Archiv für das Tag 'Sucht'

Spielsucht

Hartmut 5. Februar 2010

Vor einiger Zeit erhielt ich eine E-Mail über Facebook von einer leidenschaftlichen Mitspielerin, die sich ihre Gedanken zum Spiel “Mafia Wars” machte.
Ich muss zugeben, ihre Mail hat mich einfach nur geflasht. Sie traf mich mitten ins Herz, mitten ins Mark! Sie versetzte mir einen solchen Stoß. dass ich wirklich wie unter Schock stand.

Denn sie hatte Recht. Mit jedem Wort, dass sie mir schrieb, hat sie noch immer so dermaßen Recht! Ich habe versucht, mit ihr noch mal in Kontakt zu kommen, aber sie scheint das einzig Richtige getan zu haben: Sie hat abgeschaltet!
Ich bin noch weit davon entfernt, würde aber gerne diese Mail (anonym) veröffentlichen und mich auch der weiteren Diskussion stellen und im Einzelnen erklären, wie sich mein Leben verändert hat.

Hier die Mail:


Betreff: Dein Artikel im medioman

Hallo,
ich habe eben beim Zocken auf VOX eine Reportage über Spielsucht gesehen und mir ist das erste Mal klar geworden, dass ich nicht gerade einfach fernsehe, sondern dass mich das Thema total berührt, da ich mich selbst darin wiederfinde.

Ich hab zwar schon länger gemerkt, dass mich Mafia Wars ganz schön viel beschäftigt, aber habe es nicht wirklich als Sucht wahrgenommen. Die letzten Monate wurden immer schlimmer und ich kann nur sagen …. Du sprichst mir absolut aus der Seele. Auch wenn ich nicht bares Geld für MW ausgebe und NUR Mafia Wars spiele, nimmt es nicht nur Zeit und bringt mir schlaflose Nächte, sondern ich habe mich auch von Freunden im "Real Life" distanziert, isoliere mich immer mehr und bin gerade an einem Punkt gelangt, der mir zeigt, dass es so nicht weitergehen kann. Ich bin gerade im Begriff, mein Studium abzubrechen, weil ich viel durch Abwesenheit geglänzt habe und nicht mehr in der Lage bin, meine Prüfungen zu meistern.
Auf Deinen Blog bin ich gerade durch Zufall gestoßen und habe dann erst gemerkt, dass ich Deinen Namen und Dein Bild kenne, da wir in einer Mafia sind. Das hat mich sehr bestürzt, da ich somit weiß, dass der Blogger Hartmut immer noch nicht weg ist vom Problem.
Hast Du schon mal ernsthaft überlegt, Dir Hilfe zu holen? Ich habe bisher zwar einigen Freunden angedeutet, dass ich süchtig bin, viele denken aber, dass ich mein Leben in den Griff bekomme, da sie nicht wissen, wie süchtig ich wirklich bin und dass das ein ernstes Problem ist bzw. bei mir werden kann (da ich bisher keine finanziellen Probleme dadurch bekommen habe).
Ich bin zurzeit am Überlegen, ob ich mir bei einer Beratungsstelle Hilfe hole, bevor ich noch weiter in den Sog gezogen werde und ich hoffe, dass es bei Dir auch einen Weg gibt, mit dem Problem umzugehen.
Mehrmals habe ich schon überlegt, meinen Account einfach auszuschlachten und einem Freund zu überlassen, damit jemand noch was davon hat. Ganz oder gar nicht – nur nebenbei spielen klappt ja eben nicht, das hab ich bereits eingesehen.
Ich wünsche Dir, dass es Klick macht und Du von Deiner Sucht los kommst. Ich bin erst an dem Punkt, mir selbst einzugestehen, dass ich ernsthaft süchtig bin, aber auch das sehe ich schon als einen großen ersten Schritt.
Liebe Grüße xxx

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Facebook und Mafia Wars 2

Hartmut 24. August 2009

Fast genau vier Wochen ist es her, dass ich meinen ersten Artikel zu diesem Thema schrieb. Da stellte ich bereits nach 2 Tagen fest, dass ich Mafia Wars süchtig geworden bin. Seither ist es so schlimm geworden, dass ich mich für kaum noch etwas anderes interessiere als dieses kleine Mini-Spiel zu zocken.
Meine Sucht ist so schlimm, dass ich die Zeit, bis sich meine Ausdauer‑ und Energiewerte regeneriert haben, nutze, um mich um die vielen anderen Onlinespiele zu kümmern.

fbspiele So zocke ich also nebenbei natürlich noch FarmVille, YoVille, StreetRacing. Von letzterem distanziere ich mich jetzt genauso wie von Pirates, Global Wars, Mobster 2, Soronity Life und Vampire Wars. Das liegt einfach daran, dass ich nunmehr auch noch online bei Texas Hold’Em Poker mitspiele.

Für den, der sich auf Facebook nicht so rumtreibt und diese Spiele ignoriert, für den bedeutet das, was ich hier schreibe, wohl nicht viel. Aber ich sehe diese Gefahr, dass immer mehr Menschen einer virtuellen Spielsucht verfallen, die unglaublich viel Zeit kostet. Alles um einen herum wird unwichtig. Ich selbst kümmere mich kaum noch um meinen Haushalt, meine Diät ist unwichtig geworden und – wie es hier schon aufgefallen ist – das Bloggen! Twittern und Artikel schreiben stehen hinten an und wollte ich, ich könnte es kaum noch. Ich habe mich vom Schreiben und kommunizieren entfremdet und bin in diesen unglaublichen Sog der Spielsucht hinein gerissen worden.

Neben der Zeit kann das ganze auch noch viel Geld kosten. Auch ich habe schon über 100 Euro investiert, um mir das Weiterspielen zu ermöglichen und meine sogenannten “Skill”-Points zu erhöhen. Denn Mafia Wars und/oder die anderen genannten Spiele wecken den Ehrgeiz. Es geht um gewinnen wollen um jeden Preis, um Anerkennung, Ruhm und Ehre. Dabei sind alle Spielprinzipien, ob man nun Mafioso, Pirat, Rennfahrer oder sogar “Desperate Housewife” ist, alle gleich. Entweder erfüllt man Aufträge und verdient sich Trophäen und virtuelle Gegenstände oder man kämpft allein oder in einer Gemeinschaft gegen andere.

mw_logo Ja, diese Gemeinschaft. Da muss man hinterher sein. Man stellt “Freundschaftsanfragen” bei Menschen, die man nicht kennt, die aus aller Welt kommen und mit denen man sonst nichts am Hut hat. Ich blicke derzeit auf 389 “Freunde”. Sie bilden meinen Mafia-Clan, der mich stärker macht, der mich unbesiegbar machen soll. Diese “Freunde” und diese “Spiele” versauen mein durchaus mal sehr gepflegtes Profil bei Facebook. Denn Facebook soll ja eine Plattform zur Repräsentation meiner Person sein. Eine elektronische Visitenkarte auch für Arbeitgeber. Aber wie sieht dieses Profil nun aus?

Da erscheinen Meldungen, dass ich einen neuen Level erklommen, dass ich Freunde mit irgendwelchen Waffen beschenkt oder ihnen beim Kampf geholfen habe. Oder, dass ich jetzt ein toller Farmer geworden und ab sofort Tomaten anbauen und Schafe verschenken kann.

Ich muss davon ablassen! Meinen ersten Schritt tue ich hiermit und gelobe Besserung!
Das habe ich schon vor einer Woche getan und seither ist es nur schlimmer geworden. Ein virtueller Hilfeschrei ist das hier! Und eine Warnung an alle! Auch an Eltern, deren Kinder da spielen. Das Suchtpotenzial ist enorm! Passt auf Euch und Eure Angehörigen auf!

P.S.: Ich werde hier garantiert keinen Link zu meinem Facebook-Profil und zu meinen “Spiele-Accounts” (mehr) geben.

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Computer-Beziehungen

Hartmut 26. November 2008

Naja, eigentlich ist der Titel etwas verwirrend, denn eigentlich geht es um zwischenmenschliche Beziehungen auf der einen Seite und einem stark ausgeprägtem Hobby eines oder beider Partner.

Ich konzentriere mich auf Computer, weil ich seit meinem VC20 immer einen PC mit in meine Beziehungen brachte.
Andererseits war der VC20 eine Spielkonsole, also passen genauso Gerätschaften, wie die heutige XBOX, PS aber auch PSP, NDS, ja sogar das Handy mit hinein. Eben alles, wo der Benutzer vor einem Monitor sitzt und sich mehr als ein paar Sekunden damit beschäftigt.

Seit ca. 1982 habe ich nun also immer einen PC gehabt. Und in diesen 26 Jahren variierten meine Zeiten, die ich mit ihm verbrachte und mein Interesse schon sehr stark.
Bis 1986 waren es gemeinsame Zocker‑ und Saufabende mit Kumpels. In dieser Zeit waren Frauen absolut tabu. Das war auch recht einfach, denn sie interessierten sich nun mal überhaupt nicht für das, was wir da taten. So scheiterten 2–3 Beziehungen, aber wohl eher aus der allgemeinen Vernachlässigung heraus.
Als ich 1986 mit meiner zukünftigen Verlobten zusammen kam, da war ich schon schwer verknallt und da war auch kein PC mehr interessant. Wir haben immer etwas anderes miteinander unternommen und mir wäre nie der Gedanke gekommen, mich stundenlang alleine vor die Kiste zu setzen.
Als 1988 aus anderen Gründen die Beziehung zerbrach, kaufte ich mir einen Amiga 500 und genau ab da und bis heute wurde der PC zu einer echten Passion. Wer mich kennen lernte, kam an meiner Leidenschaft nicht mehr vorbei.
Als ich noch im gleichen Jahr mit meiner Ehefrau zusammen kam, war meine erste Amtshandlung, als ich dann 1989 zu ihr zog, den Amiga ans Telefonnetz zu hängen und eine Mailbox zu eröffnen.
Klar unternahmen wir am Anfang noch viel, verreisten oder gingen mal weg, aber das wurde schnell zweitrangig. Ich hatte ein separates Zimmer und dort saß ich stundenlang. Meine Frau interessierte sich überhaupt nicht dafür, außer dass sie Sonntags mal 1–2 Stunden Tetris spielen wollte und auch durfte.
Als im Herbst 1994 die Ehe am Ende war, war mir das völlig egal und als ich in meine eigenen 4 Wände zog, hatte ich bereits einen Amiga 3000 und die Mailbox war eine der größten in Berlin mit über 700 Usern am Tag, die meine volle Konzentration benötigten.
Ich vereinsamte, wurde depressiv und nur die Pflege des Computers hielt mich am Leben. Aber was für eines?

Im Frühjahr 1996 wurde ich jäh aus meiner Welt gerissen. Ein paar PC-Kumpels wollten meine offen und vor sich hinstaubende Peripherie von CD-Laufwerken und –wechslern, Festplatten, Modemsteckkarten in einen Mega-Tower umbauen. Alles ging schief, ich war mehrere Tage offline und von einem Tag auf den Anderen wollte ich den ganzen Scheiß nicht mehr sehen, verschenkte den ganzen Kram und stürzte mich ins pralle Leben.
Leider begann dann auch meine Drogenkarriere und Beziehungen scheiterten da eher am Kokain und Alkohol.

Als ich 1998 von meiner Therapie nach Hause kam, kaufte ich mir einen Pentium II, den ich zunächst nur zum Zocken, später auch zum Ordnen meiner Finanzen nutzte. Was mich aber seit meinen heftigen Erfahrungen aus der Vergangenheit gelehrt hatte, war, dass ich niemals wieder mein Hobby über die Familie stellen wollen würde.
Und so habe ich das seit meinen letzten 3 Beziehungen auch gehandhabt.

Ein PC ist ein Trennungsgrund, das habe ich klar erkannt. Sicherlich kann man das Hobby, vor der Kiste zu sitzen, auch gemeinsam machen, aber so richtige Harmonie kommt dabei nicht auf. Vielleicht 1–2 Stunden am Tag. Mehr geht einfach nicht, wenn man noch ein „normales“ Leben weiter führen will. Kommen noch Kinder hinzu, finde ich es fast schon unverantwortlich, wenn man Ihnen das vorspielt, ihnen, wenn sie größer sind, ebenfalls einen PC oder eine Konsole kauft, um weiter Ruhe vor ihnen zu haben.

Luigi schreibt, dass er seine Familie bereits vernachlässigt. Bravo kann ich dazu nur sagen. Hast Du schnell erkannt und wenn ich bedenke, dass Du vor wenigen Wochen noch für Dich gebloggt hast, weil es Dir Spaß gemacht hat, so hast Du sehr schnell eine Community und Dir damit eine neue Familie im WWW aufgebaut.
Aber Vorsicht! Genau hier liegt der Hase im Pfeffer.
Deine Familie ist die, die zu Hause auf Dich wartet, die Zeit, Aufmerksamkeit und vor Allem Liebe von Dir möchte, die sich vernachlässigt fühlt und Dich scheinbar noch rechtzeitig erreicht hat.

Ich hatte das große Glück, dass sich Marcella gleich zu Beginn meiner Beziehung mit in das Geschehen mischte und ebenfalls Bloggen oder ein Forum betreiben wollte. Ich habe ihr das Technische ermöglicht und sie hat geschrieben. Aber eines war immer klar: Wenn wir zusammen waren, blieb die Kiste aus, es sei denn, einer von uns hatte einen konkreten Wunsch, einen Artikel zu schreiben oder die Kids wollten etwas recherchieren. So kann das bestimmt jeder organisieren.
Es gibt auch Papier und Stift, wenn ich eine Idee habe, etwas schreiben will, dann notiere ich mir das und tippe es später in die Maschine.
Leider ist es dort mittlerweile so, dass die gesamte Familie (Mutter und drei Kinder) fast ausschließlich nur noch vor dem saublöden Nintendo DS sitzen.

Wenn ich beruflich zu Hause am PC sitze, wie ich es von Zeit zu Zeit selbst mache oder erlebe, dann halte ich mich an eine vorher abgemachte Terminabsprache. Auch wenn der PC im Wohnzimmer steht, sage ich, dass ich zur Arbeit gehe. Dann arbeite ich 8 Stunden und dann ist Feierabend. Wenn ich mich klar ausdrücke und meine Familie sieht, was ich da tue, werden mir auch mal Überstunden gewährt.
Aber privates Bloggen ist ja keine Arbeit.
Es kann vielmehr eine der neuen Zivilisationskrankheiten wie das Chatten sein.
Eine Sucht. Und eine Flucht.

Und jeder Süchtige, der nicht bereit ist, sich seiner Sucht zu stellen, der ist nicht empfänglich für die Ratschläge Anderer. Und dem ist es auch egal, ob er seine Freunde und Familie vernachlässigt oder gar verletzt. Erst, wenn es zum großen Knall kommt, wachen einige kurz auf. Manchmal ist es zu spät, manchmal bekommen sie eine zweite Chance, die sie wieder versemmeln.
Der Computer kann eine Sucht sein. Man bekommt auch seine Entzugserscheinungen, wird launisch oder erfindet immer wieder etwas, um an die Kiste zu kommen und man muss selbst merken, dass man betroffen ist.
Hat man das Glück, eine Familie zu haben und spürt für diese noch die Liebe in sich, dann sollte man sich auch auffangen lassen, ehe es zu spät ist.

Für alle anderen würde ich ja gerne ein Selbsthilfeforum „Computersucht“ eröffnen, aber das wäre ja, als würde ich Öl ins Feuer gießen :-)

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Angst und Sucht

Hartmut 8. Oktober 2008

In letzter Zeit lese ich wieder sehr viel über Sucht, über Ängste und wie man sich ihnen stellt.
Letztlich macht man sich von beidem abhängig. Und abhängig zu sein, ist ein schlechtes Gefühl. Der Unterschied zwischen Angst und Sucht ist, dass man sich vor der Angst drücken will. Versucht, ihr nicht zu nahe zu kommen. Die Sucht ist die Möglichkeit, sich in eine Scheinwelt zu flüchten, der Angst zu entfliehen sozusagen.

Deshalb ist es wohl auch so schwer, sich der Sucht zu entledigen. Weil man sich seinen Ängsten stellen muss.
Das will erlernt werden, das tut weh und es gehört eine gehörige Portion Mut und Kraft dazu. Meist muss das ganze Leben umgekrempelt werden, muss sich von seinen alten Freunden trennen und vielleicht sein Umfeld wechseln.
Hinzu kommen neue Ängste und die neue und ungewohnte Leere, die einen plötzlich befällt.
Niemand fühlt sich einsamer als der, der versucht von seiner Abhängigkeit loszukommen. Da helfen keine Familienangehörige, Freunde, Psychiater, Kliniken.
Und ich rede von Abhängigkeit, denn Sucht ist eine Form der Abhängigkeit. Genauso, wie die Frau beim Mann bleibt, obwohl er sie schlägt.
Beim Entzug geht es darum, zu lernen, es ohne die Sucht auszuhalten. Man muss neu lernen, sich selbst auszuhalten, sich und seine Gefühle zu spüren.

In einer Welt, in der es nur um Sucht geht, gibt es wenige Gefühle. Schwarz oder Weiß, Hass oder Liebe, Angst oder Glück. Nüchtern oder breit.
Schon in den ersten Tage der Nüchternheit brechen unbekannte oder lange unterdrückte Emotionen durch. Diese feinen Nuancen zwischen Glück und Unglück hauen einen einfach um. Alles kommt hoch, wie eine Welle schlägt das alles über einen hinweg.
Die bislang so abgestumpfte Empfindung wird plötzlich klarer, neue Wut entsteht und neue Ängste.
Man will zurück in sein Schneckenhaus, dort, wo man sich auskennt und man sich geborgen fühlt. Zurück zur Droge, zurück zum Mann, zurück in die Scheinwelt.

Ich habe das alles selbst hinter mir und noch immer vor mir. Denn auch weg zu sein von seiner Sucht heißt nicht, frei von ihr zu sein. Sie bestimmt den Rest des Lebens, manchmal mehr und manchmal weniger.
Manche sagen, die Sucht wäre eine heimtückische Krankheit. Das stimmt wohl für den Erstkonsumenten, weil er vielleicht nicht weiß, worauf er sich einlässt, aber nicht mehr für den Süchtigen, denn Heimtücke setzt Ahnungslosigkeit voraus.
Sich dieser Ausrede zu bedienen, ist daher dumm.
Clean zu bleiben, heißt, den Kampf gegen die Selbstzerstörung anzunehmen und ihn für den Rest seines Lebens durchzufechten. Nimmt man diesen Kampf an, kann das ungeahnte Kräfte in einem freisetzen. Besonders, wenn man sich des Glückes bewusst ist, dass man in seiner Nüchternheit erfährt.

Für mich und die vielen neuen Leser im Blog und da ich sehe, dass viele über die Suchmaschinen auf meine früheren Artikel-Serien zu meiner Drogensucht kommen, werde ich in einem meiner nächsten Beiträge mal alle tabellarisch zusammen fassen.

Glücklicherweise war ich nie heroinabhängig, aber eine Erfahrung habe ich damit auch gemacht. Mehr wirklich Gott sei dank nicht.
Vor kurzem sah ich hierüber eine Dokumentation von National Geographic (Achtung: Dauer 50 Minuten), die ich hier einbinde:

Dies ist Teil 5 von 7 aus der Serie Kokain

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Hast Du mir noch etwas zu sagen?

Hartmut 21. September 2008

Das war die Frage meiner Freundin, als sie sich eben von mir am Telefon verabschiedete.
Sie hatte mir eine gute Nacht gewünscht. „Schlaf schön, träum süß, ich hab Dich lieb“. „Schlaf Du auch gut, träum was Feines und bis bald“, waren meine Worte.

Klar, wusste ich, dass da noch etwas fehlte. aber ich hatte kein Bedürfnis mehr, ihr zu sagen, dass auch ich sie lieb habe. Stolz, Frust und Traurigkeit. Ich war einfach genervt!

Irgendwie fing der ganze Schrott schon vor Monaten an. Aber darüber möchte ich nicht schreiben. Also fing es ab Mittwoch an.
Da waren wir zum Spazieren gehen verabredet (siehe „Wie dumm von mir„). Marcella hatte abgesagt, aber sich gleich für Donnerstag früh mit mir verabredet. Als ich am Nachmittag nachfragte, hatte sie keine Lust gehabt. Und so vertagten wir uns auf Freitag. Wiederum rief ich an und bekam zur Antwort“Nein, nicht heute. „Freitag ist Sauftag und da will ich Dich nicht sehen, vielleicht morgen“.
Ich wartete bis Samstag, 16:00 Uhr und rief wieder an: „Ach, nee, ich bin zu faul, es ist zu spät!“
Um 23:00 Uhr rief Marcella dann an und fragte, ob sie mich abholen kommen dürfte. „Nein!“, jetzt war mir das zu spät.
Und heute? Naja, wieder versemmelt! Irgendwie hat es auch heute nicht geklappt, dass wir uns sahen.

Ich will mich da überhaupt nicht herausreden. Ich habe seit Wochen genauso Ausreden gefunden, um Marcella nicht zu treffen oder wie in früheren Zeiten das Wochenende bei ihr zu verbringen.
Langsam, merklich, still entfremden wir uns und da ist es nicht gut, die Schuldfrage zu klären. Oder doch?

Aber es gibt einen wirklich fetten Grund, warum das mit uns nicht mehr klappt: Der Alkohol.
Wenn ich trinke, dann trinke ich zwei Tage und bin noch einen krank, dann bin ich 5–10 Tage abstinent und reagiere fast schon cholerisch auf Andere, die trinken.
Marcella trinkt fast täglich. Nicht so die Mengen natürlich, aber eben so, dass sie nicht in meine Abstinenzzeit passt. Und zusammen wollen wir auch nicht trinken. Und sollten wir auch nicht.

Was harmlos anfing, ist zu einem echten Beziehungskiller geworden.
Trunklust, Unlust, Einsamkeit

Ich habe vor Monaten einen Text geschrieben, den ich nie veröffentlichte. Ich hatte ihn mal Marcella vorgelesen, dann überarbeitet, dann war er hier schon im Blog und wurde versehentlich gelöscht. Jetzt habe ich ihn wieder gefunden und setze in unter diesen letzten Satz, so wie er ist, so wie ich ihn damals in einem Rutsch niederschrieb:


Du liebes Weib, wehre Dich endlich.
Verlass mich nicht.
Verliere Dich nicht. Verlier mich nicht. Ich will Dich nicht verlieren!
Der böse Teufel der Angst hat Dich befallen und ich selbst ängstige mich.
Du wirst nicht nur mich hinterlassen.
Frustrierte Kinder, Eingeweihte, Wissende. Wir alle haben Angst.

Besänftige uns, sei abstinent, sei aufmerksam.

Sei unser Beispiel der Stärke, sei die, die wir lieben.
Mit all ihrer Wahrheit!
Dem klaren Willen, sich nicht selbst zu bescheißen und noch weniger all ihre (Lebens)-Gefährten!
Ich mag Dich nicht verlieren, ich kämpfe gegen Windmühlen, spüre den Wind in meinen Haaren, verliere die Orientierung, verliere Dich.

Kämpfe endlich! Kämpfe für mich, kämpfe für unsere Beziehung!
Du bist mein Weib. Meine Frau. Ich mag Dich nicht verlieren, aber ich werde nicht weinen.
Ich schmecke den Verlust seit einiger Zeit. Der Kampf mit den Mühlen ist nichts gegen den Kampf gegen den Frust.

Ich habe dieses Alleinsein so satt. Ich mag es nicht mehr, neben einer autistischen Person zu sitzen. Einer, die nichts zu sagen hat.
Ob lustlos, zugekifft, ob vollgedröhnt, besoffen, alles das gleiche.

Schatz, gib uns eine letzte Chance, bevor ich mit Dir schließe.
Kein Druck, keine Bevormundung. Allein die Liebe spricht doch aus mir.

Kämpfe endlich für unsere Liebe.
Kämpfe für Deine Kinder.
Kämpfe gegen die Einsamkeit, halte alles entgegen, gegen Dich und gegen alles, was Dich belastet.

Wir sind so einsam, weil wir Dich nicht mehr spüren.
Weil wir nicht gegen Deine Sucht kämpfen können, weil wir immer verlieren werden, weil Du immer die Stärkere sein wirst.

Ergib Dich, sei schwach und entschuldige Dich.
Du bist mies, Schwein, Arsch, na und?

Ich liebe Dich, wir lieben Dich, wir glauben an Dich, sind Deine Freunde, Deine Weggefährten. Deine Familie.

Gib uns die Chance, Dir beizustehen, sei nicht verzweifelt, wenn Du Dich einsam fühlst, ich fühl mich doch ebenso.

Ich liebe Dich, sei mir mein Engel, meine Offenbarung, mein Freund, meine Freundin, mein Gewissen.
Du hast das Potenzial, trinke, kokse, rauche nicht, zeig uns den Weg.
Wir sind Deine Kinder. Deine Engel. Deine Schutzbefohlenen, wir fühlen uns verloren, wenn Du nicht bei uns bist!

Kein Druck dieser Erde, keine Macht, niemand wird Dich jemals wieder nerven, alle lieben Dich.

Du bist ein Mensch, den man einfach lieben muss.

Komm zurück zu Dir, lerne Dich zu lieben.
Wir vermissen Dich, wir lieben Dich!

Lieber Schatz. Sei mein Weib bis in alle Ewigkeit.
Das war ein Versprechen, welches wir niemals brechen wollten.
Halte Dich bitte bitte bitte daran!

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Ich bin high!

Hartmut 3. September 2008

Ich habe jetzt gute 10 Tage nichts weiter gemacht als US-Serien zu gucken. Battlestar Galactica, Stargate Atlantis, 24, Prison Break und ich merke echt, was das an Substanz kostet.
Und ich meine damit nicht die körperliche sondern die psychische, die geistige und besonders die kreative Kraft.

Ich bin fernab jeglicher Realität, kann mich nicht mehr konzentrieren, bin absolut unlustig, kann mich nicht auf meine Gedanken besinnen, bin total ausgebremst.
Und trotzdem fühle ich mich nicht schlecht. Ich könnte ewig so weitermachen, könnte noch Wochen oder Monate auf der Couch liegen und mich zudröhnen lassen.

Schlimmer noch, ich habe Entzugserscheinungen, wenn ich nicht die lieb gewonnenen Synchronstimmen meiner Seriendarsteller höre oder die Titelmusik vernehme. Ich schlafe schlecht und wenig und wenn ich träume, dann nur noch abhängig von der Serie, ich bin auf der Flucht, bin verfolgt von Außerirdischen oder bin Top-Spion.

Es ist eine Sucht!
Ich erfinde sogar schon Ausreden, warum ich heute nicht kann, dass ich den Termin verschieben oder jetzt schnell weg muss! Oder ich gehe nicht mehr ran ans Telefon! Ist ja auch gerade spannend!

Eigentlich ist in meinen Hirn nur noch ein absoluter Brei, der sich für nichts mehr interessiert, weder das Tagesgeschehen noch eigene persönliche Kontakte.
Ein harmloses Telefonat mit meiner Mutter überfordert mich genauso wie mich länger als 5 Minuten an den PC zu setzen und mich – wie sonst durch die Bloggospähre zu lesen oder gar hier in meinem eigenen Blog einen Artikel zu schreiben oder wenigstens Kommentare zu beantworten.

Wenn ich mir vorstelle, ich mache das „Experiment“ noch 10 weitere Tage, dann habe ich mir die Kommunikation mit der Außenwelt wohl komplett abgewöhnt, alles würde mich belasten, was mich mit meinem eigenen Ich konfrontiert. Ich wäre wie ein Kiffer auf LSD, der kein Zeitgefühl und keinen Lebensrhythmus mehr kennt.

Was hilft?
Vollbremsung!
10 Tage Fernsehentzug! Ohne wenn und Aber!
Ob ich das durchhalte?
Ob ich das will? Oder kann?
Muss ich denn?
Läuft doch grad so gutes in der Glotze!

Dies ist Teil 8 von 13 aus der Serie Kommunikation

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Das Nichts

Hartmut 15. Mai 2008

Wie einfach es doch ist, einen Menschen aus dem Gedächtnis zu streichen. Ihn nicht zu verdrängen, sondern ihn einfach zu vergessen. Und das noch zu seinen Lebzeiten.
Obgleich wir ihm unser Leben verdanken oder es ihm vorwerfen, uns in die Welt geboren zu haben. Aus Pflicht, Ehre oder Stolz, aus kindlicher Naivität, aus der Unwissenheit heraus, dass wir nicht müssen, wenn wir nicht wollen, so lieben wir diesen Menschen.
Mit blindem Vertrauen hängen wir an seinen Lippen, übernehmen seine Mimik, Gestik, seine Gedanken, sein Wesen.
Wir werden geprägt und gebeugt. Gerügt und gelobt. Gestreichelt und Getreten.

Am Montag verließ ich den Garten meiner Mutter. Dort hatte ich zuvor von den letzten 10 7 Tage im Garten verbracht. Hautnah mit meiner Mutter.
Mit voller Wucht trafen zwei Welten aufeinander.
Denn ich bin nur noch in den Augen meiner Mutter das Kleinkind, dass sich dort auf ihre runde Gartenbank, vor den simplen Klapptisch setzt und sich all ihrer nutzlosen, verworrenen Gedanken, ihren feinen Stichen gegen alles und jeden – nur nicht gegen sich selbst – aussetzt, ihre fiesen Gemeinheiten, ihre polemische Sicht auf die Lage der Nation unweigerlich hinnimmt und sich Manipulieren lässt, bei jeder Lästerei gegen Lebensgefährten, Freunde und Familie klatschend in die Höhe springt.
So ist ihre fiese, kleine Welt, alles und jeden mit bösen Worten zu malträtieren und sich selbst auf ein hohes Ross zu setzen.
Längst meint sie, ein Alter erreicht zu haben, in dem man sie nicht mehr kritisieren darf, wo ihre Meinung gleichbedeutend mit einem Gesetz scheint.
Attacke auf Attacke. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Und so sass ich da, gepeinigt von ihren Worten, frustriert, mich weder wehren zu können noch zu dürfen.
Bis mir halt der Kragen platzte. Und so sitze ich hier nun, seit Tagen, seit Montag, frustriert, gebremst.
Kein Frust, kein wie sonst gewohnt bohrender Weltschmerz, keine Depression, einfach die Lust, dieses tratschende un‑ und selbstgerechte Weib nicht mehr kennen zu wollen.

Meine eigene Mutter. Wie krass.
Diese Frau, die mich durch so viele Höhen und Tiefen begleitet hat.
Sie hat mich nicht enttäuscht. Denn sie ist so wie sie ist.
Vielleicht nicht ganz, weil auch sie wieder viel zu gern Alkohol zu sich nimmt und bekanntermaßen hat dieser eine Wirkung, Hemmschwellen herabzusetzen und ein alkoholisierter Mensch ist gegenüber nüchternen Menschen in der Wahrnehmung und Empfindung völlig anders.
Ich trinke auch, aber ich wage es seit Jahren nicht mehr, in Gegenwart meiner Mutter zu trinken.
Sie tut es (wieder). Sie hatte einen Kollaps, wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Hatte dem Suff abgeschworen und wurde ein feinfühliger, sensibler Mensch. Die letzten Monate steigerte sie ihren Konsum über die lockere Flasche Rosé bis jetzt zur heutigen putzigen mindestens halben Flasche Mümmelmann (Kräuterlikör von Aldi).
Sie merkt den Unterschied nicht.
Der Kiffer und Drogensüchtige merkt seine Veränderung auch eher selten, besonders in der Zeit, in der er sich selbst noch betrügt.
„Ist ja alles halb so schlimm“, „ich habe doch alles im Griff“, „übertreib mal nicht“, „das kleine Schnäpschen schadet doch nicht.“
Und doch ist es der Suff, besonders der, den jetzt meine Mutter sogar heimlich (wenn sie meint, unbeobachtet zu sein, sich mal zwischendurch einpfeift, und wenn sie erwischt wird, mit einem lustigen Spruch abtut).
Und genau dieser Suff hat wieder ihre Persönlichkeit im Griff, sie verletzt und tut weh. Sie tat mir weh und ich will das nicht mehr.
Meine Freundin kann ein Lied davon singen, wie sensibel ich reagiere, wenn mir weh getan wird.
Und ich will das auch nicht mehr.
Ich meine die rein verletzenden Worte, diese Art der Respektlosigkeit über andere Menschen, sogar seine engsten Freunde, Lebensgefährten und Familie zu reden. Sogar egal, ob sie anwesend sind oder nicht. Jeder Spruch, den ich mir einfange von Menschen, denen ich vertraue, ist ein brutaler Messerstich, eine schwere Verletzung. Ich schrieb hier im Blog oft genug über dieses Thema.

Wenn ich mich jetzt zurückziehe und meine Wunden lecke, die mir meine eigene Mutter zufügte, dann mach ich das mit voller Absicht.
Ich habe gelernt, mich selbst zu reflektieren, zu erkennen, wie nah ich an dem bin, was mich da verzweifeln lässt.
Wie sehr ich selbst bin, wie das, was ich bei meiner Mutter nicht leiden kann.
Ich bin selbst sehr, sehr locker mit meinen Sprüchen, kann nach wie vor sehr verletztend sein und merke oft genug, dass ich übers Ziel hinausschoss. Ziehe mich dann lieber zurück oder trete sogar noch nach, um der Freundschaft den Todesstoss zu geben, damit der feinfühlige Gegenüber von mir nicht wieder von mir verletzt werden kann.
Ich habe echt schwere Ängste genau so zu werden, wie meine Mutter und doch bin ich auf dem besten Wege dahin.
Auch ich trinke gerne einen über den Durst, auch ich verletze und die sogenannte selbstgerechte Gerechtigkeit, dem Spruch „das ist aber unfair“, kann ich mir selbst nicht abgewöhnen.

Abkapseln von der dominanten Mutter, wie soll das gehen?
Ich bin 42 Jahre, habe jetzt Familie, sitze in meinem eigenen Schlamassel und lasse mich von wem auch immer bevormunden?
Muss das sein?
In meinem individuellem Falle schon?
Nur, weil ich mir selbst nicht mehr traue?
Vor meiner Selbst Angst habe?
Ich ein Junkie und Drogenabhängiger bin?
Fresssucht und Todessehnsucht mein Leben prägen?
Ich bin 42 Jahre, ich habe jetzt Familie und will es mal wieder probieren.
Auf die Schnauze fallen habe ich gelernt, auch aufzustehen, meine Existenz, Frau und Kind zu verlieren, alles kenne ich, warum nicht noch einmal?
Wenn ich das Risiko scheue, dann scheue ich mein Leben. Ich will das nicht mehr!

Ich will nicht mehr vergessen, ich will keinen verleumden!
Nicht meine Mutter!
Ich scheue mich nicht vor Konfrontation und ich scheue mich auch nicht vor ihrem Alter.
Seitdem ich sie kenne, lagen schlappe 28 Jahre zwischen uns.
War ich 10 war sie 38, war ich 20, war sie 48 usw.
Wie altern zusammen. Wir reifen zusammen.
Und ich lasse mich mit 42, nur weil sie jetzt 70 ist, nicht mehr zum Kleinkind machen.
Das wird sich gewaltig ändern, daran werde ich arbeiten.

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Aggro ist cool Ⅻ

Hartmut 4. Mai 2008

Dieser Artikel geht analog zu meinem ungeliebten Artikel: „Wir bauen ein Zelt„.
Der letzte, eine Flut von Auflistungen, wollte ich doch nur aufzeigen, welche mannigfaltigen, wirren oder durchdachten, klar strukturierten Gedankenmechanismen in meinem irren Kopf ablaufen. Gedanken, die sich ergossen im Nirvana, das Hirn stürmte. Brainstorming.

Und jetzt sitze ich hier, habe meine seit Wochen bekannte Depression, fast unerkannt, fast unbemerkt, streng behütet, weil meist funktionierend, meine Auszeit nehmend und die fiesen Gedanken sind trotzdem stetig wachsend.
Kein Problem. Eine Depression, oft kopiert und nie erreicht, oft unterschätzt und dann mit voller Wucht getroffen.
Für jeden, der eine Depression hat, ist diese nur ein Schlagwort.
Meine Depression beinhaltet vielerlei andere Dinge:
Traurigkeit, nicht mehr an mich selbst glaubend, aufgebend, Angst. Neurose. Psychose. Diese ist anders. Diese ist aggressiv. Aus Angst wird Wut, dann Hass-Psychose. Eine Gefahr für mich und die Umwelt.

Was soll ich tun, was tat ich die letzten Tage?
Ausblenden, auf mich besinnen. wie denn, wenn das Hirn nur düstere Gedanken hat?
Mich weg machen, mich von meiner Umwelt trennen?
Wäre so einfach, wenn Du nicht geliebte Menschen um Dich herum hast.
Allein das Wort „geliebte“ erzeugt in mir Brechreiz.
Ich bin so voller Hass, so voller Aggressionen, träume von Wut, Blut, Demütigungen. Und. Ich fühle mich wohl!

Ich kann meinen Käfig der finsteren Gedanken nicht verlassen. Ich will ihn nicht verlassen!
Ich hasse alles, was ich liebe und was ich hasse, das hasse ich noch mehr! Punkt.

Ich baue eine Mauer um mich. Eine starke, große Mauer und nur, damit ich andere nicht verletze!
Ich ziehe mich zurück, beteuere mit meiner restlichen Kraft, wie leid es mir tut, schreie förmlich um Ruhe, möchte keine Emotionen und keine Berührungen und muss immer wieder feststellen, dass mein Umfeld nichts kapiert.
Mein Telefon klingelt, meine Mutter schreit mich in den Garten, meine Freundin will Liebe, alle wollen nur mein Bestes. Liebe. Emotionen. Und ich hasse. Was soll ich nur tun?

Ich erinnere mich an Pinky, mein Held. Pink Floyd – The Wall – Der Film. (Comfortably Numb)

Nur, wer den Sinn meiner Psychosen nicht kennt, der muss meine Musik nicht mögen. Keiner muss hier irgendetwas mögen!
Ich will auch keine Lösung, keine Freunde.
Ich will brüllen und hoffe, nicht gehört zu werden.
Ich will schreiben und hoffe, nicht gelesen zu werden.
Ich war echt nah dran, die letzten Tage, den Blog hier einfach zu löschen, zu vernichten, nur um mein Leid bestätigt zu haben. Gehasst zu werden. Zu Töten. Und wenn es nur Worte gewesen wären.

Ich weiß, dieser Blog hat einen anderen Titel als der Text, den ich hier gerade fabriziere.
Vielleicht muss man durch den Hass zur Liebe finden.

Ich will das derzeit nicht, weil meine Selbstzweifel, mein Selbsthass, meine Angst, mein Lebensfrust bestimmender sind als alles andere.
Ich konnte letztlich diesen Artikel nur durch den hasserfüllten Genuß von ein paar Weizenbieren schreiben.
Ich will und muss mich auch zum Gebrauch von Alkohol nicht rechtfertigen.
Wenn ich trinke, dann trinke ich halt und ich bin es leid, mich dahingehend rechtfertigen zu müssen.
Mag sein, dass ich ein Problem mit dem Suff habe, hatte ja auch genug über Kokain und Konsorten geschrieben, bin es aber echt leid, mich wieder und wieder rechtfertigen zu müssen.

Habe auch meinen PC, der in meinen Gedanken schon tausendmal explodiert ist, für eine halbe Woche nicht mit dem Po angesehen, obwohl ich ja Internet süchtig bin.
Was denn nun?
Fettsucht. Internetsucht. Alkoholsucht. Kokainsucht. Nikotinsucht. Mama‑, Liebes‑ und Familiensucht. Todessehnsucht.
Such ich noch immer, was ich nicht gefunden habe?
Ich suche nach keiner Lösung. Noch nicht.
Ich habe meine Mauer und hinter dieser bleibe ich, solange ICH will. Kapiert?

Dies ist Teil 12 von 14 aus der Serie Aggro ist cool

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Kokain Ⅲ

Hartmut 25. April 2008

Immer wieder lese ich in meinen Statistiken, dass sich viele Suchmaschinen-Anfragen auf meine Artikel in meinem Blog auf das Thema Kokain beziehen.
Ich selbst bin kokainabhängig und habe es in allen Formen – vom Schnupfen, über das Rauchen, das Basen sogar das Spritzen zu mir genommen.
Und ich bin clean!
Ich bin nicht geheilt, DAS werde ich nie sein. Ich kämpfe jeden Tag mit meinen Dämonen, mit der Gier, mit den Nachwirkungen.

Das Warum, das wie kam ich zum Kokain ist ein Thema, das Lassen, das Durchhalten, die Depressionen, das Suchen nach Ersatzdrogen, der tägliche Wahnsinn mit sich und seiner Paranoia, all das gebe ich zu, wird mich wohl bis zum Ende meiner Tage beschäftigen.

Aber ich gebe auch nicht auf.

Wenn es kein geeignetes Forum gibt, sich auszutauschen, mich zu fragen, meine Meinung anzuhören, dann biete ich an, es hier zu tun. Es sollte vielleicht nicht direkt um Kokain gehen sondern um Sucht, aber das können wir ja noch später bereden!

Dies ist Teil 4 von 7 aus der Serie Kokain

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Das Eichhorn

Hartmut 25. April 2008

Da saß ich nun, friedlich und zufrieden im Grünen, im Garten so wie ich mir die Idylle vorstelle und erspähte plötzlich ein gar seltsames Tier.

Es hoppelte über die Wiese, mal zweibeinig, mal auf seinen viel zu kurzen Vorderpfoten, wuselte in der Wiese, lauschte ins Nichts, duckte sich und sprang plötzlich wie ein Hase im Zickzack hin und her.
Aber es blieb immer in der Nähe.
Und so wie ich es fixierte, so fühlte ich mich auch von ihm beobachtet. Wie verschmolzen zu einer uns beschnuppernden, feinfühligen und sensiblen Einheit.
Wir rochen uns sogar aus der Entfernung noch ab. Respekt und Misstrauen. Verschiedene Lebewesen, Kulturen trafen hier aufeinander.
Vielleicht sogar mitgegebene Gene. Angst! Neugier!

Keine ruckartigen Bewegungen, kein zu lautes Wort! Wie sensibel kann ich mich ihm noch nähern?

Ich will das jetzt nicht weiter dramatisieren!
Das Eichhorn ist ein Eichhörnchen und ich frage mich noch immer, warum es so heißt, obwohl ihn ja keinerlei Ähnlichkeit mit einem Nashorn verbindet.
Weder Statur noch Horn auf Nase, Kopf oder Schulter.

In jedem Fall wuselte dieses kleine Geschöpf den halben Tag im Garten herum. Ich gebe es zu, es war mein erster offizieller Garten-Tag in diesem Jahr und ich genoss die frische Luft, das zwitschern der Vögel, sogar das bisschen Gartenarbeit, das mir meine Mutter auferlegte.
Mehr faszinierte mich aber das immer wiederkehrende unscheue Eichhörnchen, das behändig, fleißig in der Wiese, in meiner Nähe suchte, stetig etwas fand, das ich partout nicht erkennen konnte, aber sich scheinbar nicht stören ließ, weiter zu machen.
Es ignorierte sogar die Erdnüsse, die ich ihm hinwarf. Es war ganz versunken in dem Kontakt zwischen sich, seiner Erde, dem Gras und erfüllte mich mit einem Vertrauen, das ich auch jetzt noch kaum beschreiben kann.

Nein, es hatte keine Angst mehr vor mir.
Ich legte mich flach auf die Wiese und es sprang über mich, lachte mich an, fand mich zu komplex, um mich anzufuttern, um Nüsse an oder in mir zu suchen, aber wir spielten, mit unseren Blicken, ich mit meiner Hand, es mit seiner Flinkheit und immer mit dem Respekt vor dem Anderen.

Und ich verstand auf einmal die alte Volksweisheit:
Mühsam nährt sich das Eichhörnchen!
Ob es in der Erde nach seinen längst vergessenen Nussschalen sucht oder es vorsichtig nach neuen Gefährten sucht.

Es mag nicht satt werden. Es will glücklich sein und scheut keine Enttäuschung, bei allem, was es tut!

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