich, dass Thomas, meine Freundin und ich einen lauen Sommerabend im Garten verbringen durften. Aus einer simplen Unterhaltung entwickelte sich eine rege Diskussion, als wir auf das Thema Meditation kamen. Thomas und Marcella kamen auf keinen grünen Zweig und er hielt ihr vor, geistig Unbeweglich zu sein und so die Meditation zu einer lahmen Entspannungsübung zu degradieren. Auf diesen Satz hin war sie verletzt, fiel ihm ins Wort und er wurde cholerisch. Er fiel ihr wiederum ins Wort, wurde lauter und beide brüllten sich nur noch an. Ich saß inmitten der ganzen Situation, war nur der Beobachter und wusste lange nicht, ob ich meine Freundin vor seinen Angriffen schützen oder ihn unterstützen sollte, weil ich fand, dass er ja dem Grunde nach Recht hatte.
Als Thomas nicht aufhörte zu brüllen, immer aggressiver, polemischer und letztlich beleidigend wurde, tat sie intuitiv das einzig Richtige: Sie stand auf und verließ das Gespräch. In genau dieser Sekunde, als sie das tat, verwandelte sich auch Thomas schon. Er unterbrach seinen Satz, atmete tief ein und entschuldigte sich. Sie hörte es nicht mehr, war in die Laube verschwunden und er wandte sich an mich: „Da bin ich wohl über das Ziel hinaus geschossen.“
„Ja!“, sagte ich, „das bist Du und dafür ist wohl mehr als eine Entschuldigung fällig.“

Um es vorweg zu nehmen: Er entschuldigte sich und es wurde ein wunderbar harmonischer Abend.

Was war passiert, wunderten wir uns und Thomas erklärte sich. Er übte einfach Kritik aus. Und Marcella nahm das als persönlichen Angriff, als Vorwurf an ihrer Person. Und wenn ich angegriffen werde, verteidige ich mich oder lasse es mit mir geschehen. Aber wie gesagt, Thomas hatte nicht vor, sie zu verletzen. Er ist ihr ein Freund! Thomas gab ihr ein Feedback. Wie er sie sieht, was er empfindet, wenn er sie charakterisiert.
Und oft ist es so, dass wir uns ganz anders sehen als andere. Ein Feedback ist ein wichtiges, wunderbares Instrument, um uns selbst besser kennen zu lernen. Wir bekommen eine Rückmeldung, wir können dabei entscheiden, was wir davon gebrauchen können. Wir bekommen Informationen.
Und Informationen sind Macht. Denn nichts anderes machen z.B. Suchmaschinen wie Google. Sie sammeln Informationen und sind damit ein enormes Wirtschaftsunternehmen. Bei einem Feedback bekommen wir noch weitere Informationen. Wir lernen auch unseren Gegenüber kennen. Denn mit jedem Feedback gibt er auch etwas von sich preis.
Psychologen nennen das „spiegeln“: Wenn wir jemanden kritisieren, weil er z.B. langweilig, verträumt, geizig, geistig unbeweglich, stur oder was auch immer ist, dann sollten wir uns unserer Gefühle zu diesem Thema einmal selbst bewusst werden. Ich spiegle sozusagen das Gefühl der Langeweile auf meine eigene Person.
Bin ich nicht selber langweilig, habe ich nicht selbst meine Probleme, mich zu beschäftigen?
Oder Sturheit. Bin ich nicht auch einer, der bis zuletzt auf seine Meinung beharrt, einer, der nicht aufgibt, seine Interessen bis zuletzt durchzusetzen?
Meine gute Freundin Jacqueline sagte witzigerweise ein paar Stunden zuvor im Garten: „Beschäftige Dich mal lieber mit Deinem eigenen Hirn!“. Wie recht sie doch hatte.
Wenn wir die Fähigkeit erlangen, Kritik nicht als persönlichen Angriff sondern eben als eine Reflektion meines Gegenübers anzusehen, dann lösen sich unheimlich viele Probleme in unserem Leben einfach auf.
Jede Beziehung kann so fruchtbar sein, wenn wir einfach zuhören und hören, was uns gesagt wird. Wir erfahren so unheimlich viel von unserem Gegenüber, der selbst so viel von sich gibt und wir erfahren sehr viel von uns selbst.
Und wenn ich mich schließlich mit meiner Sturheit auseinander gesetzt habe, lerne, mich in manchen Situationen einfach zurück zu nehmen, meine Interessen nicht an die erste Stelle setze, dann bin ich nicht mehr stur. Nennt mich jemand dann stur, denke ich kurz nach und kann das einfach als erledigt für mich betrachten.

Auch die Aggression haben wir besprochen. Was ist das überhaupt? Wann werden wir aggressiv? Meist auch dann, wenn wir eine bestimmte Situation nicht verstehen können. Wenn wir etwas nicht begreifen, anfassen können. Wenn wir unsicher sind und nicht wissen, wie wir auf eine Situation reagieren sollen.
Ein gutes Beispiel hierfür ist der Text meiner Freundin „Nur ein toter Vogel“. Die Kolleginnen reagierten mit Aggressionen. „Ist doch nur eine Wurmschleuder weniger“, sagten sie. Aber wenn ich das alles mal hinterfrage, dann steckt viel mehr dahinter.
Meine Freundin konfrontierte ihre Kollegin mit dem Tod. Ein unangenehmes Gefühl überkommt uns, wenn wir über den Tod nachdenken, weil wir ihn nicht begreifen, verstehen und anfassen können. Er ist abstrakt für uns und er macht uns Angst. Und wir überlagern unsere Unsicherheiten entweder mit Aggressionen, aber auch mit Ignoranz, Arroganz oder mit Lachen.
Jeder geht damit anders um, aber er versteckt seine einfache Unsicherheit halt einfach hinter anderen Gefühlen. Werden wir uns aber unserer Ängste bewusst, dann können wir plötzlich Mitgefühl und Traurigkeit zeigen. Und wenn wir uns wiederum mit diesen beiden Gefühlen beschäftigen, dann sind sie auch keine Ängste mehr. Bearbeiten wir unsere Ängste, dann verlieren wir unsere Unsicherheit oder das Gefühl schwach zu sein. Wenn wir keine Schwäche mehr spüren, dann werden wir mutig und Mut führt letztlich wieder zu Selbstvertrauen. Es ist unglaublich, was sich für eine Kette von vorher verborgenen Emotionen auftut, wenn wir beginnen, einfach auf die Kritik anderer zu hören und nicht in eine Haltung der Selbstverteidigung gehen.
Wir werden offen, neugierig und das Leben wird so spannend.
Wenn wir zwei Menschen treffen, die sich streiten, oder wir es selbst sind, haben wir den Schlüssel, solche Situationen aufzulösen.
Und klappt es nicht gleich, fordere eine Pause von diesem Streit, gehe heraus aus dieser Lage und komme zur Ruhe, verändere die Perspektive, betrachte alles von einem anderen Blickwinkel und löse die vielen kleinen Knoten, die Dich blockieren und Du wirst eine ungeheure Kraft finden, die Dich umgibt und Dich letztlich dazu bringt, Dich mit dieser Klarheit und Transparenz auszudrücken, die es dem anderen erleichtert, Deine Worte zu verstehen und Dich zu begreifen.

Dies ist Teil 5 von 13 aus der Serie Kommunikation

Kommunikation Ⅳ

10. August 2007

Ich hatte heute ein längeres Telefonat mit Jacqueline. Sie war sehr traurig, weil der Vater einer Freundin, die sie seit vielen Jahren nicht gesehen hat – Ulrich Plenzdorf – verstorben ist.
Sie erzählte mir von ihrer Kindheit und weiteren Erlebnissen aus ihrem Leben. Ich merkte, dass ich von den vielen Informationen, die sie preis gab, überfordert war.
Langsam geriet ich in eine Zwickmühle. Wohl wissend, dass sie sich ihre Traurigkeit von der Seele redete, kam ich zu dem Entschluss, den Redeschwall, der sich über mich ergoss, zu unterbrechen. Aber verletzen wollte ich sie nicht.

Ich bemerkte, dass ihre Stärke auch ihre Schwäche, ihre Schwäche auch ihre Stärke ist. Sicherlich kann sie einem einen Knopf an die Backe labern, sich in immer kleineren Geschichten und dabei den Faden verlieren, mit Namen und Gedanken um sich werfen, eben eine wahre Labertasche sein.
Aber sie hat auch eine Stärke: Sie kann spannend und unheimlich detailreich erzählen. Fast wie ein Roman zieht sie einen in ihren Bann. Ich war und bin froh, dass ich mich für letztere Bemerkung entschieden habe: Ich sagte ihr, dass ich sie bewundere für ihre spannende Erzählweise und dass ich es bin, der manchmal einfach ein wenig überfordert ist, der nicht mehr folgen kann, der zwar ihre Geschichten mag, aber sich auch ein schnelleres Ende wünscht. Oder einen Punkt oder wenigstens ein Komma.

Es sind immer diese Sprüche, die scherzhaften, die im Kern Ernst gemeint sind und doch verletzen können. Meine Entscheidung, Jacqueline mit einem an sich spaßig gemeintem Satz wie Du bist ja eine Laberbacke zu verletzen oder sie auf ihre Stärke, der zu detailverliebten Erzählweise hinzuweisen, brachte das gleiche Resultat. Sie fing an zu reflektieren, nachzudenken und sich für eine knappere – „Ich erzähle ja schon die Kurzform“ – Geschichte zu entscheiden.

So erging es mir auch nach dem letzten Artikel „Ein scherzhafter Satz“: War die angesprochene Kollegin vielleicht pingelig, zu detailverliebt, einfach unmotiviert?
Verletztend war der Satz, der ihr entgegen schlug: “Was denn, du bist mit der Arbeit immer noch nicht fertig?” Und viele von uns kommen mit einer harmlosen Kritik, die zunächst verletzend wirkt, aber im Kern schon treffend ist, (noch) nicht klar.
Dem sollten wir uns bewusst sein.
Der Weg zur Liebe, zum Respekt über unsere Kommunikation ist ein gedankenintensiver Weg, der eben auf jede Aktion von uns eine manchmal unerwartete Reaktion folgen lässt.
Bedenken wir auch diese, so können wir uns weit wichtigeren Dingen zuwenden, als uns um provozierte Missverständnisse zu kümmern.
Dafür ist unsere Lebenszeit einfach zu kostbar.

Dies ist Teil 6 von 13 aus der Serie Kommunikation

Kommunikation Ⅴ

15. Juli 2008

Irgendwie kommt immer alles wieder und so werde ich derzeit des öfteren an meine Artikel Kommunikation I, , und erinnert.

Und Kommunikation findet ja bekanntlich nicht nur in mündlicher sondern auch – besonders im Internet-Leben – schriftlicher Form statt.
Was mich in den letzten Wochen hier im Blog genervt hat, waren die zahlreichen Kommentare, die auf mich und Marcella immer verletzender wirkten.

Wie ich es früher schon schrieb, gibt man mit jeder Äußerung etwas von sich preis. Informationen, die für ein fruchtbares Gespräch genutzt werden können, aber oft leider auch gegen einen verwendet werden.
Mein Gegenüber kennt meine Schwäche, weiß, wie und wo meine Traurigkeit, meine Unsicherheit oder mein Problem sitzt.
Tief und fest rammt sich dann eine fiese Bemerkung in mein Gefühlsleben.

Und bei allen Möglichkeiten der Interpretationen, des „Spiegelns“, eine Beleidigung bleibt eine Beleidigung.
Der Ton macht die Musik.

Ich möchte hier nicht analysieren, wann, wer, warum beleidigt, ob aus Unsicherheit, Mitteilungsbedürfnis, Provokation, Minderwertigkeit. Ignoranz, Arroganz, Gedankenlosigkeit.
Eine Beleidigung tut weh, hat etwas mit Machtmissbrauch zu tun und sollte immer vermeidbar sein.
Ich habe im Laufe der Zeit gemerkt, dass ich – sobald ich nur den Hauch eines aggressiven Gefühls in mir verspüre – (zunächst) aus dem Gespräch gehe.
Daher lasse ich jetzt auch Kommentare im Blog unbeantwortet, wenn ich z.B. merke, dass mein Gegenüber es auf Konfrontation zum Zwecke des Streits ankommen lässt.
Ich habe nichts gegen einen Streit. Ein Streit kann wichtig und reinigend wirken.
Es bedarf einer konstruktiven Streitkultur, um sich auf einer angemessenen Ebene miteinander zu unterhalten.

Und genau die Kultur des Streitens zu erlernen, ist ein wichtiges Instrument, mit Respekt und Harmonie, ein friedliches Miteinander zu schaffen, in dem es um Entwicklung geht.
Um die Erweiterung meines eigenen Horizonts. Die Akzeptanz, aber auch das „dulden“ einer anderen Meinung, ohne dem anderen gleich eins in die „Fresse“ zu hauen.

Dies ist Teil 7 von 13 aus der Serie Kommunikation

Ich bin high!

3. September 2008

Ich habe jetzt gute 10 Tage nichts weiter gemacht als US-Serien zu gucken. Battlestar Galactica, Stargate Atlantis, 24, Prison Break und ich merke echt, was das an Substanz kostet.
Und ich meine damit nicht die körperliche sondern die psychische, die geistige und besonders die kreative Kraft.

Ich bin fernab jeglicher Realität, kann mich nicht mehr konzentrieren, bin absolut unlustig, kann mich nicht auf meine Gedanken besinnen, bin total ausgebremst.
Und trotzdem fühle ich mich nicht schlecht. Ich könnte ewig so weitermachen, könnte noch Wochen oder Monate auf der Couch liegen und mich zudröhnen lassen.

Schlimmer noch, ich habe Entzugserscheinungen, wenn ich nicht die lieb gewonnenen Synchronstimmen meiner Seriendarsteller höre oder die Titelmusik vernehme. Ich schlafe schlecht und wenig und wenn ich träume, dann nur noch abhängig von der Serie, ich bin auf der Flucht, bin verfolgt von Außerirdischen oder bin Top-Spion.

Es ist eine Sucht!
Ich erfinde sogar schon Ausreden, warum ich heute nicht kann, dass ich den Termin verschieben oder jetzt schnell weg muss! Oder ich gehe nicht mehr ran ans Telefon! Ist ja auch gerade spannend!

Eigentlich ist in meinen Hirn nur noch ein absoluter Brei, der sich für nichts mehr interessiert, weder das Tagesgeschehen noch eigene persönliche Kontakte.
Ein harmloses Telefonat mit meiner Mutter überfordert mich genauso wie mich länger als 5 Minuten an den PC zu setzen und mich – wie sonst durch die Bloggospähre zu lesen oder gar hier in meinem eigenen Blog einen Artikel zu schreiben oder wenigstens Kommentare zu beantworten.

Wenn ich mir vorstelle, ich mache das „Experiment“ noch 10 weitere Tage, dann habe ich mir die Kommunikation mit der Außenwelt wohl komplett abgewöhnt, alles würde mich belasten, was mich mit meinem eigenen Ich konfrontiert. Ich wäre wie ein Kiffer auf LSD, der kein Zeitgefühl und keinen Lebensrhythmus mehr kennt.

Was hilft?
Vollbremsung!
10 Tage Fernsehentzug! Ohne wenn und Aber!
Ob ich das durchhalte?
Ob ich das will? Oder kann?
Muss ich denn?
Läuft doch grad so gutes in der Glotze!

Dies ist Teil 8 von 13 aus der Serie Kommunikation

Gleichberechtigtes Miteinander

11. September 2008

Im Prinzip scheint der Umgang mit meinen Mitmenschen so einfach. Ich akzeptiere ihre Meinungen genau so, wie ich erwarte, dass meine Meinung zumindest angehört wird.
Auch Kritik ist einfach. Wenn mich etwas stört, dann sage ich es und andersrum muss ich mir gefallen lassen, wenn mir Andere etwas zu sagen haben.
Die Kritik gerät schnell zu etwas sehr persönlichem. Ich bekomme es in den falschen Hals, höre nicht mehr zu, weil ich beleidigt bin und schlage zurück. Zwischen Kritik und Beleidigung liegt ein schmaler Grad.
Ich schrieb darüber vor einiger Zeit in Kommunikation Ⅲ.
Ich weiß, dass ich schön häufig selbst über das Ziel hinaus geschossen bin. Ob aus Wut, aus Überheblichkeit oder aus reiner Unachtsamkeit.

Aber wie sehr ich mich auch zurückhalte, nur bei mir bleibe, gibt es auch Menschen, denen an ernstgemeinter Kritik oder einem Austausch an Gedanken nichts liegt.
Sie betrachten die Welt aus einer zerstörerischen Warte, aus Verbitterung oder einfach aus Überzeugung. Da wird selbst meine eigene persönliche Meinung nicht nur als Angriff gewertet, denn sie könnten mich ja ignorieren, nein, sie schlagen zu aus purer Lust am Gemeinsein.
Sie interessieren sich nicht für mich und mein Denken und sie fühlen sich noch angestachelt, wenn man sich auf sie einlässt.
Hin und wieder gerate ich in solche Situationen und dabei bleibt mir nur ein Weg: So schnell als möglich wieder herauszugehen und zuzusehen, mich weit genug zu entfernen, bevor es endgültig eskaliert.
Schade eigentlich.
Noch Tage danach habe ich einen faden Beigeschmack und denke, dass diese Menschen noch lange ihren Sieg über mich feiern. Weil sie die Oberhand behielten und alles kontrollierten.
Wer solch eine Situation kennt, weiß, wie sehr diese am Vertrauen nagt. An meinem eigenen, weil ich mich vor einem erneuten Kontakt fürchte und davor, eine Verletzung davon zu tragen, gar Menschenscheu zu werden.

Ich kenne da sonst keine Lösung und ich werde, weil es vielleicht wieder genau solch einen jemand anspricht, nicht über sein Verhalten und seine Beweggründe spekulieren.
Jeder lebt nach seiner Weise. Mein Weg bleibt die offene und vertrauensvolle Kommunikation mit gegenseitigem Respekt und ich liebe es, wenn mich mein gegenüber kritisiert, weil ich ein Feedback bekomme und mich besser einzuschätzen lerne.
Und ich entschuldige mich, wenn ich verletze.
Es tut mir vom Herzen weh, wenn ich dafür verantwortlich bin, dass jemand das Vertrauen in mich und seine Umwelt verloren hat.

Dies ist Teil 9 von 13 aus der Serie Kommunikation

Der Schnellschiesser

9. Januar 2009

Ich bin ja auch so ein Mensch, der sich schnell "künstlich" aufregt.
Klar sehe ich ein Problem oder einen Menschen, der ein Problem hat und automatisch mische ich mich ein.

Natürlich folgen Konflikte, natürlich knallt es immer wieder, wenn ich eine “fremde" Personen analysiere, wenn ich mich in Familienbelange, Erziehung oder andere Wahrnehmungen einbeziehe.
Natürlich kann das nicht gut gehen aber ganz natürlich mache ich trotzdem weiter.

Bin ich da verpeilt? Weil ich doch immer nur das Beste will? Für Gerechtigkeit und Harmonie kämpfe?
Plötzlich dreht sich alles um mich und ich bin der Buhmann. Ich blick doch da gar nicht durch, was mach ich überhaupt. Was wollte ich eigentlich?

Wow! Was für eine Breitseite. Und natürlich verstehe ich sie.
Aber für mich ist es immer wieder ein schmaler Grad, ob ich meine Meinung sage oder eben nicht.
Jeder mag Kritik, so lange sie ihn nicht persönlich trifft. Und andere zu kritisieren ist wesentlich einfacher, als sich selbst zu hinterfragen.
Dazu habe ich schon genug geschrieben.
Aber wie verhalte ich mich nun, wenn ich klare Konflikte erkenne und meine Meinung sagen will?

Für mich ist das ganz klar. Wenn es mich juckt und wurmt, dann lasse ich es raus. Ganz einfach. Ich weiß, dass ich womöglich etwas auf die Mütze bekomme, aber dann ist das völlig okay für mich.
Was ich bei einem Streit aber niemals vergessen darf, ist, dass es nicht um mich persönlich geht.
Der Konflikt steht im Mittelpunkt. Ist der gelöst, bin ich frei.
Ich bin nicht das Universum, um das sich alles dreht. Gebe ich Hinweise und Ratschläge und Gedanken in die Runde, bleibe ich auch in der Runde!
Der Brocken, das Fleisch, der Gedanke, die Idee und der Tipp, alles liegt in der Mitte und soll objektiv betrachtet werden.

Schön wärs, aber vielleicht klappt das ja irgendwann.
Wenn eben keiner mehr einen Streit zu persönlich nimmt!

Dies ist Teil 10 von 13 aus der Serie Kommunikation

Nächste Einträge »

SetTextSize SetPageWidth