Archiv für das Tag 'Arbeit'

Ich sehe was, was Du nicht siehst!

8. Mai 2009

So, bin grad angekommen. Muss ich unbedingt mal mitteilen!
Wieso?
Na, weil ich das niemandem unterwegs erzählen konnte. Ich konnte auch keinem erzählen, dass ich bei Aldi an der Kasse stand. Und auch niemanden konnte ich um die 3 Minuten Wartezeit bitten, bis mein Bus vor seiner Haustür hielt!

Ich gebe es zu, ich bin einsam! Denn ich habe kein Handy.
Die, die sich ihrem Gerät gerade mal sekundenbruchteilhaft nicht widmen, wenn ich in den öffentlichen Nahverkehr einsteige, mustern mich vorwurfsvoll, wo ich denn mein mobiles Kommunikationsgerät versteckt habe. Vielleicht ein Businessman, der mit Bluetooth-Headset am Ohr redet? Nein, ich zücke nichts und schweige! Ich blicke nur zurück und versuche, dem Anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Stattdessen senkt er mit leichten rechts-links Bewegungen den Kopf zurück auf sein Display. Vergessen bin ich, verloren in Bahn und Bus.
Ich schaue nach rechts und bewundere die Fingerfertigkeit des jungen Mädels, wie sie mit grazilen Bewegungen den Ziffernblock ihres Handys bearbeitet. Vor mir in der nächsten Reihe sitzt ein Mann, der meine gesamte Fahrstrecke telefoniert. Ich sehe, wie sich seine Lippen bewegen. Aber ich höre keinen Ton von ihm. Ein Brabbler, denke ich, ich klassifiziere ihn so, weil er sich so wohltuend von denen abhebt, die sich so laut unterhalten, dass es aber auch jeder mitbekommt. „Informationen, die die Welt nicht braucht“, denke ich oft bei mir, aber ich bekomme neuen Input. „Ja, ich sitze eine Reihe vor Dir, schreib mir mal eine SMS, wann Du aussteigst!“. Ja, genau. Das ist Kommunikation auf höchstem Niveau.
Dann kommt er, der klassische Rapper, der Magier, wie ich ihn nenne. Er kommt, fletzt sich mit seiner Arsch-in-Kniekehle-Jeans auf die Viererbank und der Spacko belegt damit auch wirklich alle Plätze, dann greift er sich in seine Hemdstasche, holt das Handy heraus, tippt kurz ein, steigt die nächste Station aus und lässt dabei sanft das Handy in die hintere Tasche seiner Hose gleiten. Beim nächsten Mal ist das Handy aber wieder oben im Hemd. Wow, was für ein Trick! Echte Bewunderung macht sich in mir breit.
Ich bin endlich auf der Straße. Vorbei an einem Café, wo Leute in der Sonne sitzen. Früher war es so: Die Frau entspannt im Stuhl, den Kopf nach oben gerichtet, um sich die Winterblässe aus dem Gesicht zu treiben. Der Kerl mit weit ausgebreiteter Tageszeitung vor ihr sitzend. Heute leben sie immer noch getrennt voneinander, denn jeder tippt für sich auf seiner Tastatur herum.

Ich fühle mich nicht einsam, ich lächle und genieße und ich sehe Leute, die mit angestrengtem Blick auf ein Miniatur-Display in die große weite Welt blicken wollen. Sie brabbeln, brüllen oder tippen, haben Flatrate und sind stolz drauf. Mir erscheint es surreal.

Ich blicke auf meinen Schreibtisch und sehe es liegen. Mein Nokia 3650! Der 2-Jahres-Vertrag ist bereits seit Ewigkeiten ausgelaufen. Vorwurfsvoll schaut es mich an. "Kauf mir eine SIM-Karte, nimm mich", fleht es mich an, aber ich widerstehe und bin glücklich!

Bitterer Lorbeer

29. April 2009

oder das Glück anderer?

Ich war 20 Jahre im öffentlichen Dienst beschäftigt. Es gab Zeiten, da war ich tatsächlich fleißig und gab alles. Ich war beim Arbeitsamt beschäftigt. Meine „soziale Ader“ ließ mich mich damals dort bewerben und ich machte meine Ausbildung und danach noch ein Studium zum diplomierten Verwaltungswirt.
Was ich nachfolgend schreiben möchte, ist nicht auf dieses Berufsfeld bezogen. Es passiert immer und überall, aber ich werde eine Situation herauspicken, die beispielhaft dafür dienen soll, was ich meine:

Es gab eine Leistungsakte einer recht gut beschäftigten, aber nicht bekannten Schauspielerin, auch Synchronsprecherin. Sie erhielt Leistungen zu Unrecht, war mal arbeitslos, dann wieder engagiert. Es wurde zu viel Geld gezahlt, die Leistung wurde eingestellt. Aber kein Beschäftigter wollte die Rückforderung bearbeiten. So blieb die Akte liegen. 1 Jahr, 2 Jahre, 3 Jahre. Die gute Frau beschwerte sich, klar, sie hatte Geld zuviel bekommen, aber sie hatte neue Ansprüche, sehr viele. Es ging ihr kaum um das Geld, es ging um Anmeldungen beim Rententräger und der Krankenversicherung. Ich nahm mich der Sache an und bearbeitete die Akte. Ich fragte meinen Chef, ob ich mich mit dieser Akte zurückziehen durfte. Ich arbeitete die Rückforderung und die Ansprüche der Frau auf, eine Woche, ich druckte mehrere hundert Leistungsbescheide, Abmeldungen, Anmeldungen usw. Als ich fertig war, nahm sich mein Chef die Akte, lud die Frau zu sich ein und wurde mit Dankbarkeit überschüttet.
Es war mein Werk, ich war stolz auf meine Arbeit. Ich wollte den notwendigen Lob und Respekt und wurde mit keiner Silbe erwähnt. Noch schlimmer. Ich war ein fauler Hund, weil die restliche Arbeit liegen geblieben war!

Nun kenne ich Menschen, die ihr Licht unter den Scheffel stellen, denen es peinlich ist, wenn sie Anerkennung ernten, die andere in den Mittelpunkt für ihr Werk treten lassen und ich frage: Warum?
Warum freuen sie sich nicht, wenn sie gewürdigt, geadelt und gelobt werden? Wenn ihre Arbeit anerkannt wird? Wenn sie anerkannt werden?
Was soll da peinlich sein? Dass Du gute Arbeit leistest?
Sei Stolz und erfreue Dich daran und zeige es!
So motivierst Du langfristig diejenigen, die faul sind und nimmst denen den Wind aus den Segeln, die Deine Arbeit als die ihre verkaufen und nicht umgekehrt, wie es Dir gerne manche Leute eintrichtern wollen!

Broken Links – Fleissarbeit

29. April 2009

Vor kurzem berichtete ich (hier) darüber, dass ich das Plugin Broken Link Checker in den Blog einsetze. Heute morgen habe ich mich endlich hingesetzt und die insgesamt 53 ins Leere gelaufenen Links korrigiert.

Eine echte Fleißarbeit, die mich knapp 1 Stunde kostete, entweder musste ich die Links anpassen, weil sie auf Blogs verwiesen, die nicht mehr existieren, die umgezogen sind oder die einfach ihre Permalink-Struktur verändert haben.
Verweise auf Downloads von Treibern und Programmen habe ich auf die jeweils aktuellste Version angepasst. Auch eigene interne Links musste ich anpassen – aus welchem Grund auch immer und bei einigen Links sah ich keine Notwendigkeit mehr und löschte entweder den ganzen Artikel bzw. die Verlinkung.

Was bleibt sind 8 Links zu Videos, die ich selbst bei Vimeo hochgeladen habe und die freundlicherweise ohne Angabe von Gründen dort gelöscht wurden (siehe meinen früheren Artikel). Einige werde ich ggf. neu erstellen und einige werde ich vielleicht noch irgendwo auf meiner Festplatte bzw. im Internet finden und sie ggf. neu einbinden. Daher behalte ich mir diese Liste noch vor Augen.

Auf jeden Fall bin ich erst mal fertig mit dem Job und freue mich, dass die Besucher der Artikel hoffentlich keine fehlerhaften Links mehr zu Gesicht bekommen.

So what?

4. Dezember 2008

Vor etwa 3 Wochen erreichte mich ein Anruf.
Ein Mann stellte sich vor, ein Macher, ein Bringer und er machte mir ein Stellenangebot, das ich einfach nicht ablehnen wollte.
So suggeriert, fast benommen, taumelte ich vor Glückseligkeit und zählte bereits innerlich die Millionen, die ich virtuell verdient hatte.

Okay, 600 € müsse ich investieren, um die ultimativen Wellness-Produkte der Firma anpreisen zu können, die im November in Darmstadt einen kompletten Relaunch erfuhr und um dann auf dem europäischen Markt komplett durch zu starten. Mann – nicht über – Mann an Bord. Ich, der Auserkorene, der Ultimative! Was für ein Glück!

„Ich hab keine 600 Euro“, sagte ich, aber der Mann ließ nicht locker. „Sparen, ackern, tun, leihen, es wird Ihre letzte Chance sein, jemals so schnell wieder Geld durch den Vertrieb, durch Kommission und Provision zu verdienen. Nicht einmal der Franchise bei McDonalds sei so gewinnbringend – und natürlich wäre der Einstieg in die Königsklasse des Unternehmertums bei ihm noch nie so einfach gewesen.

Vor meinigem geistigen Augen rannen mir die verlorenen Millionen durch die Hände, ich sagte zu, wie begeistert ich wäre, wollte unbedingt am kommenden Seminar in Darmstadt teilnehmen, nur die Frage der Finanzierung blieb.
Nach etlichem flehen, wie und was und überhaupt, lotste er mich zunächst auf die hawaiianische Vertriebs-Produktions-Wellness-Firmen-Webseite und letztlich auf seine eigene.
Schluck. Das war mein erstes Wort. Innerlich spürte ich, wie ich Oberhand gewann, gereizt und genervt aber mit einem wissenden Unterton entsprang mir ein krächzendes Lachen.
„Jawoll, jetzt hast Du ihn“, dachte es in mir:
Seine Webseite – notdürftig zusammen gebastelt – für mich sofort erkennbar, dass sie mit einer Raubkopie von Dreamweaver und ohne Kenntnis der Materie in HTML erstellt, ohne Feeling von Ästhetik und Design zusammengeschustert, dazu noch im Tabellen-Format notdürftig zusammengepfrickelt wurde, bot ich natürlich sofort mein Metier an.
Nach etlichem hin und her trennten wir Wellness vom Webdesign, ich schlug ihm vor, für 150 Mücken seine olle Webseite per stabilen divs nachzubauen und übersandte ihm bereits nach wenigen Stunden das erste Ergebnis.
Er war so voller Lob und Zahlungsmoral, dass ich ihm anbot, seine 3 anderen statischen Webseiten ebenfalls noch zu überarbeiten.
Als ich ihm den ersten Entwurf per Mail zusandte, bedankte er sich überschwenglich und seither habe ich nie wieder etwas von ihm gehört.

Er hatte wohl kein Bock, in eine sichere Sache, die sein Leben verändern würde, zu investieren. Eine gute Webseite ist ein Aushängeschild für einen angehenden erfolgreichen Unternehmer. Vielleicht mangelte es ihm an den finanziellen Möglichkeiten, an der notwendigen Seriösität oder einfach am Interesse.
Schade, die von mir angesprochene Win-Win-Situation, in der beide Seiten hätten voneinander profitieren können, wurde mal wieder nicht genutzt.

Vielleicht beim nächsten Mal, weil gestern bekam ich einen neuen Anruf. Jetzt wollen sie, dass ich nicht einfach als Fahrer bestellte Lebensmittel und Getränke ausliefere, nein, man wird dort „Ein Eismann“, so nennt sich die Firma und so überträgt sie einem auch gleich ihre Firmenphilosophie. Das finde ich gut und deshalb renne ich auch zum kostenlosen Info-Termin am 09.12. – und sei es nur, um Kontakte zu knüpfen.

Was ist meine Berufung? Ⅳ

17. November 2008

1989⁄1990 wurden im Zuge der Wiedervereinigung in den damaligen neuen Bundesländern neue Arbeitsämter aus dem Boden gestampft. Dabei herrschte ein Mangel an Fachkräften für den gehobenen Dienst. Es wurden Kurzmaßnahmen eingerichtet. In 9 Monaten wurden die Mitarbeiter des mittleren Dienstes geschult und befördert. Ich bewarb mich – und wurde mit der Begründung abgelehnt, ich wäre zu intelligent, um meine Ressourcen in solch einer Maßnahme zu verschwenden.
So begann ich ein 3jähriges Fernstudium. Neben der Arbeitszeit studierte ich oder fuhr auf Lehrgänge nach Münster. In der Zwischenzeit wurde jeder, der nur halbwegs geeignet erschien, befördert und als mein Studium endete, war der gesamte gehobene Dienst über Jahre verbaut. Ich durfte mich zwar fortan Diplom-Verwaltungswirt nennen, aber blieb im mittleren Dienst.
Kurz vor Ende der Ausbildung zerbrach zusätzlich noch meine Ehe und so fiel ich in ein schwarzes Loch. Ich wurde schwerst depressiv.
Ich begann mich einzuschließen, bekam Angstzustände. Lediglich meiner Mutter gelang es, mich etwa alle 2 Wochen zum Einkaufen oder zur Verlängerung meiner Krankschreibung aus dem Haus zu holen.
Und doch war ich zu Hause fleißig. Ich saß am Computer. Was zwei Jahre zuvor auf einem Amiga 500 begann, wurde in diesen 10 Monaten meiner Depression ein riesiges Projekt auf einem Amiga 3000 mit mehreren Festplatten, CD-Laufwerken und Monitoren. Ich hatte eine Mailbox, auf der sich zuletzt 700 User einloggten; etwa 15 Netze (Fidonet, Usenet, Aminet und diverse kleinere Netze) wurden von mehr als 50 Points auf insgesamt 10 analogen und 3 ISDN-Leitungen abgeholt und weiterverbreitet. Finanziert wurde alles lediglich durch private Spenden.
In dieser Zeit hatte ich eine Berufung: Ich verliebte mich in die Arbeit am Computer. Baute mir ein gepflegtes Halbwissen aus Programmierung, Netzwerktechnik und Design auf. Gleichzeitig konnte ich meinem Wunsch, anderen zu helfen, ihnen Gutes zu tun, nachgehen.
Aber ich blieb dabei komplett auf der Strecke.

Dies ist Teil 4 von 7 aus der Serie Was ist meine Berufung?

Ja ist denn schon…

20. Oktober 2008

…Weihnachten?

Samsung NV15Na für mich schon. Gestern sagte mir Marcella, dass sie sich wieder kreativ beschäftigen will. Ich kann sie da nur unterstützen und freue mich darüber.
Was sie da so macht, mit Stoffen, Farben, Formen, applizieren, wie sie es nennt, ist ihre Sache und vielleicht erklärt sie es einfach mal selbst.

Wie dem auch sei, habe ich mir mal flott eine neue Digi-Kamera bestellt, um das festzuhalten, was sie erschafft.

Ich hab zwar eine von Pentax, aber die ist wahrlich eine olle Zicke. Nach mehreren Umtauschaktionen macht sie einfach nicht mit. Ist ein guter MP3-Player drin, daher bekommt meine Tochter sie bald als Geschenk. Soll sie sich doch damit rumärgern. Papa hat ja was Neues. Ätsch!

Was mich jetzt zur Samsung bewogen hat, kann ich nicht sagen. Sie hat einfach bei Amazon gute Rezensionen bekommen und dann hab ich mich einfach entschieden. 153 Euro, die mal locker vom Konto weggebucht werden. Hach, shoppen macht son Spaß! :-)

Der soziale Aufstieg

17. Juli 2008

Wenn ich mir Artikel wie diesen hier (bitte anklicken, ist wirklich lesenswert, weil ich mich und vielleicht viele andere auch wieder finde) durchlese, dann erschrecke ich immer, dass ich zwanzig Jahre „gedient“ habe.
Nämlich in der sogenannten „Arbeitsverwaltung„, in der alles verwaltet wird, nur nicht Arbeit.
Als ich dort 1983 anfing, war noch ein Rest des (ver)Kohlschen Aufschwungs zu spüren. Nämlich die Suggestion, dass das Land „Deutsch“ eine immer währende tausendjährige Industrienation, die nicht nur ewiger Fußball‑ sondern auch Exportweltmeister ist, (und) bleibt.
Mein eigenes persönliches Kalkül, dort Karriere mit meiner verträumten Hoffnung, Menschen jenseits des „bright side of life“ nahezu selbstlos helfen zu dürfen, machen zu können, wurde nur noch durch das rentensichere Kalkül der Staatsverschuldung übertroffen.

Nach meiner Ausbildung starb meine Ideologie in der Maschinerie.
Obwohl in der Bundesanstalt für Arbeit (BA) angestellt, bearbeitete ich unverständlicherweise Aktenberge von Bittstellern von Kindergeld. Monatlich sah ich die Statistiken von Alg-Empfängern und hörte die Prognosen von Wirtschaftsweisen und wechselnden BA-Präsidenten.
Ich war während und kurz nach meiner Ausbildung so euphorisiert, dass ich mich gewerkschaftlich engagierte. Wurde Vorsitzender der örtlichen Jugendvertretung (JV) des Arbeitsamtes Ⅲ (ganz frech nach der Wende in Arbeitsamt Berlin West umbenannt), Vorsitzender der Bezirks-JV (für 7 Arbeitsämter in Gesamt-Berlin) und natürlich der Haupt-JV für Deutschland. Ich war so motiviert, dass ich Pamphlete entwickelte, um den Auszubildenden nicht nur eine höhere Vergütung zu erkämpfen. Nein, ich wollte Kondomautomaten, Uni-Sex-Toiletten und Übernahmegarantien.

8-Stunden-Tage, viel zu kurz, frustrierte Kollegen, nebenbei das Bundesverfassungsgericht, das den Kinderfreibetrag einführte. Eine herrliche Welt.
Als ich zu alt war für die Jung-Vertretung war mein Ruf ruiniert. Und die Wende fast vollzogen. Hatte doch bei allem Kampf für das Gute meine eigene Perspektive verloren.

Fing flott an zu studieren. Fernstudium. Weg 5. Endziel. Diplom-Verwaltungswirt. 3 Jahre. In der Zwischenzeit, 1989 bis 1992, wurden alle von mir vertretenen Jung-Spunde mit Flott-Maßnahmen zu Vorgesetzten. Denen, die zu wichtig waren, um ihnen wegen dummer Stasi-Vergehen eine Chance zu verwehren, wurde unter der Prämisse fortan als Kollegenanschwärzer zu arbeiten, eine Beschäftigung auf Lebenszeit ermöglicht.
Als ich mein Studium, dass mich nicht nur viel Kraft sondern auch meine Ehe kostete, beendete, war alles dicht. Ich blieb da, wo ich vorher war. Ein Akademiker im mittleren Dienst.
Derer gab es plötzlich viele. Ob das 2. Staatsexamen verpasst oder Russland-Deutscher, dessen Ökonomie-Studium nicht akzeptiert wurde. Ich war nicht allein und fand mich nach 6 Ausbildungsjahren in der Behörde, die mein Leben bedeutete, mal wieder als Außenseiter vor.

Aber ich fand meine Bestimmung. Ich wurde depressiv, drogenabhängig und letztlich arbeitslos. Nach kurzem Erhalt von Alg Ⅰ beziehe ich nun seit 2005 Alg Ⅱ.
Ich bin jetzt von Arbeitszwängen befreit, bin ein Schmarotzer, gleichwohl ein Jugendlicher ohne Abschluss, der nie arbeiten werden will als auch der berufserfahrene End-Fünfziger, der sein Erspartes aufgebraucht hat, der möglicherweise noch eine Abfindung „kassierte“ unter der Voraussetzung, dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Last zu fallen, der Rente bekommt, wenn er auf 20 % derselbigen verzichtet, der, wenn er es nicht tut, dafür jetzt 2 Jahre länger, also bis 67 auf sein Halt die Backen‑ Ruhegeld warten muss.
Und nun sitzen wir alle im gleichen Boot.
Wir sind das arbeitsfaule Gesindel, das den Staat sabotiert, die Sozialkassen leer saugt, sich über fleißige, strebsame Arbeitsbienen lustig macht, weil wir alle Sozialhilfe in Florida beziehen oder Bücher schreiben, wie man trotz Hartz Ⅳ am gehobenen Wohlstand partizipiert.

Ich versuche mir ja mein Elend auch schön zu reden. Ich habe frei. Ich bin nicht mehr in den Mühlen der Ellenbogen-Gesellschaft, kann mich mit Glauben, Spiritualität, mit den Menschen an sich beschäftigen, ich muss mich nicht um 22:00 Uhr ins Bett zwingen, weil um 6 : 30 wieder die „Stechuhr beim Stechen lustvoll stöhnt„.
Wieder mal schließt sich der Kreis.
Als ich damals anfing zu arbeiten, wollte ich für meine Mitmenschen da sein. Bekam dafür eine spärliche Ausbildungsvergütung, die weniger war als das, was ich jetzt als Hartz-IVler bekomme und jetzt will ich es doch immer noch.
Nächstenliebe ist halt einfach ein ziemlich beschissen bezahlter Job!

Geborgtes Land

27. Juni 2008

Ich denke oft darüber nach, ob wir als Menschheit nicht zu viel Besitz ergriffen haben.
Denn wir leben auf einem Planeten, der nicht unser ist, weil er bereits existierte, lange bevor wir zu dem wurden, was wir heute sind.
Anders als bei der Frage, was zu erst da war, das Huhn oder das Ei, stellt sich diese Frage also nicht.
Wir leben in einer geborgten Welt, werden geduldet und er“tragen“ und benehmen uns wie Schweine.
Vergebt mir, Schweine dieser Welt, ich meine nicht Euch Tiere persönlich!

Wenn wir denn nun so leben, auf dieser Insel, die wir nicht verlassen können, deren Platz wir uns alle teilen, frage ich mich weiter, wie Besitz dann noch aufgeteilt werden kann und darf.
Wie die Erde, auf der wir gehen und stehen, umzäunt wird und mit Namen plakatiert werden darf, die ihr Recht auf Nutzung und Ausbeutung rechtfertigen.

Ich verstehe nicht, warum sich ein Einzelner oder mittlerweile eine riesige Wirtschaft das Recht nimmt, Öl, Gold und Diamanten aus der Erde zu holen, um Profit und Macht zu steigern und billigend in Kauf nimmt oder vorsätzlich fördert, Menschenleben zu opfern.
Sogar Kriege, Hunger und Leid, Folter, Angst und Elend fördert.
Menschen, die für sie die Drecksarbeit tun, um die Rohstoffe aus unserer Erde zu befördern.

Ich verstehe nicht, wie sich ein nutzloses Zahlungsmittel, wie Geld, einfaches Papier oder Münzen durchsetzen konnte, wie es von jeder Kultur dieser Welt akzeptiert werden (muss), um so viel Ungerechtigkeit über Jahrtausende auf alle Menschen zu bringen.
Ich vergleiche das Tierreich, dort wird nicht mit Geld sondern mit dem Überleben gezahlt.
Ameisen ackern beflissen, gehen auf Nahrungssuche und bringen ihr Futter in den Bau, wo es durchaus gerecht auf die anderen verteilt wird.
Wir sind Menschen und stellen uns auf eine höhere Stufe und begreifen nicht einmal dieses einfache Prinzip?

Forschung, Entwicklung und Innovation nicht zum Zwecke des Profits, sondern für die Allgemeinheit. Geht das nicht?

Und nun spüren wir in beängstigender Weise, wie wir unseren geborgten Planeten ausbeuten, sehen zu, wie er stirbt und alles ist uns entglitten.
Mangels natürlicher Auslese und am Ende der Nahrungskette haben wir keine Feinde mehr außer uns selbst.
Wir haben den Planeten übervölkert und/oder uns unserer eigenen Lebensräume beschnitten.
Wir machten fruchtbares Land zu Wüsten, fällten Wälder und dörrten das Land aus.

Ich verstehe nicht viel von Kapitalismus und Kommunismus. Von Wirtschaft und Kolchosen. Vom Osten und Westen. Von Staats‑ und Volkseigenen Betrieben.
Ich sehe immer den Vorteil, wenn sich alle ins Zeug legen, um eine gute Welt für alle zu schaffen.
Wenn eine Organisation über allem steht, die Entscheidungen zum Wohle aller trifft.
Ich sehe aber auch den Machtmissbrauch!
Sofort werden diese Organisationen tätig, um ihre Kraft und Stärke zu festigen.
Der Vize-Präsident will Präsident werden.
Der Vize-Präsident kriecht in den Arsch oder tötet, um selbst mal Chef zu sein.
Nochmal, wo gibt es das im Tierreich?
Ich meine nicht damit, die Macht zu stärken, wegen der Fortpflanzung!
Es geht um das wohlwollende Führen eines Volkes, der ganzen Menschheit.
Nicht einmal bei den Machtkämpfen der Wölfe geschieht es, um die unterlegenen Wölfe zu knechten.
Es geht um Führung und Respekt.
Profitieren tun dann letztlich alle!

Ich verstehe einfach nicht, dass wir Menschen trotz unserer bewussten und intelligenten Art, die wir uns über alle restlichen Lebewesen dieser Erde stellen, es nicht auf die Reihe bekommen, uns alles zu teilen und zu gönnen.
Neid, Gewalt und Geld abschaffen.
Nächstenliebe, Friede und einen immensen Respekt vor dem geborgten Land, ist das so schwer?

CMS Ⅰ

13. Juni 2008

Manchmal muss man sich einfach mal dem Druck des derzeitigen Internet-Wahns entziehen, ihn aus der neutralen Sicht, zum Beispiel aus der meiner völlig desinteressierten Mutter betrachten, um zu erkennen, dass jeder Webauftritt einer jeden einzelnen Person grundsätzlich für Null-Komma-Nix ist.

Ich bestelle eine Domain, „mein-name“, „meine-stadt“, „mein-hobby.de, –.org usw und denke, ich bin der Schärfste.

Und ich weiß ja, wovon ich rede. Ich hatte noch zu Zeiten, wo es kein Internet gab, eine Mailbox am Laufen, war darauf erpicht, dass und ob unbekannte Menschen meine Rufnummer wählten, um sich auf meinen zu Hause laufenden Computer einzuloggen.
Lang, lang ist’s her.

Was will ich denn nun mit meiner Domain, mit dem, was ich da registriert habe?
Will ich meine Fotos zeigen? Meine Texte, mein Selbst veröffentlichen?
Will ich ein Forum?
Will ich Gleichgesinnte?
Will ich Geld verdienen?

Ich wage die Behauptung, dass 70 % aller Domains einfach nur BlaBla-Domains sind, ohne jegliches kommerzielles Interesse.
Persönliche Homepages, Persönliche Fotos, kein Web 2.0 und kein Shop, kein CMS, Typo3, Joomla, Mambo, WordPress, Wiki oder sonstiges.
28 % der restlichen Domains stellen das Internet auf den Kopf, sie linken, spammen und denken, Geld mit simpler Werbung zu verdienen!
Sex, Linkdomains, Sammlungen von Nichts, nichts, welches dem Anwender einfach nichts bringt.

Seit einigen Tagen bin ich damit beschäftigt, einer aufstrebenden, durchaus kommerziell ausgerichtetenden Band eine Webseite einzurichten.
Viel Glück, solch eine Band überhaupt kennen zu lernen, noch mehr Glück, wenn diese Band dann wirklich – verdient – Erfolg hat.

Ich freue mich, dass mir das Vertrauen geschenkt wird. So wir mir in diesem Blog Vertrauen geschenkt wird.

Ich bin kein guter Programmierer, ich bin kein guter Designer. Von Allem etwas, gepflegtes Halbwissen und doch bin ich immer bemüht, mich weiter zu entwickeln.

Unser Blog läuft auf WordPress, die kommende Version wird Version 2.6 sein und ich habe viel profitiert von einer anonymen Gemeinschaft, bin jetzt in der Lage, diesen Blog am Laufen zu halten, eigene Designs zu entwickeln, kleinere Programmierarbeiten zu erledigen und denke mir, dass es Zeit wird, etwas zurückzugeben.

Warum sollte ich meine Erkenntnisse zurückhalten und nicht meine Erfahrungen und Entwicklungen mit anderen teilen?
Das ist doch der Spaß am Internet, die Freude am Teilen, partizipieren, sich gegenseitig zu befruchten.
Erkenntnisse zu teilen ohne sich wirtschaftlich an den Ideen anderer zu bereichern.
Letztlich bedeutet es persönliches Glück.
Gemeinsam erlebtes, unwirtschaftlich gedachtes und letztlich in der Gemeinschaft erlebtes Glück.

Ich werde meine (Er‑)Kenntnisse zu CMS, CSS, WordPress und Typo3 nicht länger zurückhalten und meine Ergüsse auch hier in diesen Blog niederschreiben, um mich auszutauschen, zu bereichern und an Erfahrungen zu gewinnen.

Das Nichts

15. Mai 2008

Wie einfach es doch ist, einen Menschen aus dem Gedächtnis zu streichen. Ihn nicht zu verdrängen, sondern ihn einfach zu vergessen. Und das noch zu seinen Lebzeiten.
Obgleich wir ihm unser Leben verdanken oder es ihm vorwerfen, uns in die Welt geboren zu haben. Aus Pflicht, Ehre oder Stolz, aus kindlicher Naivität, aus der Unwissenheit heraus, dass wir nicht müssen, wenn wir nicht wollen, so lieben wir diesen Menschen.
Mit blindem Vertrauen hängen wir an seinen Lippen, übernehmen seine Mimik, Gestik, seine Gedanken, sein Wesen.
Wir werden geprägt und gebeugt. Gerügt und gelobt. Gestreichelt und Getreten.

Am Montag verließ ich den Garten meiner Mutter. Dort hatte ich zuvor von den letzten 10 7 Tage im Garten verbracht. Hautnah mit meiner Mutter.
Mit voller Wucht trafen zwei Welten aufeinander.
Denn ich bin nur noch in den Augen meiner Mutter das Kleinkind, dass sich dort auf ihre runde Gartenbank, vor den simplen Klapptisch setzt und sich all ihrer nutzlosen, verworrenen Gedanken, ihren feinen Stichen gegen alles und jeden – nur nicht gegen sich selbst – aussetzt, ihre fiesen Gemeinheiten, ihre polemische Sicht auf die Lage der Nation unweigerlich hinnimmt und sich Manipulieren lässt, bei jeder Lästerei gegen Lebensgefährten, Freunde und Familie klatschend in die Höhe springt.
So ist ihre fiese, kleine Welt, alles und jeden mit bösen Worten zu malträtieren und sich selbst auf ein hohes Ross zu setzen.
Längst meint sie, ein Alter erreicht zu haben, in dem man sie nicht mehr kritisieren darf, wo ihre Meinung gleichbedeutend mit einem Gesetz scheint.
Attacke auf Attacke. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Und so sass ich da, gepeinigt von ihren Worten, frustriert, mich weder wehren zu können noch zu dürfen.
Bis mir halt der Kragen platzte. Und so sitze ich hier nun, seit Tagen, seit Montag, frustriert, gebremst.
Kein Frust, kein wie sonst gewohnt bohrender Weltschmerz, keine Depression, einfach die Lust, dieses tratschende un‑ und selbstgerechte Weib nicht mehr kennen zu wollen.

Meine eigene Mutter. Wie krass.
Diese Frau, die mich durch so viele Höhen und Tiefen begleitet hat.
Sie hat mich nicht enttäuscht. Denn sie ist so wie sie ist.
Vielleicht nicht ganz, weil auch sie wieder viel zu gern Alkohol zu sich nimmt und bekanntermaßen hat dieser eine Wirkung, Hemmschwellen herabzusetzen und ein alkoholisierter Mensch ist gegenüber nüchternen Menschen in der Wahrnehmung und Empfindung völlig anders.
Ich trinke auch, aber ich wage es seit Jahren nicht mehr, in Gegenwart meiner Mutter zu trinken.
Sie tut es (wieder). Sie hatte einen Kollaps, wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Hatte dem Suff abgeschworen und wurde ein feinfühliger, sensibler Mensch. Die letzten Monate steigerte sie ihren Konsum über die lockere Flasche Rosé bis jetzt zur heutigen putzigen mindestens halben Flasche Mümmelmann (Kräuterlikör von Aldi).
Sie merkt den Unterschied nicht.
Der Kiffer und Drogensüchtige merkt seine Veränderung auch eher selten, besonders in der Zeit, in der er sich selbst noch betrügt.
„Ist ja alles halb so schlimm“, „ich habe doch alles im Griff“, „übertreib mal nicht“, „das kleine Schnäpschen schadet doch nicht.“
Und doch ist es der Suff, besonders der, den jetzt meine Mutter sogar heimlich (wenn sie meint, unbeobachtet zu sein, sich mal zwischendurch einpfeift, und wenn sie erwischt wird, mit einem lustigen Spruch abtut).
Und genau dieser Suff hat wieder ihre Persönlichkeit im Griff, sie verletzt und tut weh. Sie tat mir weh und ich will das nicht mehr.
Meine Freundin kann ein Lied davon singen, wie sensibel ich reagiere, wenn mir weh getan wird.
Und ich will das auch nicht mehr.
Ich meine die rein verletzenden Worte, diese Art der Respektlosigkeit über andere Menschen, sogar seine engsten Freunde, Lebensgefährten und Familie zu reden. Sogar egal, ob sie anwesend sind oder nicht. Jeder Spruch, den ich mir einfange von Menschen, denen ich vertraue, ist ein brutaler Messerstich, eine schwere Verletzung. Ich schrieb hier im Blog oft genug über dieses Thema.

Wenn ich mich jetzt zurückziehe und meine Wunden lecke, die mir meine eigene Mutter zufügte, dann mach ich das mit voller Absicht.
Ich habe gelernt, mich selbst zu reflektieren, zu erkennen, wie nah ich an dem bin, was mich da verzweifeln lässt.
Wie sehr ich selbst bin, wie das, was ich bei meiner Mutter nicht leiden kann.
Ich bin selbst sehr, sehr locker mit meinen Sprüchen, kann nach wie vor sehr verletztend sein und merke oft genug, dass ich übers Ziel hinausschoss. Ziehe mich dann lieber zurück oder trete sogar noch nach, um der Freundschaft den Todesstoss zu geben, damit der feinfühlige Gegenüber von mir nicht wieder von mir verletzt werden kann.
Ich habe echt schwere Ängste genau so zu werden, wie meine Mutter und doch bin ich auf dem besten Wege dahin.
Auch ich trinke gerne einen über den Durst, auch ich verletze und die sogenannte selbstgerechte Gerechtigkeit, dem Spruch „das ist aber unfair“, kann ich mir selbst nicht abgewöhnen.

Abkapseln von der dominanten Mutter, wie soll das gehen?
Ich bin 42 Jahre, habe jetzt Familie, sitze in meinem eigenen Schlamassel und lasse mich von wem auch immer bevormunden?
Muss das sein?
In meinem individuellem Falle schon?
Nur, weil ich mir selbst nicht mehr traue?
Vor meiner Selbst Angst habe?
Ich ein Junkie und Drogenabhängiger bin?
Fresssucht und Todessehnsucht mein Leben prägen?
Ich bin 42 Jahre, ich habe jetzt Familie und will es mal wieder probieren.
Auf die Schnauze fallen habe ich gelernt, auch aufzustehen, meine Existenz, Frau und Kind zu verlieren, alles kenne ich, warum nicht noch einmal?
Wenn ich das Risiko scheue, dann scheue ich mein Leben. Ich will das nicht mehr!

Ich will nicht mehr vergessen, ich will keinen verleumden!
Nicht meine Mutter!
Ich scheue mich nicht vor Konfrontation und ich scheue mich auch nicht vor ihrem Alter.
Seitdem ich sie kenne, lagen schlappe 28 Jahre zwischen uns.
War ich 10 war sie 38, war ich 20, war sie 48 usw.
Wie altern zusammen. Wir reifen zusammen.
Und ich lasse mich mit 42, nur weil sie jetzt 70 ist, nicht mehr zum Kleinkind machen.
Das wird sich gewaltig ändern, daran werde ich arbeiten.

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